Doktorhut in einer Bibliothek auf einem Buch
Foto: Thinkstock/Tobias Machhaus
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04. Aug 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Der Doktor-Titel als Karriere-Kick

Mit der Promotion in andere Gehaltsdimensionen?

Doktortitel als Karrierebooster?

Master-Abschluss, Praktika und Auslandsaufenthalt gelten heute als wesentliche Karriere-Voraussetzungen. Um sich da von der Masse abzusetzen, überlegt manch ehrgeiziger Student, seine Vita mit einer Promotion zu veredeln  –  ein Gedankengang, den ich im ersten Moment durchaus nachvollziehbar finde. Nur ist der Doktorgrad dann wirklich der ultimative Karrierekick, der neue Türen aufstößt und automatisch ein sattes Plus auf der Gehaltsabrechnung verspricht? Oder bleibt nach mehreren Jahren zäher wissenschaftlicher Arbeit unterm Strich nicht vielmehr als eine zarte Streicheleinheit fürs Ego und ein neues Türschild?

Acht Prozent mehr Gehalt

Eine aktuelle Studie des Bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung und Hochschulplanung (IHF) spricht diesbezüglich eine eindeutige Sprache: Absolventen mit Promotion verdienen fünf Jahre nach ihrem Studienende im Durchschnitt rund acht Prozent mehr als ihre Kommilitonen ohne Doktor-Titel.  "Zwischen den einzelnen Disziplinen gibt es dabei durchaus beachtliche Unterschiede. In einigen Bereichen wirkt sich die Promotion ein Vielfaches stärker auf den Verdienst aus, als in anderen", so Dr. Susanne Falk, eine der Studienautoren.

Die markantesten Gehaltunterschiede sind bei den Ingenieuren zu finden: Etwa 1000 Euro im Monat brutto mehr streichen die Doktoren in dieser Sparte ein. Falk dazu:  "Sie haben in den meisten Fällen Projektverantwortlichkeit, was auf dem späteren Karriereweg natürlich auch sehr wertvoll ist."

Zunächst weniger Mehrwert für Wiwis

In der Berufsgruppe der Wirtschaftswissenschaftler fallen die Differenzen dagegen geringer aus. Mit Promotion stehen fünf Jahre nach dem Abschluss etwa 4700 Euro auf der Gehaltsabrechnung, ohne sind es hingegen etwa 4300. "In diesem Bereich hätten wir im Vorfeld durchaus größere Effekte erwartet", so Falk.

Ich muss sagen, dass mich der vergleichsweise geringe Mehrwert des Doktor-Titels bei den Wiwis auch etwas überrascht hat. Aber an dieser Stelle lohnt es sich über langfristige Effekte des  Doktortitels nachzudenken: Die Promotion werde vermutlich im späteren Karriereverlauf wichtiger, also im Alter zwischen 40 und 50 Jahren, wenn es noch mehr in die Führungsverantwortung hineingehe, meint Falk dazu. "Ein Indiz für diese Vermutung ist, dass sich auf Vorstandsebene viele Persönlichkeiten mit Promotion finden."   

Sondersituation in den Naturwissenschaften

Doch der Promotion kann auch bereits für den Berufseinstieg eine essentielle Bedeutung zukommen:  "In manchen Bereichen gilt der Doktor-Titel quasi als Zugangsvoraussetzung für bestimmte Jobs", sagt ver.di-Bildungsexperte Matthias Neis und verweist auf Naturwissenschaften wie Physik oder Chemie. Für den Berufseinstieg von Geistes- oder Sozialwissenschaftler hingegen könne man dies überhaupt nicht so sagen. "Die Promotion wird in diesen Bereichen aber wieder wichtig, wenn es im späteren Karriereverlauf mal in die Führungsetage gehen soll."  Langfristig gesehen zahle sich der Doktor-Titel in den allermeisten Fällen finanziell wie karrieretechnisch absolut aus, so Neis.   

Und Susanne Falk stimmt zu: Grundsätzlich lasse sich aus der Studie die allgemeine Handlungsempfehlung ableiten, dass eine Promotion in der Regel günstige Auswirkungen auf Verdienst und Karriere-Möglichkeiten hat. "Ein Bewerber kann sich so von anderen ohne Doktor-Titel absetzen. Außerdem ist die Promotion ein positives Signal für Eigenschaften wie Disziplin, Selbstorganisation und Durchhaltevermögen."

Promotion als Karrierehindernis

Trotzdem kann ein Doktor-Titel auf dem Arbeitsmarkt mitunter auch ein Nachteil sein, wie Neis bestätigt. "In Disziplinen, mit denen man kein eindeutiges Berufsbild verbindet, kann es schwierig werden." Etwa beim Linguisten, der ins Kultur-Management möchte. Der Arbeitgeber würde sich dann fragen, was ein Doktor-Titel für ihn an Mehrwert bedeutet und im Zweifel den nicht promovierten Mitbewerber, der natürlich auch weniger Gehalt bekommt, vorziehen. "Man sollte daher immer an Anknüpfungspunkte zur Praxis in seiner Arbeit denken."

Steiniger Weg zum Titel

Würde mich abschließend noch interessieren, wie sich das Doktoranden-Dasein an sich so darstellt. Denn kurz ist die Phase bis zum erhofften Titel ja nicht: Im Durchschnitt dauert eine Doktorarbeit vier bis fünf Jahre. "Ein Doktorand bekommt währenddessen nur befristete Anstellungen und meist auch nur in Form einer halben Stelle", berichtet Neis. Die Folge: Probleme bei Bankkrediten oder Vermietern wegen des befristeten Arbeitsverhältnisses sowie deutlich weniger Geld in der Tasche als andere Universitätsabsolventen. "Alleinstehende auf einer halben Stelle oder auch Promotionsstipendiaten können im Durchschnitt mit 1200 Euro oder 1300 Euro netto kalkulieren. Der Absolvent verdient sicherlich in der Regel mindestens ein Drittel mehr."

Der Experte rät:  "Man muss voll zu der Promotion stehen und diese nicht nur aus Karrieremotiven ins Visier nehmen. Dafür ist diese Aufgabe zu fordernd und beinhaltet zu viele Entbehrungen."


Der Autor

Marc Wiegand ist verantwortlicher Redakteur unseres Karrieremagazins UNICUM BERUF. Damit ist er Dein direkter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere. 

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