Vielfalt in Unternehmen
Immer mehr Unternehmen setzten auf Vielfalt unter den Arbeitnehmern | Foto: Thinkstock/numismarty
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25. Nov 2015

Birk Grüling

Karriere-News

Diversity Management: Vorsprung durch Vielfalt

Wie Unternehmen mit bunter Belegschaft wirtschaftlich erfolgreicher sein wollen

Image-Gewinn durch Diversity Management

Führungspositionen sind keine Männerdomäne mehr, Frauen so gut ausgebildet wie nie zuvor. Moderne Väter wünschen sich mehr Zeit mit der Familie. Gleichzeitig sorgt der demographische Wandel für eine alternde Bevölkerung. Um ihren Fachkräftebedarf zu decken, ist die Wirtschaft daher auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Auch das Thema Inklusion rückte zuletzt in den Fokus der Öffentlichkeit. Kurzum: Wie unsere Gesellschaft werden auch die Belegschaften der Unternehmen bunter. "Unternehmen können nur zukunftsfähig agieren, wenn sie die Chancen der Vielfalt nutzen", sagt Aletta Gräfin von Hardenberg, Geschäftsführerin Charta der Vielfalt.

Die Initiative macht sich für mehr Diversität in der Wirtschaft stark. Die Rechnung ist einfach: Je vielfältiger die Kenntnisse und Erfahrungen der Beleghaft, desto größer ist das Know-How. Eine Chance, die viele Unternehmen erkannt haben. 

So besitzen fast alle der 30 größten DAX-Unternehmen eine "Diversity"-Abteilung, die sich um Vielfalt innerhalb der Belegschaft kümmert. "Ihr Alter, Geschlecht, Herkunft oder die sexuelle Orientierung darf für unsere Mitarbeiter kein Nachteil sein. Nur so können wir als Unternehmen von ihren Talenten profitieren", sagt Manfred Ohl, Diversity-Manager bei der Telekom.

Das Ziel: Vielfalt in der Unternehmenskultur

Für dieses Ziel hat das Unternehmen einen ganzen Maßnahmenkatalog entworfen, der Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen unterstützen soll. Das Angebot reicht von neuen Arbeitszeitmodellen wie Führungskräften in Teilzeit oder Homeoffice, über regelmäßige Diversity-Schulungen bis hin zu Religionsdialogen und Förderprogramme für Fachkräfte und Azubis mit Migrationshintergrund. "Vielfalt in der Unternehmenskultur zu verankern, ist ein langwieriger Prozess", erklärt er. Immer wieder müsse man Werbung für die eigenen Angebote machen, aktiv auf Mitarbeiter zugehen, den Erfahrungsaustausch anregen. Selbstlos sind solche Anstrengungen natürlich nicht, die Unternehmen profitieren auch davon.

Zum Beispiel hilft erfolgreiches Diversity-Management bei der Suche nach Fachkräften. "Durch unsere Programme machen wir Werbung für uns als Arbeitgeber. Berufseinsteigern nehmen die Telekom als modernes, weltoffenes und damit attraktives Unternehmen wahr", sagt Ohl. Und die Potentiale gehen noch über die Rekrutierung junger Hochschulabsolventen hinaus. Immer noch gehen viele ältere Fachkräfte vorzeitig in Rente, Einbußen bei ihren Altersbezügen zum Trotz. Ein wichtiger Grund dafür ist neben der körperlichen Belastung auch eine schlechte berufliche Perspektive. Viel Wissen und Kompetenz gehen so verloren.

Die Mehrheit der Mütter arbeitet in Teilzeit oder gar nicht. Ein Grund dafür ist die "dürftige" Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Nachholbedarf gibt es auch bei Rekrutierung von Fachkräften aus dem Ausland und bei der Integration von Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt. Die Charta der Vielfalt geht von einem aktivierbaren Fachkräftepotenzial von 1,6 bis vier Millionen Menschen aus.

Inklusion Unternehmen

Kunden finden ihr passendes Gegenüber

Dazu kommen noch die ökonomischen Vorteile der Vielfalt. Eine bunte Zusammensetzung von Frauen und Männern unterschiedlichen Alters, Menschen mit Migrationshintergrund, mit unterschiedlichen Weltanschauungen oder sexuellen Orientierungen sorgt dafür, dass alle Kunden ihr passendes Gegenüber im Unternehmen wiederfinden. "Die Rechnung ist einfach. Wenn wir unsere Hotline und die Beratung im stationären Handel mehrsprachig anbieten, erschließen wir neue Kundengruppen", bestätigt Ohl. Die Nutzung dieser Potentiale fällt großen Unternehmen oft leichter. Sie können flexibler auf kürzer tretende Kollegen reagieren und haben mehr Erfahrung in der Integration von Fachleuten aus dem Ausland.

Das bestätigt auch Thomas Erich, Pressesprecher von Lufthansa Technik. "Die Luftfahrtbranche tut sich mit Vielfalt nicht sonderlich schwer. Wir sind von Haus aus international aufgestellt und müssen mit einer großen Bandbreite an Aufgaben und Fachgebieten umgehen." Ohne eine Vielfalt an Experten und individuellen Stärken wäre das Tagesgeschäft kaum machbar. Bei Umsetzung im Alltag setzt man vor allem auf die Flexibilität der Abteilungen und die Eigeninitiative der Mitarbeiter. "Bei unserer Größe können wir uns natürlich individueller auf die Ansprüche unserer Mitarbeiter einstellen als ein kleiner Betrieb", sagt er.

Ungewöhnliche Ansätze

Unterstützt wird das Prinzip Eigeninitiative durch eine offene Führungskultur mit einer zentralen Frage: "Was brauchen die Mitarbeiter, um ihre optimale Leistung zu entfalten und wie passt das in den Rahmen der betrieblichen Möglichkeiten?" Neben Teilzeitregelungen für junge Eltern oder Mitarbeiter in Weiterbildung gibt es auch ungewöhnliche Ansätze. So sind auf dem Gelände alle Zebrastreifen knallig-gelb. Für Mitarbeiter mit Sehbehinderung sind sie so viel besser sichtbar.

Und seit 2000 bildet das Hamburger Luftfahrtunternehmen junge Gehörlose zu Werkzeugmechanikern aus. Gebärdensprachen-Coaches begleiten sie durch die reguläre Ausbildung. Inzwischen sind gehörlose Kollegen im Betrieb Normalität. "Wir machen das nicht aus sozialem Gewissen. Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, junge Talente ungenutzt zu lassen – sei es wegen einer Behinderung oder einer Nationalität", stellt Erich klar.

Ein internationales Unternehmen dieser Größe, das die Vielfalt der Gesellschaft nicht abbildet, sei schlichtweg nicht wettbewerbsfähig. Mit anderen Worten: Wer diskriminiert, verliert.

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