Startup Die Höhle der Löwen
Wer Investoren für sein Startup gewinnen will, sollte gut vorbereitet sein | Foto: nextMedia.Hamburg
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23. Aug 2016

Barbara Kotzulla

Start-up & Selbstständigkeit

Wie realistisch ist "Die Höhle der Löwen"?

So entstehen Start-ups jenseits der TV-Welt

"Das Format ist sehr auf die Zuschauer zugeschnitten"

UNICUM: Am 23. August startet eine neue Staffel von "Die Höhle der Löwen" auf Vox. Und einmal mehr fragen sich die Zuschauer: Sehen Investorengespräche für junge Unternehmer genauso aus wie im TV? Wie realistisch ist das Gezeigte Ihrer Meinung nach?
May-Lena Signus: "Die Höhle der Löwen" hat als TV-Format natürlich besondere Anforderungen. Auf der einen Seite sollen Einblicke in die Arbeit und die Ideen von Startups und Existenzgründern gegeben werden – auf der anderen Seite muss dies natürlich fernseh- und damit massentauglich sein. Das Format ist sehr auf die Zuschauer zugeschnitten – es geht darum, selbst mitzurätseln, ob ein Löwe investiert oder nicht und wie das Produkt oder die Idee ankommt. Das bedeutet, dass auch die Pitches – also die Präsentationen vor den Investoren – unterhaltsam sein und einen Storytelling-Ansatz verfolgen sollten. In realen Pitch-Situationen geht es natürlich noch um viele weitere Aspekte und auch bei DHDL ist es natürlich so, dass die Präsentation im Studio nur der erste Schritt ist. Wenn ein Investor vor der Kamera seine Zusage gibt, gehen die eigentlichen Gespräche und Verhandlungen im Hintergrund erst richtig los.

Wie sehen die Suche nach Investoren und die Gespräche mit diesen in der Realität aus?
Die Suche nach den richtigen Investoren für das eigene Startup ist extrem vielschichtig. Erst einmal gilt es zu entscheiden, wie hoch der benötigte Kapitalbedarf ist und welche Art von Investor man sich in den Gesellschafterkreis holen möchte – von einzelnen Business Angels, über öffentliche und staatliche Förderprogramme bis hin zu großen internationalen Venture Capital Fonds gibt es hier eine große Bandbreite. Auch der Erstkontakt unterscheidet sich da natürlich. Grundsätzlich lässt sich aber festhalten, dass es viel auf Netzwerke und Empfehlungen aus dem Netzwerk ankommt. Häufig entstehen so die richtigen und wichtigen Verbindungen. In den Gesprächen mit den Investoren gilt es dann, die Idee, den Businessplan und auch das Team kurz und auf den Punkt vorzustellen – den letzten Punkt sollte man dabei nicht unterschätzen. Viele Investoren nennen eine gute Teamzusammensetzung als das wichtigste Kriterium für ein Investment. Sollte grundsätzlich Interesse an einem Investment bestehen, würde bei größeren Investmentsummen vorab noch eine Due-Diligence-Prüfung erfolgen, d.h. eine detaillierte Risikoanalyse, bevor eine endgültige Finanzierungszusage erfolgt.

Wie finde ich als Gründer außerhalb eines Fernsehstudios mögliche Investoren? Wie suche ich die passenden aus und spreche sie an?
Viele Investoren haben sich auf bestimmte Branchen festgelegt, in denen sie ihre Investments tätigen. Der erste Schritt sollte daher sein, sich zu informieren, welche Business Angels und VC Fonds grundsätzlich an der eigenen Branche Interesse haben. Da helfen auch Startup-Initiativen, die meistens einen guten Überblick darüber haben, welche Fonds aktuell aktiv sind – mit dem nextMedia.StartHub beraten wir zum Beispiel gerade Hamburger Startups zu diesen Themen. Grundsätzlich empfehlen wir immer, möglichst über einen persönlichen Kontakt in die Gespräche einzusteigen. Hierfür eignen sich vor allem Pitch-Events und Startup-Konferenzen. Beim Webfuture Award, dem Startup-Wettbewerb in Hamburg, achten wir immer gezielt darauf, möglichst viele Investoren im Publikum zu haben und diese dann auch beim Get Together nach der eigentlichen Veranstaltung mit den Startups zusammen zu bringen. Der persönliche Kontakt ist extrem viel wert und kann einen von den vielen, per Mail eingereichten Pitchdecks abheben.

"Ein guter Pitch muss geübt sein"

Die drei Löwen werfen einigen Teilnehmern vor, sich nicht gründlich genug vorbereitet zu haben – was sollte ich als Gründer an Daten und Fakten mitbringen, um Investoren zu überzeugen?
Zum einen sollte man als Gründer natürlich den eigenen Businessplan in- und auswendig kennen. Es kommt schon eher komisch an, wenn man zu elementaren Fragen hinsichtlich der Zahlen oder dem geplanten Einsatz der benötigten Investments keine Auskunft geben kann. Zum anderen gilt es natürlich auch, die Art der Präsentation ordentlich vorzubereiten. Häufig hat man nur ein kurzes Zeitfenster für die Präsentation – in diesem müssen die wichtigsten Punkte dann auch rübergebracht werden können. Ein guter Pitch muss geübt sein – am besten mit Kollegen, Freunden oder Familie durchspielen und sich möglichst viel Feedback dazu einholen, bevor man in das entscheidende Investorengespräch geht.

