Frisches, regionales Gemüse
Frisch und regional - mit "Frischepost" kommt das Gemüse bequem zu dir | Foto: Thinkstock/AlexRaths
Autorenbild

29. Nov 2017

Alexander Lemonakis

Start-up & Selbstständigkeit

Die neuen Handels-Pioniere

Vom digitalen Hofladen bis Logistik-Roboter

"FRISCHEPOST" – FUTTERN WIE VOM ACKER

Eva Neugebauer (28) und Juliane Eichblatt (28) haben im Frühjahr 2015 ihren Traum vom eigenen Unternehmen verwirklicht und den Online-Lieferservice "Frischepost" in Hamburg gegründet. Ihr Start-up ist eine Art digitaler Hofladen und liefert frische Lebensmittel per Mausklick direkt vom Acker zum Kunden nach Hause in die Großstadt. Es garantiert dabei Transparenz und Nachhaltigkeit für die Verbraucher. Der Name: "Frischepost". "Frischepost" verbindet regionale Erzeuger, Bauernhöfe und Manufakturen aus dem Hamburger Umland (100-Kilometer-Umkreis) mit den Konsumenten in der Stadt. Der Online-Hofladen bietet eine große Auswahl von über 1.000 Produkten von ca. 150 regionalen Bauernhöfen: frisches Gemüse und Obst sowie Fleisch, Backwaren, Milchprodukte, Säfte, Spezialitäten und vieles mehr. Jedes Produkt und Unternehmen ist im "Frischepost"-Online-Shop mit Produzentenprofil, Fotos, Videos und Infos verfügbar.

SO FUNKTIONIERT "FRISCHEPOST"

Frischpost - Futtern vom AckerDer Kunde gibt seine Bestellung im Online-Shop (www.frischepost.de) auf. Daraufhin werden die Wünsche der Kunden an die regionalen Erzeuger weitergegeben, die nun produzieren und die Waren in das Lager liefern. Die tagesfrischen Lebensmittel werden von dort aus mit Elektroautos und E-Bikes klimaneutral im Hamburger Liefergebiet verteilt. Der Unterschied zu anderen Anbietern und Lebensmittel-Lieferservices: Zum herkömmlichen Gemüse-Abo können die Kunden sich ihre frische Post ganz individuell aus den Lebensmitteln ihrer Wahl zusammenstellen. Und natürlich legt "Frischepost" Wert auf Nachhaltigkeit, was sich an den wiederverwendbaren Pfand-Boxen, Mehrweg-Verpackungen und kurzen Lieferwegen zeigt. Das Motto "Direkt vom Acker" der beiden Gründerinnen steht stellvertretend für das ganze Unternehmen. "Wir übernehmen Verantwortung dafür, wo unsere Lebensmittel herkommen und wie sie hergestellt werden", sagt Juliane. Die 28-Jährige wuchs in einem landwirtschaftlichen Betrieb in Schleswig-Holstein auf. Nach dem Abitur zog sie für ihr BWL-Studium an die Gründer-Schmiede WHU (Otto Beisheim School of Management) nach Vallendar, arbeitete danach mehrere Jahre in großen Unternehmen und wollte sich rasch selbstständig machen. "Mir war aber klar, dass ich nur gründe, wenn ich mich mit meiner Leidenschaft zur Landwirtschaft und hochwertigen Lebensmitteln selbstständig mache." Evas Beweggründe für die Gründung von "Frischepost" sind ähnlich: "Für mich war klar, dass ich mich mit etwas in Richtung Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung selbstständig machen werde. Trotzdem will man natürlich auch profitabel sein. Ein eigenes Unternehmen gepaart mit Ökologie und sozialer Verantwortung schließt sich aber nicht aus. Im Gegenteil!"

KENNENLERNEN AN DER "ELITE"-UNI

Beide lernten sich im BWL-Studium an der WHU in Vallendar kennen und setzten sich schon dort intensiv mit dem Thema Sozialunternehmertum auseinander. Das Konzept von "Frischepost" geht auf Evas Masterarbeit zurück. Über das Exist-Gründerstipendium des Bundeswirtschaftsministeriums bekamen sie 125.000 Euro Startkapital. Der Tipp von Eva an alle Junggründer: "Einfach machen, ausprobieren und dranbleiben. Man erlebt als Jungunternehmer mindestens 100 Momente, in denen man aufgeben könnte. Das erfordert großes Durchhaltevermögen." Juliane fügt hinzu: "Arbeitet vorher bei anderen Start-ups und Unternehmen, nehmt jede Erfahrung mit, bevor ihr selbst gründet, und tauscht euch mit anderen Gründern aus."

