Arbeitspause
Gute Idee: Die Arbeitspause für Smalltalk mit den Kollegen nutzen | Foto: Thinkstock/dusanpetkovic
Autor

13. Mär 2018

Denise Haberger

Work-Life-Balance

Arbeitspause: Keine verlorene Zeit!

Ein Umdenken ist wichtig

Wie pausiere ich richtig?

Professor Rainer Wieland: Kurze Arbeitsperioden und mehrere kurze Pausen sind besser als lange Arbeitsperioden und eine lange Pause. In den ersten zehn, fünfzehn Minuten ist der Erholungseffekt am höchsten, alles darüber hinaus ist nicht notwendig. Ausnahme bildet die Mittagspause. Denn man sollte das Essen nicht herunterschlingen. Ich empfehle fünf- bis zehnminütige Pausen alle eineinhalb Stunden. Stellen Sie sich dafür den Wecker, sonst vergisst man das leicht.

Wie sieht die ideale Pause aus?

Es ist gar nicht so wichtig, was man macht – hauptsache, man macht es regelmäßig. Schließen Sie die Augen und konzentrieren Sie sich ein paar Minuten aufs Atmen, um damit von den Gedanken an Ihre Arbeit wegzukommen. Oder machen Sie einen kleinen Spaziergang. Jeder entspannt anders, daher muss jeder den richtigen Weg für sich finden. Wichtig ist es, Entspannung als Tätigkeit zu verstehen, auf die man sich genauso konzentrieren muss wie auf die Arbeit. Verbringen Sie die Pausen wenn möglich nicht am Arbeitsplatz. Man muss den Fokus von den Arbeitsinhalten auf die Pausentätigkeit umlegen, ansonsten ist die Pause nicht effektiv.

Bin ich nicht ein Drückeberger, wenn ich ständig Pause mache?

Erholung ist etwas Notwendiges, das darf man nicht vernachlässigen. Denn ohne regelmäßige Erholung sinkt die Leistungsfähigkeit. Das ist wissenschaftlich nachgewiesen. Arbeit beansprucht unsere geistigen, emotionalen und motivatorischen Ressourcen. Dauer und Intensität führen zu Ermüdung und die Ressourcen müssen wieder aufgeladen werden. Wenn mir beim Laufen die Puste ausgeht, dann höre ich auch auf. Genauso automatisch sollte ich beim Arbeiten abschalten.
 


Arbeit Pause


Ich tue meinem Chef damit also einen Gefallen?

Natürlich. Wer regelmäßig Ruhezeiten einlegt, hat einen geringeren Stresspegel und mehr Energie für den Job. Diese kleinen Pausen machen wir übrigens sowieso, oft auch unbewusst. Mal ein paar Augenblicke abschalten, der Gang zur Teeküche oder der Smalltalk mit den Kollegen – alles das sind versteckte Pausen, die die Produktivität steigern, aber oft nicht gerne gesehen werden und uns vielleicht auch ein schlechtes Gewissen machen. Da wäre es doch besser, sie wären offiziell erlaubt.

Warum haben Pausen keinen guten Ruf?

In Deutschland gibt es keine Pausenkultur, wie etwa in Japan. Hierzulande ist die Leistungsorientierung sehr hoch, die Mentalität des Schaffens steht im Vordergrund. Pausen werden da als Hindernis angesehen. Das ist eine tief verankerte kulturelle Haltung.

Wie kann eine Pausenkultur entstehen?

Pausen sind keine verlorene Zeit. Das muss erst einmal in den Köpfen ankommen, und das vor allem in den Chefetagen. Solche Einstellungen zu ändern, ist allerdings sehr schwierig und ein längerer Prozess. Entscheidungsträger müssen das Gefühl bekommen, dass es sich lohnt, auf Pausen zu setzen. Aber nicht nur das ist ein zentrales Thema.

Was ist neben der Pause noch wichtig?

Die Gestaltung der Arbeitsbedingungen spielt eine große Rolle, dabei wie schnell unsere Ressourcen überhaupt erst verbraucht werden. Wichtig ist, dass Menschen ihre Arbeit als sinnvoll erleben. Entscheidungsfreiräume sind ebenso von Bedeutung. Nicht unerheblich sind außerdem Arbeitsstörungen, sprich Unterbrechungen durch E-Mails und Co, sowie mangelnde Anerkennung. All dies sind zentrale Merkmale, die unseren Ressourcenverbrauch beeinflussen. Wer also die Arbeitsbedingungen seiner Mitarbeiter verbessert und eine Pausenkultur einführt, in der pausieren nicht gleich faulenzen bedeutet, macht vieles richtig.
 


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