So knüpft man die richtigen Netze
Foto: Thinkstock/Tobias Machhaus
Autor

22. Sep 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Karriere-Netzwerken im Netz

Alles Xing, oder was?

Netzwerken im Internet

Dabei spielt insbesondere die Karriere-Plattform Xing mit ihren mehr als sieben Millionen Mitgliedern im deutschsprachigen Raum eine bedeutende Rolle. Dort kann ich mich als Person mit Foto, Lebenslauf, Qualifikationen und Interessen präsentieren, und dann mit anderen Mitgliedern, Gruppen oder Veranstaltungen verknüpfen. Auf diesem Wege kann rasch ein dichtes Netzwerk entstehen, das die eigene Karriere voranbringt.

Sieben Tipps vom Experten

Also muss ich einfach nur ein Profil anlegen und dann zusehen, dass ich rasch auf Kontaktzahlen im fünfstelligen Bereich komme? Oder gibt es einige Basics, die ich unbedingt beachten sollte?  

Joachim Rumohr ist ausgewiesener Xing-Experte und kennt die typischen Kardinalfehler, die unerfahrene Nutzer begehen.  Er verrät uns sieben Tipps, mit denen man die Möglichkeiten von Xing optimal ausschöpft.

1. Bin ich hier richtig?

Rumohr:  "Die allererste Frage muss sein: Finde ich meine Zielgruppe in diesem sozialen Netzwerk oder sind beispielsweise Facebook oder LinkedIn für meine Belange nicht doch besser geeignet? Erst wenn ich das geklärt habe, kann es losgehen. Andernfalls vergeudet man womöglich seine Zeit."
 

2. Ist mein Profil richtig gestaltet?

Rumohr: "Alle Angaben sollten so konkret und detailliert wie möglich sein. So finden andere Netzwerk-Nutzer viel leichter Anknüpfungspunkte zu mir und können mich einfacher ansprechen. Also beispielsweise bei Interessen nicht nur ?Lesen? schreiben, sondern  ?Leidenschaft für moderne Kriminalromane aus Skandinavien?. Und bitte keine ausgeleierten Zitate von irgendwelchen berühmten Persönlichkeiten verwenden. Solche Sprüche schmücken fast jedes dritte Profil und haben somit gar keine Aussagekraft."
 

3. Ist meine Kontaktaufnahme angemessen?

Rumohr: "Kontaktanfrage ohne Text sind ein No-Go. Was soll das? Reicht die Energie nicht wenigstens für zwei freundliche Sätze? Ich möchte doch wissen, warum sich jemand mit mir vernetzen will. Schlimm ist auch ein ?P.S. Haben Sie vielleicht einen Job für mich??. Das ist einfach viel zu direkt und hat in der Nachricht nichts zu suchen. Vielmehr muss mein Profil klarstellen, dass ich eine interessante Arbeitskraft bin."
 

4. Soll ich meine Freunde adden?

Rumohr: "Unbedingt sogar. Denn wer könnte mich besser und authentischer empfehlen als ein Freund? Dieses Potential sollte man nicht ungenutzt lassen."


5. Gehe ich beim Netzwerken richtig vor?

Rumohr: "Netzwerken heißt großzügig sein und den Menschen im Netzwerk etwas anbieten. Das Motto ist ?Geben und Bekommen?. Zeigen Sie, dass sie etwas in ihre Kontakte investieren möchten, aber erwarten Sie auf der anderen Seite nicht zu viel dafür. Mit kleinen Gesten wie Empfehlungen  von Kontakten, Gruppen, Veranstaltungen oder Berichten können sie sich von der Masse absetzen. Und vielleicht gibt es dann ja irgendwann mal im Gegenzug den exklusiven Hinweis auf eine vakante Stelle in einem Top-Unternehmen."


6. Muss ich jede Kontaktanfrage annehmen?

Rumohr: "Ein klares Nein dazu. Überlegen Sie, was der Kontakt Ihnen jetzt oder später bringen könnte. Und überlegen Sie auch, ob er für die Leute in Ihrem Netzwerk interessant ist. Wenn die Person nichts von beidem verspricht, sollten Sie die Kontaktanfrage ablehnen. Sonst blähen Sie ihr Netzwerk einfach nur auf. Das bringt Sie aber kein Stück weiter."


7. Welche wichtigen Funktionen muss ich kennen?

"Die erweiterte Suche ist ein tolles Tool, um das Potential der Kontakte zweiten Grades zu heben. Es geht dabei um die Mitglieder, die ich zwar nicht direkt kenne, aber mit denen ich über nur eine Zwischenperson verbunden bin. Ein Beispiel: Sie interessieren sich für ein bestimmtes Unternehmen, in dem sie gerne arbeiten würden. Mit der erweiterten Suche können Sie dann genau ihre Kontakte zweiten Grades ermitteln, die dort arbeiten. Im nächsten Schritt können Sie über ihre direkten Kontakte eine Verbindung zu den Kontakten zweiten Grades herstellen lassen, oder um direkte Informationen bitten. Etwa, in welchen Bereichen demnächst neue Stellen geschaffen werden. Das kann unter Umständen Gold wert sein."

Das berufliche Ich wird transparent

Nach diesen praktischen Ratschlägen vom Experten liegt es an mir noch auf ein, zwei besondere Aspekte des Online-Netzwerkens hinzuweisen: Wie beim Social Networking sollte man sich auch hier im Vorhinein überlegen, welche persönlichen Informationen man preisgibt. Denn es ist in der Arbeitswelt insbesondere unter Personalern längst ein weit verbreitetes Verhaltensmuster, neue berufliche Kontakte als erstes bei Xing abzuchecken. Soll heißen: Meine Informationen sind für eine breite Masse einsehbar und dadurch wird mein berufliches Ich bis zu einem gewissen Grad transparent. Das sollte man immer im Hinterkopf haben und abwägen, wie viel Persönliches man offenlegt, um möglichst viele konkrete Anknüpfungspunkte für neue Kontakte zu schaffen.

Außerdem: Die Marktherrschaft von XING ist nicht für die Ewigkeit zementiert. Andere Netzwerke wie beispielsweise LinkedIn mit über 5 Millionen Mitgliedern in Deutschland holen auf. Und wie gerade bekannt wurde, möchte offenbar auch Facebook künftig bei den Karriere-Netzwerken mitmischen. Dass sich die Machtverhältnisse im Netz schnell ändern können, zeigt jedenfalls die jüngere Vergangenheit. Ich erinnere nur an den Absturz von StudiVZ oder Myspace.

 


Der Autor

Marc Wiegand ist verantwortlicher Redakteur unseres Karrieremagazins UNICUM BERUF. Damit ist er Dein direkter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere. 

Kontakt: karriere-kompass@unicum.com
 


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