Liebe im Büro
Liebe am Arbeitsplatz geschieht oft heimlich | Foto: Thinkstock/Siri Stafford
Autor

22. Mär 2016

Marie-Charlotte Maas

Work-Life-Balance

Liebe am Arbeitsplatz

Kein Tabu mehr – oder doch?

Verbotene Liebe?

Kims und Christians Liebesgeschichte ist auf den ersten Blick eine wie viele andere auch. Vor zwei Jahren lernen sie sich bei ihrem Arbeitgeber, einem internationalen Chemie-Konzern, kennen, wo beide als Projektmanager angestellt sind. Sie sind sich sofort sympathisch, treffen sich schon bald auch privat und nur wenige Wochen später sind die beiden ein Paar. Sie sehen sich jeden Tag im Büro, gehen zusammen Mittagessen und tauschen sich bei Fachfragen aus. Doch Kim und Christian haben ein Geheimnis: Dass die 30-Jährigen mehr als Kollegen sind, weiß in ihrer Firma bis heute niemand.

Beziehungen im Büro sind oft Top-Secret

Die beiden haben sich bewusst dafür entschieden, diese Tatsache geheim zu halten. Nicht, dass eine Beziehung verboten wäre, doch die beiden sind sicher, dass sie schlecht ankäme. Vor kurzem kam die Beziehung zwischen zwei Kollegen ans Tageslicht – die Reaktionen waren nicht positiv: "Es wurde viel geredet, auch über mögliche Probleme und darüber, inwieweit das Verhältnis die Arbeitsleistung beeinflussen könnte. Das hat uns in unserer Entscheidung noch einmal bestätigt", sagt Kim.

Damit ihre Beziehung weiterhin geheim bleiben kann, wollen die beiden auch hier nicht ihre richtigen Namen nennen. Zu viel Mühe haben sie bisher darauf verwendet, die anderen glauben zu lassen, sie seien nicht mehr als Kollegen. Fahren sie gemeinsam in Urlaub, kehren sie mit unterschiedlichen Geschichten nach Hause zurück. "Dann war ich in Südafrika und Christian auf Mallorca", sagt Kim. Übernachten sie gemeinsam in einer ihrer Wohnungen, fahren sie trotzdem getrennt zur Arbeit. "Wir achten sehr genau darauf, dass wir uns in der Firma nicht zu nahe kommen, heimliche Treffen im Kopierraum oder im Aufzug, wie man es in Filmen sieht, gibt es bei uns nicht", sagt Christian.

Mit der Entscheidung, den Kollegen nichts von ihrer Beziehung zu erzählen, stehen er und Kim nicht alleine da. Eine Studie des Karrierenetzwerks CareerBuilder hat ergeben, dass zwar ein Drittel aller Deutschen schon mal ein Date mit jemandem aus dem gleichen Unternehmen hatte, doch genauso viele von ihnen haben sich dafür entschieden, ihre Büroliebe geheim zu halten.

Entspannte Arbeitgeber?

Dabei gehen deutsche Unternehmen mit dem Thema relativ offen um. "Gerade in einem großen Unternehmen, in dem hunderte Menschen zusammenarbeiten, gibt es viele Kolleginnen und Kollegen, die sich im Job kennen- und lieben gelernt haben", sagt Anne Motz von der Deutsche Post DHL Group.

Das bestätigt auch Birgit Reinhardt, Diversity-Managerin bei der Deutschen Bahn AG. "Dass aus Kollegen manchmal Paare werden, empfinden wir als Selbstverständlichkeit, und wenn sich eine solche Liebe dann noch positiv auf die Arbeitsmoral auswirkt, ist das umso schöner. Wer geht nicht besonders gerne ins Büro, wenn da jemand ist, den man sehr mag?"

Kein Problem also? Zumindest dann nicht, wenn man sich an ein paar Regeln hält. "Wichtig ist natürlich, dass sich das Private nicht auf den Job auswirkt", sagt Birgit Reinhardt. "Den Partner anders zu behandeln als die restlichen Kollegen oder gar zu bevorteilen, ist ein absolutes Tabu."
 


Streit Liebespaar Büro


Versetzung nach dem Rosenkrieg

Schwierig kann es auch werden, wenn die Beziehung scheitert: "Der Arbeitgeber darf eine Liebesbeziehung zwischen Kollegen nicht verbieten, da dies ein Verstoß gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Beschäftigten ist. Wenn durch die Liebesbeziehung aber eine Störung der Arbeitsleistung oder des Betriebsfriedens eintritt, können arbeitsrechtliche Maßnahmen, wie etwa eine Versetzung, erfolgen", sagt der Arbeitsrechtler Julian Wölfel.

Auch Rita und Oliver gehören zu den Paaren, die sich im Büro kennenlernten. Er arbeitete als Redakteur bei einer Zeitschrift, sie absolvierte dort ein siebenmonatiges Praktikum. "Es war Zuneigung auf den ersten Blick – gleich vom ersten Händeschütteln an", erzählt Rita. Als sie schließlich ein Paar werden, geht es ihnen ähnlich wie Kim und Christian. Sie beschließen, ihre Beziehung geheim zu halten: "Es war mir vor den Kollegen irgendwie unangenehm. Ich dachte, dass man mir dann vorhalten würde, dass ich den einen oder anderen Auftrag nur bekommen habe, weil ich mit dem Redakteur zusammen bin."

Doch anders als bei Kim und Christian werden die Kollegen rasch auf die beiden aufmerksam: "Es fiel auf, dass wir plötzlich immer gemeinsam kamen und gingen, obwohl wir aus zwei unterschiedlichen Richtungen und Städten kamen. Da haben wir es dann zugegeben."

Wohlwollende Kollegen

Anders als befürchtet, reagierten die Kollegen positiv. "Dumme Sprüche blieben aus, viele haben sich für uns gefreut. Allerdings haben wir auch darauf geachtet, uns während der Arbeitszeit nicht wie ein verliebtes Paar zu benehmen. Küssen und Händchenhalten war tabu. Das hätten wir den Kollegen gegenüber peinlich gefunden." Am Ende war es für die beiden auch eine Erleichterung, ehrlich zu den Kollegen sein zu können. Auch Kim und Christian werden ihre Beziehung nicht mehr lange geheim halten müssen – beide schauen sich gerade nach neuen Stellen um, diesmal allerdings in unterschiedlichen Unternehmen.
 


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