Gutaussehender, erfolgreicher Mann
Foto: Thinkstock/Tobias Machhaus
Autor

13. Dez 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Attraktivität als Erfolgsgarant

Attraktiv = erfolgreich?

Vorurteile und Oberflächlichkeit

Hand aufs Herz: Wer hat nicht schon mal dem neuen Kollegen mit den unvorteilhaft abstehenden Ohren oder dem neuen Dienstleister mit der stark untersetzten Figur direkt auf den ersten Blick negative Eigenschaften zugeschrieben? "Na, das ist aber bestimmt kein Held der Arbeit und beim Denken braucht der sicher auch ein bisschen länger als die anderen..." Und wer musste seinen falschen ersten Eindruck nicht schon mal unmittelbar nach dem ersten Gespräch revidieren und war von seiner eigenen Vorverurteilung peinlich berührt?  "Hm, der ist aber zuvorkommend und aufgeschlossen – hätte ich nie gedacht..."

"Menschen neigen eindeutig zur Oberflächlichkeit", sagt Attraktivitätsforscher Martin Gründl zu dem gerade skizzierten Phänomen und bringt damit eine triviale, aber dennoch vielfach unterschätzte Weisheit auf den Punkt. Das Ausmaß dieser Oberflächlichkeit könnte man dabei durchaus als erschreckend bezeichnen. Gründl: "Wir bilden uns blitzschnell in Sekundenbruchteilen das erste Urteil. Und obwohl es mit den tatsächlichen Eigenschaften wenig zu tun hat und wir das auch wissen, machen wir es immer und immer wieder. Das passiert unbewusst und ist auch nur wenig steuerbar."

Geschlechtstypisch ist attraktiv

Und wer profitiert von dieser optisch dominierten ersten Meinungsbildung? "Es sind die Menschen, die wir attraktiv finden. Ihnen ordnen wir automatisch positivere Eigenschaften zu", erklärt der Wissenschaftler. Als attraktiv werde dabei von der Mehrheit das wahrgenommen, was allgemeinhin als besonders geschlechtstypisch gilt:  beim Mann sind es maskuline Merkmale wie markante Gesichtszüge, volles Haar und breite Schultern, die Frauen begeistern mehrheitlich mit großen Augen, vollen Lippen und zierlichen Nasen – Kindchen-Schema lässt grüßen. "Geschlechterunabhängig steht außerdem makellose glatte Haut hoch im Kurs und alles, was auf Gesundheit und Jugendlichkeit hindeutet", ergänzt Gründl.

Bezogen auf die Berufswelt ergänzt er, dass zu jedem Berufsbild auch ein vorherrschendes Stereotyp besteht – es gibt also weit verbreitete, konkrete Vorstellungen darüber, wie jemand in einem bestimmten Job auszusehen hat: Die resolute Managerin etwa trägt den streng nach hinten gekämmten Pferdeschwanz zum figurbetonten Hosenanzug. Währenddessen kommt die Erzieherin eher mit lang wallendem Haar und farbenfroher Hippie-Kluft daher.

Orlando Bloom-Look hilft

So weit, so ernüchternd. Zusammengefasst erklärt das also, warum der an Orlando Bloom erinnernde Kollege von einer Beförderung zur nächsten springt und sein fleißiger Büronachbar mit dem leichten Silberblick seit Jahren auf der Stelle tritt? "Das Gesicht ist natürlich zentral für die Attraktivität. Aber es spielen auch Faktoren wie Kleidung, Frisur, Stimmlage, Körpersprache und Gestik eine Rolle", sagt Gründl und betont zugleich: "Ich würde das Äußere im Hinblick auf Aufstieg und Karriere aber auch nicht überbewerten. Je mehr Informationen über jemanden vorhanden sind, desto mehr tritt der äußere Eindruck in den Hintergrund."

Im Umkehrschluss heißt dies aber auch, dass in einer Situation, in der wenig Informationen und Zeit vorhanden sind, Attraktivität zum Vorteil werden kann – womit wir etwa bei der Bewerbungssituation wären. "Attraktive Menschen werden nachweislich häufiger eingeladen", muss Gründl in diesem Kontext einräumen. Dies liegt vermutlich auch daran, dass Personaler gerade bei heißbegehrten Stellen häufig in wenigen Sekunden durch jede Bewerbung durchflippen, wie viele Studien zeigen. Und dem Bewerbungsfoto fällt unter diesen Umständen eine gewisse Schlüsselrolle zu. Ergo sollte jeder daran interessiert sein, maximal gut in Szene gesetzt zu werden. Gründl schränkt ein: "Aber die Wirkung des Fotos ist begrenzt, denn später im Bewerbungsgespräch zählt die Qualifikation. Die Attraktiven haben demnach nur einen kleinen Vorteil am Beginn des Bewerbungsprozesses."
 


Der Autor

Marc Wiegand ist verantwortlicher Redakteur unseres Karrieremagazins UNICUM BERUF. Damit ist er Dein direkter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere. 

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