Das "Frischepost"-Konzept kommt richtig gut an. In den ersten zwei Jahren ist das Start-up vom Gründerinnen-Team zu einer 22-köpfigen Mannschaft gewachsen, rund 2.000 Haushalte werden in Hamburg regelmäßig mit frischen Lebensmitteln versorgt. Mittlerweile wird an fünf Tagen der Woche ausgeliefert und mit der Drogeriemarktkette Budnikowsky wurden mehrere feste Abholstationen im Hamburger Stadtgebiet eingeführt, um den Kunden noch mehr Service zu bieten. Übrigens: Wer "Frischepost" von innen kennenlernen möchte, ist herzlich eingeladen – das Team sucht Praktikanten.
Einfach bewerben!
 

PROGLOVE

Die packen mit an: Mit ihrem Start-up ProGlove haben vier Münchener einen smarten Handschuh für Industrie, Logistik und Handel entwickelt. Das Arbeitsutensil kann dank eingebauter Sensoren nicht nur Bewegungen dokumentieren, sondern zeitgleich scannen. Das spart beispielsweise beim Kommissionieren viel Zeit. Studiert haben die Gründer unter anderem Ingieurwissenschaften und BWL, die Idee zum smarten Handschuh ist Gründer Paul Günther (32) bei einem Rundgang durch die Produktionsstätten seines ehemaligen Arbeitgebers BMW gekommen. Schließlich entwarf er zusammen mit Thomas Kirchner (30), Alexander Grots (45) und Jonas Girardet (28) eine erste Produktionsskizze mit einem alten MP3-Player und einem Baumarkthandschuh. Inzwischen hat ProGlove den deutschen Gründerpreis gewonnen und die Nachfrage ist hoch.

SYNFIOO

Zeit ist Geld, gerade in der Logistik. Deshalb hat das Team von Synfioo eine Software entwickelt, mit der Unternehmen Transportketten in Echtzeit überwachen können. Die große Welt der Daten hilft dabei, Routen besser zu planen. So können Stau oder schlechtes Wetter einfach umfahren und effizient Zeit gespart werden. Entstanden ist die Idee als ein Forschungsprojekt am Hasso-Plattner-Institut über effiziente Logistiktransporte. 2015 wurde dann tatsächlich gegründet: Alle 14 Mitarbeiter des Start-ups kennen sich von der Uni in Potsdam.

MAGAZINO

Der Kommissionier-Roboter "TORU" vom Start-up Magazino erinnert ein wenig an R2D2 aus Stars Wars – und ist fast genauso schlau, aber viel größer. Mit Hilfe von 2- und 3-D-Kameras findet und identifiziert der Roboter Objekte in den Regalen, um sie selbstständig zu holen und weiterzubringen. Frederik Brantner (33) kam die Idee dazu, als er im Sommer 2011 eine Freundin besuchte, die in ihrer Apotheke einen Kommissionier-Automaten einbaute. Um seine Idee zu entwickeln, lud er viele Freunde zu einem Creative-Thinking Weekend ein, außerdem stellte er sie bei einem Förderprojekt der TU München
vor. Anschließend realisierte Frederik seinen Ansatz zusammen mit Lukas Zanger (33) und Nikolas Engelhard (31). Seitdem entwickeln die Münchner wahrnehmungsgesteuerte Geräte. Ihre Vision: das erste selbstdenkende und selbsthandelnde Warenlager der Welt zu erschaffen.

Diese Themen könnten dich auch interessieren
Die fünf größten Mythen über Start-ups!

Die 5 größten Startup-Mythen

Gründung gut, alles gut? Start-ups boomen und begeistern selbst alteingesessene Wirtschaftsbosse. Jung, dynamisch und hochinnovativ mischen sie die Branche auf und zeigen, was alles... mehr »