Schwangere Frau am Arbeitsplatz
Foto: Thinkstock/Tobias Machhaus
Autor

14. Nov 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Karriere-Bremse Babypause?

Wenn die Familienplanung zur Herausforderung wird

Ein Kind bedeutet Veränderung

Schwanger, Geburt, Babypause? Von wegen! Yahoo-Chefin Marissa Mayer erwartet Zwillinge und will dennoch "weitestgehend durcharbeiten". Die Rede ist von vielleicht zwei Wochen Auszeit nach der Geburt, bevor sie wieder voller Tatendrang am Schreibtisch sitzen will. Hinter ihrer viel beachteten Ansage lässt sich das Credo "Karriere oder Elternzeit" vermuten und damit heizt sie die Diskussion über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter an. Bringt eine längere Babypause zwangläufig die Karriere zum Stottern? Müssen sich karrierebewusste Frauen mit Kinderwunsch die Yahoo-Chefin als Vorbild nehmen?

"Ein Kind kann man nicht mal eben so wegorganisieren. Es treten Situationen auf, in denen es die Mutter braucht. Und viele Studien belegen auch, dass Kleinkinder gerade in den ersten beiden Jahren einen engen Bezug zur Mutter benötigen", gibt Angela Fauth-Herkner, Expertin im Bereich der Arbeitszeitgestaltung, zu bedenken. "Wenn ein Kind da ist, verändert sich vieles ganz grundlegend. Darüber sollte man sich vorher intensiv Gedanken machen. Aber letztlich bleibt es natürlich eine persönliche Entscheidung, ab wann man wieder Arbeiten geht."

Familienfreundlichkeit fördert Loyalität

Anders als offenbar die Yahoo-Chefin Mayer verbindet Fauth-Herkner zahlreiche positive Aspekte mit einer Babypause. So könnten etwa Firmen, die sich in dieser Phase als besonders familienfreundlich erweisen, später von einer höheren Loyalität und geringeren Wechselbereitschaft der betreffenden Mitarbeiter profitieren. "In Zeiten des zunehmenden Fachkräftemangels ist die Arbeitgeberattraktivität ein wichtiger Erfolgsfaktor. Wer in der Babypause vorbildlich unterstützt worden ist, möchte danach etwas zurückgeben und wird nicht einfach so ohne triftigen Gründe das Unternehmen wechseln", so die Expertin.
 
Und auch die Kollegen, die zeitweilig die Vertretungen übernehmen, könnten von der neuen Situation profitieren: in dem sie sich mit Hilfe dieser zusätzlichen Aufgaben insgesamt breiter aufstellen und somit multifunktional einsatzfähig werden. Fauth-Herkner: "Selbst die jungen Eltern können in der Babypause weiter an ihren Qualifikationen feilen. E-Learning macht?s möglich. Die Kinder schlafen ja schließlich auch viele Stunden am Tag."  In diesem Zusammenhang weist sie aber auch auf die geringe Halbwertzeit von Fachwissen in bestimmten Bereichen hin. Dort sei es zwingend notwendig, sich halbwegs kontinuierlich mit den einschlägigen Themen zu beschäftigen – um überhaupt up to date zu bleiben.

Aktiv an Vertretungslösungen mitarbeiten

Dass eine Babypause einigen Vorlauf hat, den man zur präzisen Planung und Vorbereitung nutzen kann, sieht Fauth-Herkner grundsätzlich als klaren Vorteil an. "Es ist sinnvoll, frühzeitig mit den Kollegen zu sprechen, aktiv an Vertretungslösungen mit zu organisieren und eigene Vorschläge einzubringen. Vielleicht hat man dann sogar schon ein tragfähiges Konzept in der Hand, wenn man den Vorgesetzten über den Familienzuwachs informiert. So hat dieser weder Zeit noch Grund sich wegen der Auszeit zu sorgen." Und auch im Hinblick auf die Akzeptanz im Team, sei das frühzeitige Kommunizieren der "anderen Umstände" unbedingt zu empfehlen.

Die Zeit vor der Babypause sollte man auch dafür nutzen, sich mit dem Chef auch im Detail über den Wiedereinstieg und etwaige Schwangere bespricht sich mit ihrem Chef Weiterbildungsnotwendigkeiten zu unterhalten. "Es ist ja nicht unbedingt davon auszugehen, dass man direkt wieder in Vollzeit startet und dann auch haargenau den gleichen Aufgabenzuschnitt hat wie zuvor." Ebenfalls wichtig: das kontinuierliche Kontakthalten. "Stellen Sie sicher, dass Sie weiterhin Zugriff auf alle relevanten Informationen haben und wichtige Neuigkeiten mitbekommen", rät die Expertin.

Frage des Timings

Bleibt noch die Frage, wann überhaupt karrieretechnisch der "ideale" Zeitpunkt für eine Schwangerschaft bzw. Babypause ist? Dazu könne sie keine pauschale Antwort liefern, winkt Fauth-Herkner ab. Jedoch gebe es in vielen beruflichen Laufbahnen unterschiedlich gestaltete Phasen – beispielsweise auch solche, in denen keine hohe Mobilität und dauerhafte physische Präsenz erforderlich ist. "Wenn ich gerade im Außendienst bin und viel umher reise, kommt eine Babypause sicherlich viel ungelegener, als wenn ich ohnehin schon an zwei Tagen Home Office mache", meint Fauth-Herkner dazu.

Auch sei manchmal die Relevanz der Faustregel "Je höher, desto besser" nicht ganz von der Hand zu weisen. Soll heißen: Je höher man die Karriereleiter erklommen hat, desto einfacher gestaltet sich tendenziell die Babypause. "Denn in den exponierten Jobs kann man viel delegieren, organisieren, flexibilisieren, und z.T. kombinieren mit Home Office. Außerdem gibt es vielleicht bereits Vertretungsregelungen, auf die man in der Babypause zurückgreifen kann." Man muss bedenken, dass es ja nur eine gewisse Zeitspanne umfasst, einmal Teilzeit ist nicht immer Teilzeit.

Die Fluktuation als Indikator

Um im Vorfeld ungefähr einschätzen zu können, mit wie viel Unterstützung man während der Babypause seitens des Unternehmen rechnen kann, empfiehlt die Expertin zwei Dinge im Blick zu haben:

  • 1. Wie gestaltete sich die Babypause bei anderen Kollegen in der Vergangenheit?
  • 2. Wie hoch ist generell die Fluktuation bzw. Mitarbeiterbindung im Unternehmen?

"Und wenn es darüber hinaus jemanden gibt, der schon länger an meinem Stuhl sägt, dann ist natürlich erhöhte Wachsamkeit geboten."
 


Der Autor

Marc Wiegand ist verantwortlicher Redakteur unseres Karrieremagazins UNICUM BERUF. Damit ist er Dein direkter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere. 

Kontakt: karriere-kompass@unicum.com


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