Social-Media immer und überall
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Autor

13. Dez 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Aufgepasst: Die Social-Media-Falle

Karriere-Killer Facebook

Entlassungen wegen Facebook

Es geht schnell, einfach und fast überall: einen Spruch posten, ein Foto hochladen oder einen Beitrag "liken". Soziale Medien wie Facebook gehören zu unserem Leben längst wie Sneakers und Coffee-to-Go-Becher und werden von Millionen Deutschen mehrmals am Tag genutzt.  Dass dabei aber auch die Kündigung und das berufliche Aus nur ein paar Maus-Klicks entfernt sein können, haben noch längst nicht alle Nutzer im Hinterkopf. Damit die sozialen Medien nicht zur Karriere-Falle werden, sollten man unbedingt einige Verhaltensregeln beherzigen.

"Die Entlassungen, die aufgrund von Facebook-Aktivitäten ausgesprochen werden, sind noch keine Klassiker wie etwa die Kündigung wegen häufigen Zuspätkommens, aber es sind auch keine krassen Einzelphänomene mehr", ordnet die Fachanwältin für Arbeitsrecht, Antje Burmester, die Relevanz derartiger Gerichtsfälle ein.

Privatsphäre ist "Einstellungssache"

Sie rät allen Angestellten zu einem behutsamen Umgang mit den sozialen Medien und zu einer regelmäßigen Prüfung der eigenen Privatsphäre-Einstellungen. Den oft zitierten Satz "Das Netz vergisst nie" sollte man dabei immer vor seinem geistigen Auge stehen haben. Denn was einmal im Netz veröffentlicht wurde, lässt sich nicht einfach so spurlos beseitigen – und dies spiele nun einmal grundsätzlich der Gegenseite bei einer Beweisführung in die Karten.

Doch wie kann ein Facebook-Post überhaupt eine Kündigung nach sich ziehen? Hier dürfte die Beleidigung eines Vorgesetzen oder Kollegen ganz oben auf der Liste rangieren. "Wie im realen Leben ist es nicht einfach eine Grenze zwischen einer freien Meinungsäußerung und einer ehrverletzenden Beleidigung zu ziehen. Und in den meisten Fällen legen die Richter die Definition einer Meinungsäußerung auch sehr großzügig aus", erklärt Burmester, benennt zugleich jedoch ein großes ABER: Eine Beleidigung in einem öffentlichen Beitrag wird wie eine direkt ausgesprochene Beleidigung bewertet. Heißt: Wenn die Richter einmal den Straftatbestand einer Beleidigung sehen, dann hat dies in den meisten Fällen auch direkt weitreichende Konsequenzen. "Das unterschätzen viele" so Burmester dazu.

Ein Mausklick bis zur Entlassung

Ähnlich kompromisslos gehe die Rechtsprechung auch vor, wenn es um den "Gefällt mir"-Button geht. "Da wird dann die Zustimmung per Mausklick wie eine eigene beleidigende Aussage ausgelegt", stellt Burmester klar und verweist auf einen konkreten Fall, bei dem ein Mann den Chef seiner Frau in einem Facebook-Beitrag mit einem Schweinsvergleich beleidigte. Als seine Frau diesen dann mit einem "Gefällt mir" würdigte, läutete sie quasi ihre eigene Entlassung ein.

Dabei müssen sich die Beiträge in sozialen Netzwerken gar nicht direkt auf Vorgesetzte und Kollegen beziehen, um den Verfasser in die berufliche Bredouille bringen zu können – wie der bekannt gewordene Fall eines österreichischen Porsche-Azubis zeigt. Er wurde wegen eines Hetzkommentars gegen Flüchtlinge von seinem Arbeitgeber gefeuert. "Für die rein arbeitsrechtlichen Konsequenzen ist dabei der Rückbezug zum Arbeitgeber entscheidend", so Burmester über dieses fehlgeleitete außerdienstliche Verhalten. Ergo: Wenn sich jemand bei Facebook als Mitarbeiter eines Unternehmens zu erkennen gibt, sich aber ganz konträr zu dessen Leitbild verhält, begibt er sich auf dünnes Eis.

Unangenehme Fragen folgen

Nicht ganz so unmittelbar seien die Konsequenzen, wenn jemand etwa ein rauschendes Party-Bild poste und am nächsten Tag völlig übermüdet eine sehr mäßige Arbeitsleistung abliefere. "Auch wenn ich wegen einer Fußgelenksverletzung arbeitsunfähig geschrieben wurde, dann aber auf High Heels tanzend auf dem Disko-Bild zu sehen bin, muss das arbeitsrechtlich nicht unmittelbar relevant werden. Aber es wirft natürlich sofort unangenehme Fragen auf", so Burmester, die insgesamt jedoch eine steigende Medienkompetenz beobachten haben will.

Das gelte übrigens gleichermaßen für die Rechtsprechenden, die sich in jedem Einzelfall ein genaues Bild über die Umstände machen würden, wie Burmester betont. "Insbesondere die jüngeren Richter kennen sich mindestens genauso gut mit den sozialen Medien aus, wie diejenigen, die sich dann gegen ihre Kündigung wehren", sagt die Expertin.

Sie verschweigt abschließend auch nicht, dass soziale Medien gerade in puncto Karriere sehr förderlich sein können: "Netzwerke wie XING und LinkedIn machen es doch vor: was früher Vitamin B hieß, ist heute die Vernetzung. Und die kann einen schon einmal zu einem ordentlichen Karrieresprung verhelfen."


Der Autor

Marc Wiegand ist verantwortlicher Redakteur unseres Karrieremagazins UNICUM BERUF. Damit ist er Dein direkter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere. 

Kontakt: karriere-kompass@unicum.com


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