Ingenieure Berufschancen Internet
Die besten Berufschancen haben Ingenieure im Internet- und Big-Data-Bereich. | Foto: Pixabay/geralt
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02. Mai 2018

Frederik Töpel

Professor des Jahres

Gute Zeiten für Generalisten

Prof. Dr. Detlef Jensen im Interview

Die Türen stehen für Ingenieure weit offen!

UNICUM Beruf: Laut VDI werden aktuell 74.000 Ingenieure gesucht – Tendenz steigend. Können sich angehende Ingenieure ihren Arbeitsplatz also aussuchen?
Detlef Jensen: Man tri?t gerade nur auf o?ene Türen. An unserer Hochschule werden Absolventen mit Erhalt ihrer Bachelorurkunde von den Firmen verp?ichtet. Und zwar nicht von fachfremden Firmen, sondern sie fangen in dem Betrieb ihrer Wahl an.

Auch die Gefahr eines zeitverzögerten Absolventen-Überangebots sehen Sie nicht?
Kategorisch ausschließen kann man das nicht. Für wichtiger (als die Gesamtperspektive, Anmerkung der Redaktion) halte ich aber Verschiebungen innerhalb einzelner Bereiche. Beispiel Automobilbranche: Beim Umschwung zur E-Mobilität werden im Bereich der Getriebetechnik und der normalen Benzinmotortechnik weniger Arbeitskräfte gebraucht. Stattdessen kommt es auf Lade- und Batterietechnik an. Wenn man also gute Perspektiven haben möchte, sollte man auf die zukunftsträchtigen Märkte setzen.

An welche Märkte denken Sie abgesehen von der E-Mobilität?
Vor allem an Märkte rund um das Internet of Things und Big Data. Hier sehe ich die Zukunft für Ingenieure.

Neue Anforderungen durch die Industrie 4.0

Womit wir in den Bereich von Industrie 4.0 kommen. Was sind hier die neuen Anforderungen an angehende Ingenieure?
In der Kommunikationstechnik wird vieles softwarebasiert ablaufen. Ich muss deshalb wissen, was cloudbasierte Dienste sind, wie ich mit großen Datenmengen umgehe. Es werden beispielsweise Leute gebraucht, die für DataMining zuständig sind, die Daten konzentrieren und auslesen, die Folgerungen ableiten, die wir in Algorithmen einfließen lassen können. Aber es geht nicht nur darum, Services aufzubauen. Wir müssen auch gucken: Wie kann ich das Ganze sichern? Das Auto, das Haus, die Industrie, alles ist miteinander vernetzt. Und wenn wir jetzt zunehmend von HackerAngriffen hören, dann brauchen wir natürlich Arbeitskräfte, die sicherstellen, dass das nicht passiert.

Was sollten Studierende generell bei ihrer Studienplanung beachten?
Ich halte eine fundierte Grundausbildung für sehr wichtig: Ich mache meinen Abschluss in E-Technik, Maschinenbau, Informatik. Ich will zunächst den Generalisten haben, der fundiert die Grundlagen beherrscht. Vertiefungen sollte man erst im Master erwerben.

Arbeiten in Großkonzernen erfordert gute Menschenkenntnis

Professor des Jahres Jensen

Für viele Absolventen stellt sich dann beim Berufseinstieg die Frage: Großkonzern oder kleiner Betrieb? Was kommt jeweils auf sie zu?
In einer großen Firma hat man es in der Regel mit Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Nationalitäten zu tun. Und da muss ich Teamworker sein und verschiedene Dinge mitbringen, damit ein Team entstehen und funktionieren kann: Ich muss eine vernünftige Fremdsprachenausbildung haben; ich muss über den internationalen Hintergrund von Menschen Bescheid wissen; ich muss mich artikulieren können und meine Meinung vertreten können. Und ich muss präsentieren können. Dafür werde ich teilweise über das Studium hinaus nachgebildet und kann mich auf eine konkrete Aufgabe konzentrieren.

In einer kleineren Firma hingegen ist die soziale Anbindung sofort da und man wird direkt eingesetzt. Dabei nimmt man aber auch Abschied von der klassischen 40-Stunden-Woche und muss die ganze Palette abdecken: Man muss Projekte akquirieren, Pflichtenhefte schreiben, an die Projektleitung kommunizieren, am Auftrag selber mitarbeiten.

Für welche Berufsziele lohnt sich eine Promotion?
Fangen wir vorne an: Wenn ich in eine kleine Firma gehe, hebe ich mich teilweise schon durch einen BA-Abschluss hervor und brauche keinen Master. Gehe ich in eine größere Firma, dann brauche ich ein vernünftiges Standing und damit auch einen Master. Wenn ich forschen will oder in die Führungsetage einer großen Firma will, dann macht der Doktor Sinn.

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