Tafel mit der Aufschrift
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08. Aug 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Fremdsprachen als Karriere-Kick?

Mit Englisch oder Mandarin zum Spitzenjob?

Englisch ist eine Selbstverständlichkeit

"Gute bis sehr gute Englischkenntnisse" oder  ein "verhandlungssicheres Englisch" sind in vielen Stellenanzeigen gefordert. Immer häufiger ist sogar eine "weitere Fremdsprache erwünscht". Könnte ich also mit meinen zwei Semestern Spanisch richtig was reißen? Oder sind in der Berufswelt ganz andere Fremdsprachen gewünscht? Und wie gut muss eigentlich mein Englisch sein, damit es für einen Spitzenjob reicht?

Heiner Bleckmann, der sich im Vorstand des deutschen Verbandes für Bildungs- und Berufsberatung (dvb) um internationale Zusammenarbeit und Vernetzung kümmert, skizziert die gegenwärtigen Sprachanforderungen in der Arbeitswelt folgendermaßen: "Englisch zählt heute im eigentlichen Sinne nicht mehr zu den Fremdsprachen, sondern wird eher wie ein selbstverständliches Arbeitsmittel à la Word und Excel angesehen. Als Akademiker sollte man mindestens die englischen Texte in seinem Fachgebiet verstehen und die wesentlichen Sachverhalte in englischer Sprache artikulieren können." Dementsprechend könne man sich heutzutage kaum noch durch profunde Englischkenntnisse von anderen Bewerbern abgrenzen. Andererseits sei es ein dickes Manko, wenn die eigenen Sprachfähigkeiten nicht wenigstens das eben beschriebene Niveau hätten.

Internationalität als Branchenmerkmal

Besonders international ausgerichtet sind laut Bleckmann die Branchen Automotive sowie Maschinen- und Anlagenbau. Die Wirtschaftszweige, die sich mit chemischen Erzeugnissen und Hightech-Produkten auseinandersetzten, seien ebenfalls durch viele länderübergreifende Kontakte geprägt.

"Wichtig ist dabei immer, dass die Sprache niemals losgelöst vom Kontext steht", betont Bleckmann. "Die reine Vokabel-Kunde reicht nicht aus, es gehört auch Wissen über Kultur, Politik und Geschichte dazu. Denn nur mit dieser interkulturellen Kompetenz kann ich das Verhalten meines Gegenübers richtig verstehen und nachvollziehen." Dabei weist der Experte darauf hin, dass sich längere Auslandsaufenthalte auch noch aus anderen Gründen in jeder Vita gut machten. "Man dokumentiert damit nicht nur seine interkulturelle Kompetenz, sondern demonstriert ebenso Mobilitätsbereitschaft und Flexibilität", so Bleckmann. Gerade wenn es karrieremäßig in Richtung Führungsposition ginge, könnten derartige Eigenschaften inklusive eines breiten Horizonts durchaus mitentscheidend sein.

Trendsprache Spanisch überbewertet

Und was ist nun mit meinen rudimentären Spanisch-Kenntnissen? Diese feurig klingende Sprache ist in meiner Wahrnehmung gerade total angesagt und muss doch auch beruflich zu nutzen sein, oder? Bleckmann schüttelt energisch den Kopf und verweist auf die Außenhandelsstatistik: "Unter unseren zehn wichtigsten Handelspartnern ist kein spanischsprachiges Land. Und wenn man in diesem Zusammenhang mit der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung von Südamerika argumentiert, darf man nicht vergessen, dass die größte Nation dort – nämlich Brasilien – portugiesisch spricht."

Als Deutschlands größter Handelspartner sei indes Frankreich mit seiner Landessprache auf der Bedeutungsskala nicht vom zweiten Rang direkt hinter dem Englischen zu verdrängen – auch wenn Französisch derzeit irgendwie nicht en vogue ist, wie Bleckmann einräumt. "Unser Austausch mit Frankreich ist riesig, aber sprachlich hapert es. Gerade wenn Franzosen und Deutsche in Englisch miteinander verhandeln, kann es schon einmal zu Missverständnissen kommen. Da kann man mit fundierten Französischkenntnissen also richtig punkten."

Kulturelles Interesse signalisieren

Dies gelte mit etwas anderen Anforderungen im Übrigen auch für Chinesisch: Die asiatische Wirtschaftsmacht befände sich unwidersprochen auf einem beeindruckenden Wachstumskurs und dementsprechend würden sich die Beziehungen zu China künftig noch weiter intensivieren. "Hierbei muss man allerdings bedenken, dass Chinesisch eine unglaublich komplexe Sprache ist, die man nur in vielen Jahren erlernen kann", so Bleckmann, der dennoch betont: "Wenn ich mich in einer fremden Sprache bemühe und somit tieferes Interesse an der Kultur zeige, wird das in aller Regel honoriert. Dabei geht es weniger um Perfektion. Ein kurzer Smalltalk in Chinesisch kann direkt eine positive Grundstimmung erzeugen. Und so etwas kann natürlich gerade zu Beginn eines Geschäftstermins im wahrsten Sinne Gold wert sein."

Der Experte rät zudem, den Blick auch vor den Sprachen der unmittelbaren Nachbarländer nicht zu verschließen. Gerade in den entsprechenden grenznahen Bereichen hätten Holländisch, Dänisch oder Polnisch durchaus eine beachtenswerte Bedeutung. "Das sind natürlich nicht unbedingt Weltsprachen. Aber wenn ich meine Zukunft ohnehin in einer Region sehe, die eine gewisse Nähe zu einem anderssprachigen Nachbarland hat, dann sollte ich über diese Sprachen nachdenken." Wichtig ist Bleckmann auch, Studenten mit Migrationshintergrund zu ermutigen, ihre Muttersprache oder die Sprache der Herkunftsfamilie als eine ganz wichtige persönliche Kompetenz zu pflegen. Durch das eigene Erleben im Heimatland oder dem Herkunftsland der Familie und durch die Erfahrungen in Deutschland sind diese Studenten schon sensibilisiert für kulturelle und sprachliche Unterschiede und sie verfügen über eine Fähigkeit damit kompetent umzugehen. Sie sollten sich dieser Tatsache  bewusster werden und damit selbstbewusst umgehen.

Geisteswissenschaftler punkten mit Sprachkenntnissen

Dabei sei es grundsätzlich ratsam, seine lingualen Kenntnisse mit allgemein anerkannten Zertifikaten zu dokumentieren. Gängige englische Zertifikate seien beispielsweise TOEFL, IELTS und Cambridge Certificate, zu den wichtigsten Französisch-Nachweisen zählten DELF und DALF. "Hier ist eine umfassende Recherche dazu, welche Zertifikate in meinem Zielbereich relevant sind, unumgänglich", so der eindringliche Rat von Bleckmann, der ferner betont, dass ausgeprägte Sprachkenntnisse nicht nur für Wirtschaftswissenschaftler oder Ingenieure wichtige Skills sind. "Auch für einen Geisteswissenschaftler beispielsweise, der keine so klar vordefinierten Berufsfelder hat, sind sie von Vorteil. Geisteswissenschaftler müssen sich ja ohnehin breit aufstellen und da stehen Fremdsprachenkenntnisse stellvertretend für eine sehr gefragte Offenheit. Es gibt eigentlich keinen Bereich, in dem Sprachkenntnisse nicht hilfreich sind."

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