Start-up Idee
Vor der Gründung eines Start-ups solltest du dich schlau machen! | Foto: Thinkstock/g-stockstudio
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27. Jun 2016

Lukas Günther

Start-up & Selbstständigkeit

Die 5 größten Startup-Mythen

Komm, lass mal gründen!

Die wichtigste Gründer-Regel: Nur die Ruhe bewahren!

Start-ups sind überall. Jeder redet über eines, arbeitet in einem oder ist gerade dabei, eines zu gründen. Zumindest fühlt es sich so an. Es steht außer Frage, wie wichtig neue Geschäftsmodelle für eine sich weiterentwickelnde Wirtschaft sind, nur existieren zum Teil unrealistische Annahmen, was Gründertum bzw. Entrepreneurship eigentlich abverlangt. Setzt man sich mit ihnen auseinander, dann wird schnell klar, woran es hakt: Back to life, back to reality! Also, einatmen, ausatmen, durchlesen und besser machen.
 

Mythos 1: Gründe immer im Team

Durch dick und dünn gehen, das geht doch nur im Duo. Zumindest braucht es mehr als eine Person, um ein eigenes Unternehmen ins Leben zu rufen. Harte Zeiten lassen sich einfacher schultern, wenn es eine zusätzliche Schulter gibt, an die man sich anlehnen kann. Man beachte die Risikostreuung und die geteilten Schulden. Geht es überhaupt romantischer?

Reality Check:

Gemeinsame Gründungen können gut gehen, sind aber bei weitem keine Anforderung an ein erfolgreiches Start-up. Es stimmt zwar, dass sich somit in schwierigen Phasen eine direkte Person anbietet, bei der man Rat holen kann, doch das muss nicht zwangsweise der eigene Geschäftspartner sein. Universitäten haben meist ein eigenes Career Center, das Hilfestellung bei Fragen rund ums Unternehmertum leistet und Accelerator Programs sind eine gute Gelegenheit, um sich branchenintern die Unterstützung zu holen, die man benötigt.

Auch der scheinbare Vorteil der Risikostreuung lässt sich aus einer anderen Perspektive betrachten. Gemeinsame Schulden bedeuten gemeinsame Verantwortung und verkomplizieren Entscheidung, gerade wenn Uneinigkeit herrscht. Solo-Gründer haben es hier in der Regel leichter, weil sie die alleinige Wahl treffen, wie etwas am Ende umgesetzt wird.

Kurz gesagt:

Bleib realistisch – und such dir Hilfe bei den richtigen Leuten.
 

Mythos 2: Gib alles oder nichts

Der Plan steht, die Idee ist die beste, die man je gehabt hat und Investitionen im vierstelligen Bereich ließen sich ebenfalls auftreiben. Jetzt kann es endlich richtig losgehen. Also Studium abbrechen, Job schmeißen und rein ins flotte Entrepreneur-Gedränge. Schließlich braucht es nun den ganzen Fokus für das eigene Projekt. Und mit dem Geld lässt sich auch eine Weile leben. Alles easy!

Reality Check:

Es gibt einen großen Unterschied zwischen "Alles geben" und "Aufgeben". Ersteres beschreibt einen Zustand kritischer Unüberlegtheit, zweiteres bezieht sich auf die persönliche Widerstandskraft und Pertinenz. Investitionen in das Unternehmen sind nicht dazu da, um sie für das eigene Leben zu verwenden, sondern um sie sinnvoll und wohlüberlegt für die Firma zu gebrauchen.

Auch ein Studium kann finanzielle Sicherheit geben:  Es garantiert eine akademische Qualifikation, die auch dann noch existiert, wenn das Projekt "Start-up" nicht so klappt, wie zu Beginn vorgestellt. Und das kann durchaus passieren. Und was den Job angeht, sollte das Credo lauten: Lieber ein Nebenjob als gar kein Job!

Kurz gesagt:

Nicht alles riskieren und aufs Spiel setzen.
 

