Home-Office: Zum Beispiel in der Sonne auf dem Balkon arbeiten
Foto: Thinkstock/Tobias Machhaus
Autor

08. Nov 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Karriere-Risiko Home-Office?

Was die Heimarbeit wirklich bringt

Eine mögliche Alternative zum klassichen nine-to-five Job?

Mit dem Notebook auf dem sonnenverwöhnten Balkon sitzen, die Telefonkonferenz gemütlich von der Couch aus moderieren: Geht es um moderne Arbeitsformen fällt mit großer Wahrscheinlichkeit das Schlagwort Home Office. Laut Studien ist der heimische Arbeitsplatz für die Mehrheit der Arbeitnehmer längst eine angemessene Alternative. Dabei birgt das Büro in den eigenen vier Wänden durchaus einige Tücken, die den beruflichen Aufstieg verhindern können.

Wie schätze ich mich selbst ein?

"Vorher ist eine schonungslose Selbsteinschätzung notwendig: Fällt es mir leicht, Beruf und Privatleben voneinander abzugrenzen? Bin ich jemand mit einem soliden Grad an Selbstdisziplin? Dabei sollte man eigene Erfahrungen aus vorherigen Jobs oder seiner Studentenzeit reflektieren", rät Coach und Karriereberaterin Stephanie von Below. "Neben dem Blick zurück ist aber auch der Blick nach vorne wichtig: Was will ich als nächstes in meiner Karriere erreichen? Ist dies mit Home Office realistisch vereinbar?"

Erst wenn diese Fragen eindeutig beantwortet sind, sollte das Büro im Unternehmen gegen das heimische Arbeitszimmer getauscht werden. Dabei empfiehlt die Expertin, zunächst testweise mit einer Kombination aus normalen Büro- und Home Office-Tagen zu beginnen. "Erfahrungen sammeln, sich selbst spiegeln, Feedbacks vom Vorgesetzten einholen und aufmerksam beobachten, ob sich irgendwelche Dinge zum Nachteil entwickeln. Darum muss es zunächst gehen", so von Below.

Zwei wesentliche Knackpunkte seien in jedem Fall Transparenz und Präsenz. Gerade bei einer Unternehmenskultur, die neben guten Arbeitsergebnissen auch lange Arbeitstage sehr wertschätze, sei eine präzise Arbeitszeitdokumentation ratsam. Im Vorfeld sollten gemeinsam mit den Vorgesetzten genaue Zeiträume für das Home Office vereinbart werden, die Kontrolle könne dann kinderleicht per Online-Tool erfolgen.

Weiterhin sichtbar bleiben

"Daneben ist es natürlich entscheidend, dass man weiterhin im Unternehmen sichtbar bleibt", mahnt die Karriereberaterin. Das bedeutet: bei wichtigen Meetings unbedingt persönlich anwesend sein, lieber eine Mail mehr als weniger an den Chef schicken und ganz regelmäßig mit den entscheidenden Köpfen im Unternehmen vis-à-vis sprechen. "Wenn ich meine Karrierechancen wirklich bewahren möchte, dann muss ich mehr Energie ins Eigenmarketing stecken als bisher und das Netzwerken als vollständige Arbeitsaufgabe begreifen." Andernfalls sei die Gefahr groß, bei der nächsten Beförderungsrunde leer auszugehen.
Und was ist sonst noch vonnöten, damit das Home Office nicht zum Karriere-Risiko wird? Karriereberaterin Stephanie von Below listet ein paar ganz praktische Punkte auf:

  • "Man braucht natürlich daheim einen ruhigen Arbeitsplatz, an dem sich auch wirklich alles befindet, was man zum Arbeiten benötigt."
  • "Es ist wichtig, sich für jeden Tag Ziele zu setzen und sich mit deren Hilfe selbst permanent zu kontrollieren."
  • "Störgeräusche beim Telefonieren sind unbedingt zu vermeiden. Ich kann keine  Professionalität auszustrahlen, wenn im Hintergrund die Waschmaschine    laut schleudert. Lieber rufe ich dann fünf Minuten später aus meinem ruhigen Arbeitszimmer zurück."
  • "Familie, Partner und Freunde sollten instruiert werden: Wenn ich arbeite, dann brauche ich meine Ruhe."
  • "Jeder sollte für sich Rituale finden, die einem anstelle des Heimwegs den Übergang in den Feierabend ebnen. Das kann der Gang mit dem Hund sein, der Einkauf oder die Fahrt ins Fitnessstudio."

Darüber hinaus sei es strategisch sinnvoll, auch die positiven Effekte für den Arbeitgeber heraus zu streichen. Von Below: "Zuhause kann ich mich besser konzentrieren als im wuseligen Großraumbüro, außerdem fällt eine möglicherweise anstrengende Anfahrt weg und ich starte dementsprechend viel entspannter und leistungsfähiger in den Arbeitstag." Überdies würden an Home Office Tagen Ressourcen im Unternehmen (Schreibtisch, PC etc.) frei und könnten womöglich anderweitig genutzt werden. "Diese Punkte sollte man stets im Kopf haben und auch kommunizieren. Dann ist das Home Office kein Hindernis für eine steile Karriere."
 


Der Autor

Marc Wiegand ist verantwortlicher Redakteur unseres Karrieremagazins UNICUM BERUF. Damit ist er Dein direkter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere. 

Kontakt: karriere-kompass@unicum.com


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