Autsch! So geht man mit Fehlern um.
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Autor

20. Dez 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Beherrsche den Fehler-Teufel!

So lernt man im Job aus seinen Fehlern

Fehler mehrdimensional berachten

Buchautorin Stefanie Demann jedenfalls plädiert für eine differenzierte und mehrdimensionale Fehlerbetrachtung und vor allem für einen anderen Umgang mit Fehlern. "In unserer Gesellschaft sind Fehler rein negativ stigmatisiert. Das zieht sich durch die ganze Sozialisation und ist auch in der Berufswelt allgegenwärtig, was ein gängiger Begriff wie Null-Fehler-Toleranz belegt", bemängelt sie.

Was soll aber andererseits gut an Fehlern sein? Wenn ich mich bei einer wichtigen Kostenkalkulation verrechne oder dem Kunden das falsche Produkt liefere, hat dies erstmal eindeutig negative Konsequenzen. Demann: "Natürlich wird dieser Kunde nicht vor Freude Luftsprünge machen. Doch ganz entscheidend ist, wie ich mich in so einer Situation verhalte."

Erkennen, analysieren, künftig verhindern

Die Dozentin und Trainerin rät zu einer nüchternen Herangehensweise: den Fehler rasch als solchen erkennen und analysieren, ihn selbstbewusst kommunizieren und aus den Fehlerursachen sinnvolle Maßnahmen ableiten, die den gleichen Fehler in Zukunft verhindern. "Wer es schafft, in einer kniffligen Situation professionelle Souveränität auszustrahlen, an dem bleibt auch in der Regel nichts Negatives hängen. Vielleicht kann er sogar auf diese Weise sein Standing verbessern." Denn: "Die allermeisten Fehler werden verziehen – ganz schwerwiegende Fehltritte ausgeklammert", betont Demann.

Als Beispiel für einen vorbildlichen Umgang mit den eigenen Fehlern führt sie Margot Käßmann an: Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland trat nach einer Autofahrt unter Alkohol-Einfluss von ihrem Amt zurück. Ihrem öffentlichen Ansehen habe der Vorfall aber nicht nachhaltig geschadet, so Demann. "Käßmann hat ihren Fehler selbstkritisch eingestanden und die richtigen Konsequenzen gezogen. Das hat dafür gesorgt, dass sie durch diese Episode nicht an Glaubwürdigkeit eingebüßt hat."

Zusammenhänge vertuscht und verschleiert

Doch gerade in der Berufswelt sei nach Fehlern oft ein ganz anderes – aus Demanns Sicht – falsches Verhaltensmuster zu beobachten: "Es werden Sündenböcke gesucht und Ursachen wie Zusammenhänge vertuscht und verschleiert. Niemand engagiert sich, um das Übel an der Wurzel zu packen." Die Folge: Grundlegende Missstände werden nicht beseitigt und möglicherweise passiert genau der gleiche Fehler noch einmal.

"Aus diesem Grund muss es Unternehmen daran gelegen sein, eine positive Fehlerkultur zu etablieren, die einen lösungsorientierten Umgang mit Fehlern in den Vordergrund stellt. Gerade Führungskräfte müssen dies tagtäglich vorleben", sagt Demann. Die Angst vor Fehlern blockiere des Weiteren Kreativität und Innovationskraft, was in vielen Branchen zu einem gravierenden Wettbewerbsnachteil führen könne.

Absolventen aufgepasst!

Absolventen rät sie, sich die schriftlich fixierten Leitbilder potentieller Arbeitgeber genau anzusehen und in Bewerbungsinterviews auf die Zwischentöne zu achten. "Auch in Gesprächen mit Mitarbeitern bekommt man ein Gespür dafür, wie die Fehlerkultur eines Unternehmens in der Arbeitsrealität aussieht."

Gerade für Berufseinsteiger hat die Expertin eine grundlegende Orientierungshilfe parat: "Man muss nicht jeden Fehler groß hinausposaunen, keine Frage. Auf der anderen Seite ist es noch niemanden gut bekommen, Dinge mutwillig zu verschleiern." Abschließend benennt sie noch häufige Fehlerursachen im Arbeitskontext: Eile und Überaktivität zählten dazu. Sich unkritisch und unreflektiert der Mehrheitsmeinung anzuschließen, bereite ebenfalls häufig Fehlern den Weg.
 


Der Autor

Marc Wiegand ist verantwortlicher Redakteur unseres Karrieremagazins UNICUM BERUF. Damit ist er Dein direkter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere. 

Kontakt: karriere-kompass@unicum.com


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