Sein Sparschwein lieber in Ruhe lassen oder alles ausgeben?
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26. Okt 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Finanztipps für Berufseinsteiger

Sparen oder Ausgeben?

Nicht gleich alles verprassen

"Wow! So viel Kohle!" Die erste Gehaltszahlung nach dem Studium lässt Berufseinsteigern oft kleine Dollarzeichen in die Augen schießen. Ein vierstelliges Gehalt anstelle schmaler Nebenjob-Einkünfte und Bafög. Neue Wohnung, Neuwagen oder die lang ersehnte Neuseeland-Reise: das alles rückt plötzlich in greifbare Nähe. Doch Experten raten gerade in dieser Phase zu etwas Vorsicht.

"Die Situation ist natürlich erstmal verlockend. Auf einmal muss ich mir das vierte Bier in der Kneipe nicht mehr vom Mund absparen und kann mir viele tolle Dinge leisten ohne vorher monatelang ein paar Euro zur Seite zu legen", weiß Thomas Hentschel, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Wer sich aber nur von seinen Konsumwünschen leiten lässt, steht dann mit 40 Jahren da ohne etwas gespart zu haben. Und wertvolle Zeit zum Vermögensaufbau ist dann bereits verstrichen."

Den Zinseszins im Blick haben

Hentschel verweist dabei auf den so genannten Zinseszins: also den positiven Effekt, der eintritt, wenn ein einmal erzielter Zins wieder angelegt wird und sich wiederum verzinst. Daraus leitet sich eine simple Faustregel für den Vermögensaufbau ab: "Je früher man spart, desto mehr hat man am Ende raus." Gerade Berufseinsteigern legt der Experte zudem Augenmaß beim Ausgeben nahe, damit auch für unvorhergesehene Ereignisse wie die kaputte Waschmaschine noch genügend Geld da ist. "Kredite würde ich nach Möglichkeit vermeiden und wenn, dann so schnell wie möglich zurückzahlen, um nicht lange lästige Kreditzinsen aufgebrummt zu bekommen."

Der Finanzexperte empfiehlt Berufseinsteigern grundsätzlich eine dreigeteilte Finanz- und Anlage-Strategie, die sich aus den Punkten Liquiditätsreserve, private Altersvorsorge und Vermögensbildung zusammensetzt:

1.Liquiditätsreserve:

"Ich rate dazu, drei bis fünf Monatseinkommen netto auf der hohen Kante zu haben, um kurzfristig auf unerwartete Ereignisse reagieren zu können", sagt Hentschel und fügt an. "Hohe Kante bedeutet in diesem Fall Geld auf einem gut verzinsten Tagesgeld-Konto zu haben, das einen schnellen Zugriff garantiert." Daneben sei noch ein kleiner Puffer von vielleicht 500 Euro auf einem Girokonto empfehlenswert. Das Girokonto sollte lediglich als eine Art Durchlauf-Konto fungieren, da wenig Zinsen abwerfe und Limits bei den Ausgabesummen habe. "Beim Tagesgeld-Konto kann man sich übrigens auch ruhig mal mit einer Direktbank auseinandersetzen."

2. Private Altersvorsorge:

"Wenn man von Anfang an etwas fürs Alter zurücklegt, ist das sicher auch vom Handling her einfacher, als nach vielen Jahren damit anzufangen und sich mühsam wieder an ein niedrigeres Budget zu gewöhnen", skizziert Hentschel ein bekanntes psychologisches Phänomen. Ferner verweist er mahnend auf eine aktuelle Studie der Deutschen Bank, wonach nur 17 Prozent der 14- bis 25-Jährigen fürs Alter sparen. "Dabei ist die Altersvorsorge das Gebot der Stunde."

Grundsätzlich sei die Riester-Rente ein wichtiger Baustein der privaten Altersvorsorge, denn dabei würde der Staat private Bemühungen finanziell fördern. Konkret rät Hentschel jungen Leuten hier zu der Gestaltungsvariante Fondssparpläne. Denn anders als etwa Banksparpläne versprächen sie über einen längeren Anlagezeitraum lukrative Renditen.

 "Da jeder Arbeitnehmer grundsätzlich ein Anrecht auf betriebliche Altersvorsorge hat, sollte man dieses Thema natürlich beim Einstellungsgespräch auf den Tisch legen", ergänzt er einen weiteren Vorsorge-Baustein.  Die Rürup-Rente, die quasi wie eine gesetzliche Rentenversicherung funktioniere, sei für junge Leute nur bedingt geeignet. Denn eine alternative Verwendung des zusammengesparten Geldes sei grundsätzlich ausgeschlossen. Ein junger Mensch müsse sich dabei demnach schon sehr früh festlegen. "Bei Riester kann ich mir hingegen 30 Prozent des Gesamtbetrages auszahlen lassen, wenn mir das später lieber ist", so Hentschel, der empfiehlt seine Altersvorsorge-Maßnahmen alle paar Jahre mit Hilfe eines Fachmanns zu überprüfen und gegebenenfalls nach zu justieren.

3. Vermögensbildung

"Das Sparbuch hat ausgedient", konstatiert Hentschel angesichts der dauerhaft niedrigen Sparzinsen. Neben den Vermögenswirksamen Leistungen, die man vom Arbeitgeber fordern könne, sollte jeder Arbeitnehmer mit einer kleinen Risiko-Bereitschaft über Investmentfonds nachdenken. "Sie sind empfehlenswert, da sie über einen langfristigen Horizont höhere Renditen versprechen als andere Anlageformen. Schließlich ist von einer insgesamt wachsenden Wirtschaft auszugehen." Grundsätzlich sei auch in puncto Vermögensbildung ein früher Einstieg vorteilhaft. "Denn wenn irgendwann Familien-Nachwuchs da ist, wird es noch schwerer Geld abzuknapsen", gibt Hentschel zu bedenken.

 

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