Für Berufseinsteiger: So klappts mit der Karriere!
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15. Dez 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Karriereplanung für Berufseinsteiger

So geht die Karriere steil nach oben

"Life is what happens while you're busy making other plans."

Hätte der Spruch eine universale und absolute Gültigkeit wäre dieser Beitrag schlichtweg überflüssig. Hat er aber nicht! Denn in einigen Lebensbereichen – beispielsweise, wenn es um die berufliche Karriere geht – erhöht ein gewisses Maß an Planung und strategischem Vorgehen einfach die Erfolgschancen. Was passiert, wenn dieses in Gänze fehlt, kann der ganzheitliche Karrierecoach Sascha Schmidt aus seinem Berateralltag berichten. Zu ihm kommen oft Akademiker im Alter zwischen 35 und 45 Jahren, die in einer tiefen beruflichen Midlife Crises stecken.

"Viele dieser Klienten haben es zwar bis ins mittlere Management geschafft, sind aber mit ihrem aktuellen Status vollkommen unzufrieden. Sie wissen nicht, ob es für sie irgendwann noch weitere Aufstiegsmöglichkeiten gibt. Viel fataler aber ist, dass ihnen ihre Arbeit überhaupt keinen Spaß macht. Und wenn gar keine Leidenschaft für eine Tätigkeit vorhanden ist, dann macht einen auch ein solides Gehalt nicht annähernd glücklich", ist Schmidt überzeugt. Häufig hätten die Klienten zugunsten ihres Jobs ihr Privatleben vernachlässigt und wären daher auch mit diesem Lebensbereich zutiefst unzufrieden.

Inhaltliche Ebene wird vernachlässigt

Eine Ursache für diese zerfahrene Lage skizziert der Karrierecoach folgendermaßen: "Gerade in jungen Berufsjahren ist natürlich die Bereitschaft hoch, zeitintensive und nur wenig erfüllende Jobs anzunehmen – solange man dafür ein üppiges Salär einstreicht." Irgendwie nachvollziehbar, denn nach den einkommensschwachen Studentenjahren wollen schließlich die langgehegten Träume von der schicken Wohnung, dem schnittigen Auto und dem Karibik-Urlaub erfüllt werden. "Materielle Ziele stehen im Vordergrund und die inhaltliche Ebene wird fast völlig ignoriert. Die Betroffenen landen dann in gut bezahlten Jobs, die sie aber thematisch gar nicht ausfüllen und aus denen sie nicht so einfach in andere Bereiche wechseln können." Ein Mindestmaß an vorausschauender Planung hätte dies womöglich verhindert, schlussfolgert Schmidt.

Um das klarzustellen: Er rät nicht zu einem akribisch ausgearbeiteten 20 Jahre-Masterplan – angesichts der hohen Dynamik in der modernen Arbeitswelt mache dies nur für Gruppen wie Beamten oder Juristen mit einem klar vorgezeichneten Aufstiegspfad Sinn. Doch er reißt im Folgenden ein paar Punkte an, über die sich jeder Berufseinsteiger ein paar ernsthafte Gedanken machen sollte – und die er regelmäßig wieder selbstreflektierend überprüfen sollte:

1. Was macht mir eigentlich Spaß?

Der Experte empfiehlt, sich zunächst zentrale Fragen zu stellen: "Welche konkreten Tätigkeiten machen mir Spaß? In welchen Branchen und Berufsbilder finden sich diese? Und welcher Weg kann zu diesen Jobs hinführen?"

2. In welchem Umfeld möchte ich arbeiten?

Schmidt dazu: "Mag ich feste Strukturen und ein klar definiertes Aufgabengebiet, dann ist ein Konzernumfeld das Richtige für mich. Wenn es aber um viel Entfaltungs- und Gestaltungsspielraum und ein familiäres Arbeitsklima geht, sollte ich den Blick eher auf mittelständische Arbeitgeber richten." Dazu gibt er noch zu bedenken, dass im späteren Karriereverlauf der Wechsel von einer namhaften Weltmarke zu einem Hidden Champion aus dem Mittelstand immer einfacher sei, als den umgekehrten Weg zu gehen. "Außerdem sollte man sich auch fragen, wie stark das eigene Sicherheitsbedürfnis ist und demnach die Branche auswählen."

3. Welche Karriere passt zu mir?

Hier ist laut Schmidt eine wichtige Richtungsentscheidung vorzunehmen: "Bin ich der Typ für eine Fachkarriere als Spezialist oder geht es mir um eine Führungskarriere mit Personalverantwortung. Dementsprechend muss ich mir dann die dafür notwendigen Skills aneignen und bei einem potentiellen Arbeitgeber abklopfen, ob mir dort der gewünschte Weg überhaupt offensteht."

4. Wie wichtig ist mir Familie?

Schmidt: "Gerade bei jungen Absolventen gewinnt die Vereinbarkeit zwischen Privat- und Arbeitsleben immer weiter an Bedeutung. Wenn ich mit Mitte Zwanzig schon weiß, dass ich später eine Familie gründen will, suche ich mir frühzeitig den passenden Arbeitgeber." Häufig würden sich Unternehmen Familienfreundlichkeit zwar auf die Fahnen schreiben, in der Betriebsrealität aber ein ganz anderes Bild abgeben. "Gibt es Teilzeit- oder Home Office-Arbeit? Wie fallen die Reaktionen der Chefs aus, wenn der Kollege sechs statt zwei Monate Elternzeit nehmen will? Wird die Kollegin nach ihrer Babypause wieder voll integriert?" Die Antworten auf diese Fragen seien meist äußerst aufschlussreich, so der Karrierecoach. Tendenziell hätten Inhaber bzw. Familiengeführte Unternehmen eine grundlegende Familienfreundlichkeit stärker in ihrer DNA verankert als etwa Shareholder-Value-Betriebe.

5. Wie wichtig ist mir Geld?

"Niemand sollte sich unter Wert verkaufen. Ich rate deshalb dazu, zunächst ein marktgerechtes Mindestgehalt zu definieren, mit dem problemlos der Lebensunterhalt bestritten werden kann. Daran an schließt sich die Frage, wofür genau ich dann wirklich wie viel mehr an Gehalt brauche und was ich auf der anderen Seite möglicherweise bereit bin, an Zeit und zu opfern und inwiefern inhaltliche Abstriche akzeptabel sind", sagt Schmidt.
 


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