Im Gegenzug für die Investition geben die Gründer meist Unternehmensanteile ab – entspricht das der Realität?
Ja, das ist der übliche Weg. Je nach Investmentsumme und Unternehmensbewertung geben die Gründer meistens zwischen 5 und 25 Prozent ihrer Anteile ab – wobei es nach oben natürlich keine echte Grenze gibt. Diese Vereinbarungen werden individuell getroffen. Als Gründer sollte man sich im Vorfeld aber unbedingt beraten lassen, um die Gesellschafterstruktur schon von Beginn an sinnvoll aufzubauen und nicht schon bei den ersten kleinen Investments Fehler zu machen, die spätere größere Investments hemmen oder erschweren können.

Bei welchen Deals sollte man vorsichtig sein?
Wie gesagt, können wir Gründern grundsätzlich empfehlen, sich schon von Beginn an gut beraten zu lassen. Insbesondere in einer sehr frühen Phase gibt es viele Business Angels, die statt eines finanziellen Investments andere Dinge in ein Startup einbringen und sich dafür Anteile sichern. Häufig geht es da um die Vermittlung von Know-how, die Bereitstellung der eigenen Netzwerke oder ähnliches – Dinge, die einem Startup bei den ersten Schritten sehr helfen können. Dennoch sollten Gründer natürlich gut prüfen, wieviel Mehrwert dadurch entsteht und wie viele Anteile hierfür abzugeben sind. Ebenfalls vorsichtig sollte man bei dem Mischen verschiedener Finanzierungsmodelle sein – also z.B. auf der einen Seite Crowdinvesting und auf der anderen Seite VC Fonds. Auch hier gilt es, die Vereinbarungen mit dann sehr unterschiedlichen Investoren sauber aufzusetzen.

"Der Einfluss durch das Format ist enorm"

Die "Löwen" reden immer davon, dass sie die Gründer mit ihrem Know-how unterstützen. Wie sieht so etwas in der Realität aus? Wie sehr wird man von einem Investor unterstützt, der beispielsweise 10 Prozent am Unternehmen hält?
Know-how, Netzwerke und natürlich auch Reichweite sind wichtige Leistungen, die Investoren mit einbringen können – bei den prominenten "Löwen" ist vor allem die Reichweite ein nicht zu unterschätzender Faktor. Hier gibt es allerdings keine pauschalen Pakete, was man für 10 Prozent erwarten kann. Die Vereinbarungen sind sehr abhängig vom Unternehmenswert zum Zeitpunkt der Gespräche und der zu erwartenden Entwicklung.

Würden Sie jungen Gründern davon abraten, bei der Sendung mitzumachen?
Ob eine Teilnahme sinnvoll ist, hängt von sehr vielen Faktoren ab. Wenn es einem Startup vor allem darum geht, Sichtbarkeit und Reichweite zu erzielen, dann kann dies ein sehr guter Weg sein: Der Einfluss durch das Format ist – ganz unabhängig, ob ein Investment erfolgt oder nicht – enorm: Das Hamburger Startup Foodist etwa hatte 24 Stunden nach der Ausstrahlung eine Millionen Seitenaufrufe. Als Gründer muss man sich bewusst sein, was man mit der Teilnahme erreichen möchte. Jungen Gründern, denen es vor allem um ein Investment geht, würde ich im ersten Schritt empfehlen, andere Wege zu gehen. Für Startups, die jedoch darauf angewiesen sind, schnell eine breite Zielgruppe zu erreichen, kann dies der Weg in die Öffentlichkeit sein.

Was würden Sie jungen Gründern generell raten, wenn es um den Umgang mit Investoren geht?
Seid gut vorbereitet, bevor ihr das Gespräch sucht. Versetzt euch in die Lage des Investors, der täglich diverse Pitchdecks auf seinem Tisch hat – überlegt euch, wie ihr euch von anderen abheben könnt. Stellt den Investoren ganz klar ihre Vorteile dar – dem Investor geht es ja vor allem darum zu sehen, wie ihr mit seinem Geld arbeiten und dieses vermehren würdet. Nutzt das Gespräch aber auch genauso, um für euch selbst zu entscheiden, ob ihr mit dem Investor zusammenarbeiten möchtet. Um in der Zukunft gemeinsam erfolgreich zu sein, ist ein Vertrauensverhältnis von Beginn an wichtig.

May-Lena Signus

Die Expertin

May-Lena Signus ist Leiterin des nextMedia.Hamburg StartHubs, der Anlaufstelle für digitale Startups in Hamburg.

Die Initiative hilft Gründern bei ihrem Start in die Unternehmenswelt und bietet ihnen unbürokratischen Support zu Themen wie Vermittlung von Fördermittelberatung und Büroflächen sowie weiteren geschäftlichen Alltagsfragen.

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