Mythos 3: Die Idee ist die halbe Arbeit

Du hast schon viele Ideen gehabt, doch diese eine, die ist unschlagbar und muss einfach umgesetzt werden. Du bist dir sicher, dass du jedem damit einen Schritt voraus bist und es das, was sich bisher in deinem Kopf befindet, noch nicht gibt. Nun muss lediglich der passende Investor gefunden werden, dem du dann deine Überlegungen vorstellst. Jetzt kann nichts mehr schief gehen.

Reality Check:

Ideen sind wertlos, wenn sie nicht verwirklicht werden. Eine Menge Menschen haben eine Menge Ideen, doch setzen sie niemals um. Eine Idee ist eigentlich nur der Anfang, denn es braucht noch so viel mehr, um damit erfolgreich zu sein. Selbst Investoren lassen sich erst dann begeistern, wenn man etwas hat, das vorzeigbar ist, an dem bereits gearbeitet wurde. Eine starke Idee ist selten Grund genug, um jemandem eine riesige Summe an Geld anzuvertrauen. Eine starke Persönlichkeit mit konkreten Plänen und einer soliden Strategie erscheint da um einiges attraktiver.

Kurz gesagt:

Anleger investieren nicht nur in Ideen, sondern immer auch in Menschen.
 

Start-up Ideen

Mythos 4: Launche ein perfektes Produkt

Schlaflose Nächte, endloser Stress, das Startup-Geschäft ist ein Fest! Doch der Zeitpunkt, an dem man mit einer ausgereiften Idee endlich an die Öffentlichkeit gehen kann, der ist noch nicht gekommen. Es gibt schließlich noch viele Sachen, die verbessert werden können, man will sich ja nicht blamieren. Und was soll man erst dem Kunden sagen, wenn er Lücken im System bemerkt?

Reality Check:

Während es vollkommen verständlich ist, ein funktionsfähiges Produkt anbieten zu wollen, das seinem Zweck gerecht wird, wäre es unklug, weitere Zeit in die Perfektionierung zu stecken. Das gilt vor allem für Software wie Apps oder Programme. Denn Extra-Zeit kostet auch ein Extra an Zeit und erhöht das Risiko, überholt zu werden. Oft ist der User eine gute Quelle, um Störfaktoren ausfindig zu machen und diese im nächsten Update zu beheben. Und so geht es Schritt für Schritt in Richtung "fehlerlos".

Kurz gesagt:

Einfach machen!
 

Mythos 5: Schnelles Geld wartet auf dich

Die Gründung ist erst eine Weile her, doch die Geschäfte laufen einigermaßen und das Bankkonto schreibt auch ab und zu schwarze Zahlen? Herzlichen Glückwusch, du bist ein geborener Entrepreneur! Die Startup-Welt liegt dir zu Füßen. Nur spürst du langsam dieses Kribbeln in den Fingern und kannst es nun kaum erwarten, die nächste Idee zu verwirklichen. Also schnell verkaufen!

Reality Check:

Tatsache ist: Start-ups gibt es wie Sand am Meer. Während viele die gleiche Idee haben, sich nur unterschiedlich positionieren, um andere Zielgruppen anzusprechen, gibt es nur wenige, die hervorstechen. Selbst dann ist die Wahrscheinlichkeit klein, dass ein Käufer um die Ecke kommt, um die Firma aufzukaufen. Dafür muss das Geschäft rentabel sein oder zumindest so zukunftsversprechend, dass sich dieses Risiko lohnt.

Bis der Tag kommt, an den Personen auch Unternehmensanteile kaufen wollen, erfordert es Unmengen an Hingabe und viel Herzblut. Unsicherheit wird ein ständiger Begleiter sein. Und wenn schon viele Investoren an Bord sind, gestaltet es sich noch schwieriger. Stichwort: Konsens.

Kurz gesagt:

Gründe nur, wenn du leidenschaftlich dabei bist, denn der Weg bis zum Verkauf ist extrem steinig.

Linktipp:

Mehr Informationen rund ums Thema Startup findest du hier: www.deutsche-startups.de

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