Landkarte, Flugzeug, Pass: Ab ins Ausland!
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04. Okt 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Nonplusultra Auslandsaufenthalt

Warum sich der Blick über den Tellerrand lohnt

Ausland ja oder nein?

Ist der längere Besuch eines fremden Landes ein Nice-to-have oder doch ein Must-have? Mit dieser Frage beschäftigen sich wohl die meisten Studierenden einmal während ihres Studiums. Und auch viele Berufseinsteiger grübeln, ob sie für ein längeres Projekt am Auslandsstandort ihres Arbeitgebers den Finger heben sollen. Denn natürlich sind solche Entscheidungen mit großen Umstellungen und womöglich sogar Entbehrungen verbunden. Aber kann sich die Erfahrung mit einer anderen Kultur nicht auch als richtiger Karriere-Push entpuppen?

Karrierecoach Walter Feichtner hat dazu eine eindeutige Meinung: "In den allermeisten Fällen ist ein Auslandsaufenthalt nicht nur ein persönlicher Gewinn, sondern hat auch viele positive Karriereeffekte."  Wer längere Auslandserfahrungen in seiner Vita vorweisen könne, dem würden quasi automatisch wertvolle Eigenschaften wie Flexibilität, Offenheit und Organisationsgabe sowie interkulturelle Kompetenz zugeschrieben, so Feichtner. "Die Entscheider leiten davon auch häufig ab, dass jemand gewillt ist, seine Persönlichkeit und seine Soft-Skills stetig weiterzuentwickeln. Also ein ganzes Füllhorn an nachgefragten Charakterzügen mitbringt."

Auslandsaufenthalt lohnt sich finanziell

An dieser Stelle sei auch auf eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hingewiesen, nach der sich ein Auslandsaufenthalt finanziell nachweislich auszahlt. Der Einkommensvorteil der Absolventen, die während des Studiums Auslandserfahrungen gesammelt haben, wird nämlich fünf Jahre nach dem Examen mit bis zu acht Prozent beziffert. Dieses Gehaltsplus gibt?s jedoch nicht überall zu bejubeln: Angestellte im öffentlichen Dienst oder Arbeitnehmer in Branchen mit strikter Tarifbindung profitieren finanziell wenig bis gar nicht von einem Auslandsaufenthalt, so das IW.

Das Gros der Absolventen zieht aber großen Nutzen aus der Zeit in der Fremde. Und ob es sich bei dem Auslandsaufenthalt um ein Auslandssemester oder -praktikum handelt, macht dabei nach Einschätzung von Feichtner nur einen geringen Unterschied. "Tendenziell wird vielleicht die praktische Erfahrung etwas höher eingeschätzt als die Kenntnis eines anderen Bildungssystems, aber auch ein Auslandssemester ist ein wichtiger Karrierefaktor."  Da falle es auch nicht negativ ins Gewicht, wenn ein Bewerber dafür im Endeffekt ein paar Semester länger für das Studium brauche als andere. "Der bunte Mix aus Erfahrungen und Kompetenzen überzeugt die Entscheider – nicht die Tatsache, dass man vielleicht ein Jahr jünger ist als die anderen Bewerber", betont Feichtner.

Breite Relevanz für alle Fachrichtungen

Grundsätzlich räumt der Karrierecoach dem Auslandsaufenthalt für fast alle Fachrichtungen eine Relevanz ein. Natürlich sei es aber für einen Sprachwissenschaftler deutlich wichtiger, eine Fremdsprache auch mal "gelebt zu haben", als etwa für einen Sozial-Pädagogen. "Ansonsten sind internationale Erfahrungen vor allem für Wirtschaftswissenschaftler und Ingenieure aber auch für Biologen und Chemiker von Belang. Sie können damit dokumentieren, dass sie in internationalen Teams zurechtkommen."

Bei der Wahl des Ziellandes rät der Experte, strategisch vorzugehen. "Englischsprachige Länder sind natürlich immer gut. Aber wenn man schon eine Branche, in der man arbeiten möchte vor Augen hat, dann sollte man sich natürlich informieren, welche Sprachen in diesem Bereich eine Rolle spielen – und seinen Auslandsaufenthalt darauf abstimmen." Vor diesem Hintergrund könnten aber auch Länder, die einem vielleicht nicht im ersten Moment in den Sinn kommen, ein besonderes Potential bergen. "Wer eine exotischere Sprache beherrscht, hat damit ein Alleinstellungsmerkmal. Außerdem gebe ich zu bedenken, dass sich gerade die Handelsbeziehungen mit den osteuropäischen Ländern weiter  intensivieren. Und China ist mit seinem gigantischen Wachstum natürlich immer relevant."

In fremde Kultur eintauchen

Wichtig sei, in jedem Fall mindestens sechs bis zwölf Monate in dem fremden Land zu verbringen, um richtig in die andere Kultur eintauchen zu können. Feichtner: "Es geht ja nicht nur um die Sprachkenntnisse allein, sondern auch um interkulturelle Skills: Wie denken die Leute? Welche Gepflogenheiten gibt es? Das kann später gerade bei Geschäftsgesprächen entscheidend sein." Seine Auslandserfahrungen sollte man sich dabei stets hinreichend bescheinigen lassen.
Ist bei Studierenden die Frage "Ausland ja oder nein?" relativ leicht zu beantworten, so sieht es bei den Berufstätigen ein wenig differenzierter aus – aber wirklich nur ein wenig. "Sehr oft ist ein Auslandsaufenthalt eine Grundvoraussetzung dafür, später einmal mit Führungsaufgaben betraut zu werden", sagt Feichtner und skizziert zugleich ein Beispiel: "In der Automobilbranche ist es für Manager mit Führungsambitionen üblich, mal für eine gewisse Zeit in eine Auslandsfiliale zu wechseln. Und diese unbeschriebene Regel gilt in vielen Wirtschaftszweigen so."

Ingenieure treibt es in die Ferne

Dabei sind es laut dem IW nicht nur Wirtschaftswissenschaftler, die nach dem Studium das Heimatland verlassen: Drei von zehn Uni-Absolventen der Physik, Chemie, des Maschinenbaus und der Verfahrenstechnik haben fünf Jahre nach ihrem Abschluss Minimum vier Wochen im Ausland verbracht. Die IW führt dies u.a. darauf zurück, dass gerade Ingenieure häufig in innovations- und exportstarken Gewerben beschäftigt sind. Naturwissenschaftler würden derweil  oft in internationalen Forschungsnetzwerken agieren.  

Dennoch weist Feichtner auch auf ein besonderes Risiko hin: "Wenn man sehr lange Zeit weg ist, dann hat man womöglich eine andere Mentalität angenommen oder bestimmte Entwicklungen hier in Deutschland schlicht und ergreifend nicht mitbekommen. Gerade, wenn man nach dem Auslandsaufenthalt den Arbeitgeber wechseln will, kann das zu einem Problem werden."

 

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