Welche Versicherungen sich lohnen muss gut überlegt sein
Foto: Thinkstock/Tobias Machhaus
Autor

21. Okt 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Der Versicherungs-Check für Berufseinsteiger

Verwirrt, verirrt, versichert?

Pflichtversicherungen und Extra-Punkte

Eine Versicherung gegen das Steckenbleiben im Fahrstuhl? Gegen die Entführung von Außerirdischen? Oder für den Fall, dass der Staat den Alkoholkonsum verbietet? Diese Angebote gehören sicherlich zu den kuriosesten Auswüchsen der Versicherungswirtschaft und lassen sich auch vom Laien direkt der Kategorie "Völlig unnötig" zuordnen. Aber was ist wenn es um Krankheit, Berufsunfähigkeit oder millionenschwere Missgeschicke geht? Gerade Berufseinsteigern, die plötzlich keinen Studenten-Status mehr haben, fällt es oft schwer, Must-Have-Versicherungen von teuren Policen mit geringem Nutzen zu unterscheiden.

"Die Krankenversicherung als Pflichtversicherung haben die meisten auf dem Schirm, weil man damit während der Immatrikulation ja schon einmal in Berührung gekommen ist", sagt Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Darüber hinaus könnten noch Zusatzversicherungen für teure Zahnbehandlungen, Chefarztbetreuung oder Ein-Bett-Zimmer im Krankenhaus eine Überlegung wert sein. "Jeder muss für sich persönlich entscheiden, wie wichtig im solche Extra-Punkte sind und ob er dafür regelmäßig Geld ausgeben möchte", so Weidenbach. "Ein Ein-Bett-Zimmer kann ich im Falle des Falles alternativ auch direkt aus eigener Tasche bezahlen."

Expertin rät zur privaten Haftpflicht-Versicherung

Ausdrücklich empfiehlt sie jedoch eine Auslandsreisekrankenversicherung – zumindest denjenigen, die privat oder gar beruflich im Ausland sind. "Dadurch sind wichtige Punkte wie beispielsweise der Rücktransport abgesichert und die Versicherungskosten halten sich in der Regel im Rahmen." Auch bei einer privaten Haftpflichtversicherung, die gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, aber von Weidenbach unbedingt angeraten wird, liegt die jährliche Beitragshöhe meist im zweistelligen Bereich. "Dafür kann ich dann aber eine Schadenssumme von mindestens drei Millionen Euro absichern, was ich auch unbedingt tun sollte. Denn durch ein kleines Missgeschick kommt schnell eine hohe Summe zusammen, die ich ansonsten kaum aufbringen kann. Dieses Risiko sollte niemand eingehen."

Neben der privaten Haftpflicht-Versicherung gibt es noch verwandte Absicherungsmöglichkeiten – etwa für Pferde- und Hundehalter oder diejenigen, die zum Heizen einen Öltank im Keller haben. Diesen "Risiko-Gruppen" rät die Expertin genauso eine spezielle Haftpflichtversicherung an wie beispielsweise Menschen, die bestimmte Hobbys, beispielsweise das Jagen haben.

Gesetzliche Rentenversicherung reicht nicht aus

Ebenfalls in die Kategorie Must-Have ordnet Weidenbach eine Versicherung gegen die Berufsunfähigkeit ein. Denn die gesetzliche Rentenversicherung biete gegen Erkrankungen und Berufsunfähigkeiten nur einen eingeschränkten Schutz. "Um eine Erwerbsminderungsrente zu bekommen, gibt es sehr strenge Voraussetzungen. Man sollte sich daher nicht nur auf diesen gesetzlichen Schutz verlassen." Wichtig dabei: Der Schutz sollte bis ins Rentenalter, sprich bis zum 67. Lebensjahr reichen.

Differenzierter als das Thema Berufsunfähigkeit sei der Bereich Rechtschutz zu betrachten. Schließlich gebe es keinen Rundumschutz, der alle Unwägbarkeiten abdecke. "Bei vielen Rechtschutzversicherungen sind beispielsweise Rechtsstreitereien mit dem Handwerker während der Bauphase ausgeklammert. Man sollte sich dieses Thema genau überlegen und wenn, dann ein Angebot wählen, das genau zu den persönlichen Bedürfnisse passt." Wer also beispielsweise in einer konfliktgeladenen Branche arbeite, sollte über eine Rechtschutz nachdenken, der Auseinandersetzungen vor dem Arbeitsgericht abdeckt.

Das kleine WG-Zimmer nicht versichern

Ebenfalls Abwägungssache seien laut Weidenbach Hausrat- und Kfz-Versicherungen. "Das kleine WG-Zimmer mit dem 20 Jahre alten Fernseher und der defekten Stereo-Anlage muss ich nicht versichern." Wer sich jedoch mit seinem ersten Gehalt eine luxuriöse 3-Zimmer-Wohnung mit teuren Elektronik-Geräten leiste, sollte über einen speziellen Schutz nachdenken. "Die Kosten hängen dann auch von der Wohngegend ab – sind aber in der Regel überschaubar."

Beim Auto erübrigt sich zumindest die Frage nach einer Haftpflichtversicherung,  denn ohne sie gibt es erst gar keine Zulassung. Der Besitzer steht aber vor der Entscheidung, ob er zusätzlich noch eine Teilkasko- oder Vollkasko-Versicherung abschließt. "Analog zur Hausrat-Versicherung sollt man hier unterscheiden: Ist es ein klappriger Kleinwagen, der 15 Jahre auf dem Buckel hat, oder der schnittige Mittelklassewagen direkt vom Fließband."  Diebstahl, Sturm- oder Hagelschäden seien bereits von einer Teilkasko abgedeckt, die Vollkasko berücksichtige hingegen sogar Vandalismus-Schäden. "Beim Neuwagen geht meine Empfehlung klar in Richtung Vollkasko. Zumal diese oft nur geringfügig teurer sind als Teilkasko-Angebote", so Weidenbach.

400 Euro  im Jahr investieren

Und sonst? Elke Weidenbach winkt ab. "Mehr ist eigentlich nicht nötig. Man sollte sich in erster Linie gegen die größten anzunehmenden Unfälle absichern und dazu gehört nicht der Schutz gegen einen kaputtes Smartphone-Display." Pauschal sei es schwer die Jahres-Kosten für die Must-Have-Versicherungen zu beziffern, jedoch könne man in der Regel mit 400 bis 500 Euro einen soliden Versicherungsschutz finanzieren.

 


Der Autor

Marc Wiegand ist verantwortlicher Redakteur unseres Karrieremagazins UNICUM BERUF. Damit ist er Dein direkter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere. 

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