Erfolg durch Quereinstieg!
Foto: Thinkstock/Tobias Machhaus
Autor

19. Okt 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Neue Chancen für Quereinsteiger

So klappt der Branchenwechsel

Engagement lohnt sich

Spannendes Unternehmen? Check! Spannende Stellenbeschreibung? Check! Passendes Bewerberprofil? Leider gar nicht! Dieses enttäuschende Gefühl kennt wohl jeder, der sich schon einmal auf Jobsuche befand. Gerade wer mit einem Quereinstieg liebäugelt, dürfte bei den messerscharf formulierten Profilbeschreibungen häufig etwas Resignation verspüren. Also abhaken und direkt weiter zur nächsten Stellenanzeige? Oder lohnt sich auch ein Engagement, wenn zwischen Ist und Soll eine größere Diskrepanz besteht?

Unternehmen öffnen sich zusehends

"Die Arbeitswelt hat sich auch aufgrund des demographischen Wandels stark verändert", sagt Dr. Sylvia Knecht, die Unternehmen im Bereich Arbeitgeber-Marke berät, aber auch Studenten beim Quereinstieg unterstützt. "Aus diesem Grund öffnen sich einige Unternehmen gerade und sehen sich auch Bewerber an, die nicht punktgenau zu den ausgeschriebenen Stellenprofilen passen."  Von diesem Trend profitierten Absolventen so genannter Massenfächer wie BWL bislang noch am wenigsten. "In diesen Bereichen finden die Unternehmen immer noch genug Bewerber, die einen hundertprozentigen Fit mitbringen. Aber Geisteswissenschaftler beispielsweise können durchaus Nutznießer dieser neuen Entwicklung sein."

Grundsätzlich sei die Offenheit gegenüber Quereinsteigern am höchsten, wenn es um so genannte Querschnittspositionen wie beispielsweise Assistenz- oder Projektmanagementstellen gehe. Bei  stark technisch geprägten Stellen tendiere diese aber weiter gegen Null, so die Expertin. Daneben könne auch die Größe eines Unternehmens den Grad der Offenheit beeinflussen. "Bei den meisten Mittelständlern sind Kapazitäten und Ressourcen eng begrenzt, dementsprechend kann man sich da überhaupt keine Fehlbesetzung erlauben und nimmt meist den auf den ersten Blick genauer zum Profil passenden Bewerber, einfach weil man bei diesem das geringere Risiko vermutet." Dagegen machten eingie große Konzerne wie Lufthansa oder Audi ihre Offenheit sogar durch eigens entwickelte Quereinstiegsprogramme deutlich.

Intensive Recherche notwendig

Und wenn ein solches Programm fehlt? Lohnt es sich dennoch, sich aktiv zu bewerben? Sylvia Knecht legt potenziellen Quereinsteigern zunächst eine umfassende Recherche-Phase ans Herz. "Man kann aus dem Internet viel über ein Unternehmen erfahren und dann einschätzen, ob es grundsätzlich offen ist für Quereinsteiger. In diesem Zusammenhang geht es auch darum, wie das Fachkräfteangebot in der Region aussieht, wer die Mitbewerber auf eine Stelle sind und was sie einem an Qualifikationen Voraus haben. Dann muss man einen Strich unter all das ziehen, die Erkenntnisse zusammenfassen und seine Erfolgschancen nüchtern einschätzen. Stimmt einen das Ergebnis zuversichtlich, kann es losgehen."

Der Schlüssel des Erfolges ist nach Ansicht der Beraterin dann neben der Kenntnis der wichtigsten Unternehmensdaten (Geschäftsfelder, Tochtergesellschaften etc.) vor allem eine stimmige Strategie und Ansprache. Dafür unverzichtbar: eine individuelle und gute Vorbereitung. "Was sind meine Motive für den Quereinstieg? Das muss ich argumentativ flüssig beantworten können und mit Punkten aus meiner Vita verknüpfen. Idealerweise macht man das an verschiedenen Personen fest, die einem positiv beeinflusst haben", sagt Knecht und fügt an. "Die nächste Herausforderung ist dann, darzustellen, wie man mit seinen Erfahrungen und Qualitäten die betreffenden Aufgaben meistern kann  und welchen Mehrwert man als Quereinsteiger mitbringt."

Eigene Defizite ansprechen

Statt zu Großspurigkeit rät Knecht dabei zu Ehrlichkeit. "Es spricht doch für meine analytischen Fähigkeiten, wenn ich klar sehe, was mir an essentiellen Qualifikationen fehlt und das auch anspreche." Entscheidend sei es, für das Beheben dieser Defizite tragfähige Lösungen anzubieten. "Wenn es  Computerkenntnisse gibt, die ich mir noch drauf schaffen muss, dann biete ich an, dies im Vorfeld der Anstellung auf eigene Kosten zu tun. Oder aber ich bin bereit, zunächst auf Gehalt und Freizeit zu verzichten, wenn das Unternehmen mir die entsprechende Weiterbildung bezahlt. Das muss ich offensiv angehen, dann kann es ein ganz wichtiges Signal sein."

Ein Satz mit X..

Abschließend führt Knecht noch ein konkretes Beispiel aus ihrer Beratungspraxis an, das deutlich macht, worauf es bei Quereinsteigern im Wesentlichen ankommt: Eine Sprachwissenschaftlerin hatte sich bei einem internationalen Lebensmitteleinzelhändler auf die Stelle einer Team-Assistentin mit fundierten Fremdsprachenkenntnissen beworben. "Eigentlich passt das doch hervorragend", so Knecht. "Die junge Frau hat es aber durch eine ungeschickte Äußerung verbaselt." Was war passiert? Auf die Frage nach ihren früheren Berufswünschen, antwortete sie, dass sie immer etwas mit Medien machen wollte. "So etwas möchte ein Personaler aus dem Lebensmitteleinzelhandel nicht hören", winkt Knecht ab. Besser wäre es gewesen, beispielsweise von der eigenen Sprachbegeisterung auf die verschiedenen Standorte und die internationalen Produkte des Unternehmens überzuleiten. "Wenn ich dann noch deutlich machen kann, wie fasziniert ich von der ganzen Logistik und den präzise aufeinander abgestimmten Prozessen in der Branche bin – vielleicht weil ich in diesem Bereich schon einmal gejobbt oder ein Praktikum absolviert habe – dann ist das doch ein unwiderstehliches Statement."
 


Der Autor

Marc Wiegand ist verantwortlicher Redakteur unseres Karrieremagazins UNICUM BERUF. Damit ist er Dein direkter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere. 

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