Selbstbewusste junge Frau
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Autor

15. Nov 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Erfolgssprache Körpersprache

So wirkst Du kompetent und souverän!

Das Unterbewusstsein nicht unterschätzen

Du bist auf das Vorstellungsgespräch scheinbar perfekt vorbereitet: Du kennst die allerneuesten Geschäftsfelder und Wachstumsstrategien der Firma, hast die Unternehmensleitlinien auswendig gelernt und sogar den Namen des zuständigen Abteilungsleiters gegoogelt. Aber vor lauter neuem Wissen verlierst Du eine entscheidende Komponente völlig aus dem Blick: deine Körpersprache. Und dieses Versäumnis kann Deine Erfolgschancen – trotz umfassender Vorbereitung – massiv schmälern.

"Fakt ist, dass unser Unterbewusstsein Millionen Bildinformationen pro Sekunde verarbeiten kann und dazu gehört neben Mimik, Stimme, Sprache, Kleidung insbesondere auch die Körpersprache", sagt die Physiognomik- und Facereading-Expertin Tatjana Strobel dazu. Nach ihrer Einschätzung mache die Körpersprache sogar bis zu 60 Prozent der Gesamtwirkung eines Menschen aus. Dies sei insbesondere in entscheidenden Situationen wie einem Bewerbungsgespräch natürlich entsprechend zu beachten. "Bin ich zu unsicher, mache mich klein und zupfe unentwegt an mir herum, so hat dies Auswirkungen auf die Einschätzung meiner Persönlichkeit. Das gilt umgekehrt allerdings genauso: Trete ich großspurig, besserwisserisch oder machohaft auf, so hat dies ebenfalls Folgen bei der Einschätzung, ob ich zum Unternehmen und zur Position passen kann."

Von innen nach außen arbeiten

Und wie kann man den eigenen Bewegungsfluss und Körperausdruck am besten für einen souveränen Auftritt vor konzentriert beobachtenden Personalern präparieren? "Die Körpersprache ist ja ein Resultat meiner Gedanken- und Gefühlswelt. Demzufolge ist es zwingend notwendig, dass ich mich sicher und selbstbewusst bei einem solchen Gespräch fühle", erläutert Strobel und fährt fort. "Ich rate immer von innen nach außen zu arbeiten, also das Gespräch nicht auf die "leichte" Schulter zu nehmen, sondern sich explizit mit dem Unternehmen, der Position und mir selbst auseinanderzusetzen. Meine innere Sicherheit, meine klar definierten Ziele und Fragestellungen werden mir dann eine souveräne Art geben, damit ich entspannt punkten kann."

Konkret empfiehlt die Expertin das sogenannte Bodyfeedback, bei dem der eigene Hormonausstoß ganz bewusst in bestimmte Bahnen gelenkt wird. "Bringen Sie sich kurz vor dem Interview in Siegerstellung: Reißen Sie die Arme hoch, werfen Sie den Kopf nach hinten, sorgen Sie für Körperspannung in den Armen und machen Sie eine Siegerfaust. Dies halten Sie knapp eine Minute. Nun denkt Ihr Gehirn, Sie sind ein Sieger und es schüttet, Glückshormone und Testosteron aus –genau das, was Sie gut und souverän wirken lässt."

Blickkontakt erzeugt Vertrauen

Im Gespräch selbst sollte man zudem offen, kommunikativ und vorbereitet auftreten, rät Strobel. "Halten Sie mindestens vier bis fünf Sekunden Blickkontakt und schaffen Sie eine hohe Blickkontaktfrequenz. Dies erzeugt Vertrauen und erhöht in der Wahrnehmung des Gegenübers Ihre Kompetenz." Eine weitere essentielle Facette sei der passende Dresscode. Denn bereits ein nicht wirklich passendes Outfit könne zu einem eklatanten Sympathieverlust führen.

"Klar ist aber auch, dass es vermutlich nicht das hundertprozentig perfekte Gespräch geben wird", konstatiert die Körpersprachen-Expertin. "Ab und an kommen Fragen auf, die uns etwas aus der Bahn werfen und dies ist deutlich an unserer Mimik, Körpersprache und Stimme sicht- und hörbar. Damit sollte man einfach rechnen und sich davon nicht zu sehr beeindrucken lassen."  Zudem gebe es durchaus galante Möglichkeiten diese Gesprächsklippen etwas zu umschiffen: 1. "Das ist eine interessante Frage." 2. "Wie genau meinen Sie dies und jenes?" Mit diesen Entgegnungen könne man Zeit gewinnen, um sich eine fundierte Antwort zurecht zu legen. Strobel: "Oder man sagt, dass man die Frage im Moment nicht beantworten kann. Ehrlichkeit hilft oft mehr als eine herumgestammelte Antwort oder eine glatte Lüge."

Körpersprache des Gegenübers beachten

Eines, betont sie, dürfe man bei der Beschäftigung mit Körpersprache aber auch nicht vergessen: man befindet sich nicht in einer Einbahnstraße: "Denken Sie immer daran, auch ihr Gegenüber hat Gefühle, die sich in seiner Körpersprache ablesen lassen." Verschlossenheit oder Unsicherheit etwa könnten sich auch bei einem Personaler in Form von Fingerknibbeln, Beruhigungsgesten wie Nacken streicheln, Krawattenknoten lockerer machen oder ähnlichem spiegeln. Und wenn man als Bewerber jemandem gegenüber sitze, der augenscheinlich auch etwas unsicher ist, fühle man sich vielleicht selbst gleich ein wenig wohler.

Es gibt aber auch Warnzeichen, die einem recht schonungslos zeigen, dass ein Gespräch nicht zum eigenen Vorteil verläuft: Wenn sich der Körper des Gegenübers komplett abwendet, die Beine nicht zu einem zeigen, er über die "kalte" Schulter zu einen spricht, Arme und/oder Beine verschlossen sind, die Fragen aggressiv und fordernd werden, die Stimme lauter wird, die Pupillen sich zusammenziehen etc. "All dies sind Zeichen von Ablehnung. Wenn man so etwas bemerkt, ist es höchste Zeit, das Gespräch rasch auf sichere und angenehme Gesprächsthemen zu steuern", so Strobel. 
 


Der Autor

Marc Wiegand ist verantwortlicher Redakteur unseres Karrieremagazins UNICUM BERUF. Damit ist er Dein direkter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere. 

Kontakt: karriere-kompass@unicum.com


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