Job als Spielwiese
Wichtige Erkenntnis:Wir gestalten uns unser Arbeitsumfeld selbst | Foto: Thinkstock/Robert Churchill
Autorenbild

12. Mai 2015

Barbara Kotzulla

Erfolgsgeschichten

Wenn der Job zur Spielwiese wird

Im Interview: Kommunkationscoach und Karriereberater Dani Nieth

"Alles was ist, bringt mich weiter"

UNICUM: Herr Nieth, gehen Sie als Motivationscoach selbst immer topmotiviert zur Arbeit?
Dani Nieth: Arbeit ist Spiel. Das ist meine oberste Überzeugung. Ich stehe morgens auf und sage: heute ist ein weiterer Spieltag. Das motiviert mich komplett – gerade an Tagen, an denen ich nicht unbedingt gute Laune habe. Ich nehme Arbeit als Spiel wahr, wenn's Krieg wird, dann höre ich auf. Der zweite Glaubenssatz, an den ich mich ganz stark halte: Alles was ist, bringt mich weiter. Auch schlechte Tage.

Den Beruf als Spiel verstehen, das klappt an guten Tagen sicherlich einfacher...
Aber genau in schwierigen Momenten, wenn unliebsame Meetings bevorstehen oder mir die Arbeit zum Hals raushängt, sollte ich mir sagen: Hey, mein Arbeitsumfeld ist eine Spielwiese für mich; heute spiele ich einmal mit dem Element Mensch. Dann beobachte ich zum Beispiel einfach mal unter verschiedenen Aspekten meine Kollegen, die Vorgesetzten etc. Und lerne dabei über den Menschen. Meinen Spielplatz gestalte ich so selber.

Potential entdecken

Haben Sie ein Beispiel, wie eine solche Spielplatz-Gestaltung aussehen kann?
Nehmen wir eine Bank. In einer solchen sind die Mitarbeiter hinter den Schaltern jeden Tag mit unterschiedlichen Menschen konfrontiert, die mal aggressiv sind, ihre Sorgen haben. Diese Arbeitnehmer rege ich dazu an, sich zu überlegen, wie sie ihren Spielplatz einrichten wollen. Da gibt es unzählige Modelle. Man könnte etwa ein Farbmuster erstellen – Grün steht für soziale Menschen, Geld für die kommunikativen usw. Wenn man dann im Job Motivationsschwierigkeiten hat, kann man das Spiel starten: Man färbt die Kunden direkt am Eingang nach der ersten Intuition ein und schaut dann, ob die These stimmt. Das gleiche kann ich auch etwa an der Uni machen, und mich vielleicht an einem Tag nicht in erster Linie mit dem Lernstoff, sondern mit der Verhaltensweise der Professoren beschäftigen. Und plötzlich merkt man: Da draußen ist ein ganzes Potential an interessanten Dingen!

Nur Absagen: Motivation in der Bewerbungsphase

Gehen wir einmal einen Schritt zurück: In der Uni und im Beruf gestalte ich meinen Alltag Leben als Spielwiese – wie kann das beim Berufseinstieg funktionieren? Hier beeinflussen doch viele Faktoren mein Handeln im Spiel. Wie kann ich mich etwa motivieren, wenn ich immer nur Absagen auf meine Bewerbungen bekomme?
Jedes Mal, wenn ich mich in einer solchen Situation frage "Warum ich?", klappe ich die Rückspiegel auf, schaue nach hinten und suche nach einer Schwachstelle. Deswegen würde ich als allererstes die "Warum"-Frage streichen. Man sollte sich lieber fragen, WIE ich etwas daran ändern kann. Die Antwort darauf finde ich in Rückfragen. Dazu muss man dann auch den Mut aufbringen und bei den Unternehmen anrufen. Am Telefon sollte man nun nicht fragen "Warum haben Sie mir abgesagt?", sondern "Wie hätte ich größere Chancen bei Ihnen gehabt? Auf was achten Sie genau?" Nur so kann man lernen, wie man es bei der nächsten Bewerbung besser machen kann. Ein "Warum" bringt uns nur in den seltensten Fällen weiter. Das war ein sehr zentrales "Aha"-Erlebnis in meinem Leben.

Im Vorstellungsgespräch überzeugen

Nehmen wir an, ich werde dann zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Wie kann ich den Arbeitgeber jetzt von mir überzeugen?
Man darf sich nicht als Sender verstehen. Das ist der größte Fehler. Vor einem solchen Gespräch hat man seine eigene Welt kreiert, mit den ganzen Abschlüssen und Referenzen, die man einfach senden will. Doch man sollte als Empfänger von Informationen in eine solche Situation gehen. Es geht jetzt darum, Interesse an der Firma zu signalisieren, das Unternehmen kennenlernen zu wollen. Das heißt primär: Hingehen und Fragen stellen. Man sollte im Vorfeld gut über das Unternehmen recherchieren und dann mit einem kleinen, nicht zu dicken Fragenkatalog kommen – vielleicht fünf Fragen, mit denen man seinem Gegenüber bewusst Interesse signalisiert. Im Gespräch hört man dann genau zu und schaut, wo es gemeinsame Schnittstellen gibt und wie man diese synchronisieren kann. Dann braucht man nur noch die richtigen Zeilen aus dem Köcher ziehen und muss nicht mehr diese ganze Sendung, die man normalerweise mitnimmt, losdrücken.

Wie schaffe ich es, nicht die Hoffnung aufzugeben?

Trotz aller guten Tipps und den vielen Möglichkeiten unserer Zeit, plagen viele Studierende, Absolventen und Berufseinsteiger teilweise starke Zukunfsängste. Wie schaffe ich es in dunklen Momenten, nicht die Hoffnung aufzugeben?
Das hört sich vielleicht etwas hart an, aber nach meinen 13 Jahren im Medienbusiness kann ich nur raten: Verzichtet auf die Medien. Das hilft. Wenn man nicht dieses ständige Hintergrundrauschen hat, ist man viel glücklicher. Wenn mich Sorgen plagen, sollte ich im ersten Schritt meinen Medienkonsum einschränken und im zweiten Schritt reflektieren, was die Medien mit mir machen. Ich behaupte, da gibt es dann zu 90 Prozent ein "Wow"-Erlebnis.
 


Zur Person Dani Nieth

Karriere-Coach Dani NiethDer Schweizer Dani Nieth (*1959) war in seinem bewegten Leben schon vieles: Kunstturner und erfolgreicher Skiakrobat, Student und Betriebsökonomie-Absolvent, Mitglied der Chefredaktion von RTL/ProSieben Schweiz sowie Talkmaster. Nun verrät er als Moderator, Dozent und Kommunikationsexperte seine Erfolgsgeheimnisse. Nieths Motto lautet: Erfolgreich sein mit den richtigen Glaubenssätzen!

Dani Nieth ist spezialisiert auf motivierende Trainings und Seminare, in denen er sein Wissen an alle weitergibt: egal ob CEO, Pressesprecher, Verkäufer oder Rezeptionist. Mehr Infos auf www.nieth.ch
 

Diese Themen könnten dich auch interessieren