Sackgassenschild
Foto: Thinkstock/Tobias Machhaus
Autor

26. Sep 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Sackgasse Bachelor?

Keine Aufstiegschancen ohne Master?

Wie geht's nach dem Bachelor weiter?

Puh, geschafft. Erstmal durchschnaufen. Den Bachelor-Abschluss in der Tasche zu haben, fühlt sich richtig gut an. Endlich gehört man auch dem erlauchten Kreis der Akademiker an. Spätestens aber wenn die erste Euphorie verflogen ist, stellt sich die Frage, wie es nun weiter geht: Habe ich mit dem Bachelor spannende Jobperspektiven? Oder muss ich unbedingt noch den Master draufsatteln? Welcher Weg verspricht mir die besten Karrierechancen?

"Der Bachelor ist heute längst kein Exot mehr. Dieser Abschluss ist in ganz vielen Fächern als erster Regelstudienabschluss anerkannt", sagt Hochschulexperte Andreas Keller dazu. Der stellvertretende Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) benennt aber auch direkt einige prägnante Ausnahmen – nämlich in staatlich regulierten Studiengängen wie Jura, Pharmazie, Medizin oder das Lehramt. "In diesen Feldern gibt es entweder überhaupt keine Bachelorabschlüsse oder sie sind nicht wirklich berufsqualifizierend", so Keller.

Offenheit der großen Unternehmen

In den meisten Wirtschaftszweigen seien Bachelor-Absolventen mittlerweile gern gesehene Bewerber, wie auch die branchenübergreifende Arbeitgeber-Initiative "Bachelor Welcome!" zeige. "Vor allem die DAX-Konzerne und große Unternehmen stehen diesem Hochschul-Abschluss sehr offen gegenüber. Die Welcome-Aussage ist da aus meiner Sicht glaubhaft", betont Keller. Allerdings kommt der Hochschulexperte dabei nicht um eine Einschränkung herum: "Nach meinem Kenntnisstand bekommen Bachelor-Absolventen jedoch häufig Arbeitsplätze angeboten, die nicht in vollem Umfang ihrer Qualifikation entsprechen. Auch in puncto Aufstiegsperspektiven und Gehaltsentwicklung sind in der Regel die Möglichkeiten überschaubarer als bei Absolventen, die einen Master-Abschluss vorweisen können."

Bedeutet also im Klartext: Vor längerer Arbeitslosigkeit müssen sich offenbar die wenigsten Bachelor-Absolventen fürchten, richtet sich aber ihr Blick auf Führungspositionen und umfassendere Personalverantwortung sind die Erfolgsaussichten eher trübe. Demnach kämen Studierende, die karrieremäßig ganz auf Nummer sicher gehen wollten, eigentlich nicht am Master-Abschluss vorbei, so Kellers Einschätzung. Dies gelte ganz besonders für diejenigen, die sich künftig in den Bereichen Forschung und Entwicklung sehen. "In diesen Segmenten ist der Master zu fast 99 Prozent Zugangsvoraussetzung. Oft wird auch noch eine spätere Promotion erwartet."

Fokus auf bestimmte Berufsbereiche

Wer als Bachelor-Absolvent mit größeren Karriereambitionen direkt ins Berufsleben startet, sollte sich auf die Bereiche fokussieren, in denen grundsätzlich auch Fachhochschul-Abschlüsse eine breite Akzeptanz erfahren, rät Keller und führt exemplarisch technische wie soziale Berufsfelder an und verweist auf den Bereich der Wirtschaftswissenschaften.

Auch zusätzliche Praxiserfahrungen, Fortbildungen oder Auslandsaufenthalte könnten den Bachelor-Abschluss sinnvoll ergänzen bzw. aufwerten und somit die späteren Aufstiegschancen erhöhen. "Gerade bei Praktika ist es wichtig, dass dahinter ein roter Faden zu erkennen ist. Weniger ist oft mehr: Ein gut ausgewähltes einschlägiges Praktikum kann mehr helfen als eine ganze Serie beliebig zusammengewürfelter Praktika", sagt der Hochschulexperte.

Engpass bei Master-Studienplätzen

Junge Bachelor-Absolventen, die zwischen Masterstudium und Berufseinstieg hin- und hergerissen sind, weist Keller noch auf einen weiteren Aspekt hin: "Nach allem, was wir wissen, gibt es insgesamt zu wenige Master-Studienplätze in Deutschland. Und dieser Engpass wird sich noch weiter verschärfen, wenn erst mal die doppelten Abiturjahrgänge den Bachelor in der Tasche haben." Zudem seien viele Master-Studienplätz mit drastischen Zugangshürden versehen. In diesen Fällen sei etwa eine gute Bachelor-Note das entscheidende Kriterium, so Keller.

Vor diesem Hintergrund schlussfolgert der Experte letztlich so: Wer heute die reelle Chance auf einen der begehrten Master-Studienplätze hat, sollte diese auch ergreifen. Denn: "Wer sich erstmal mit dem Bachelor in der Berufswelt versucht und scheitert, hat später keine Garantie dafür, dass er dann erneut einen vergleichbaren Master-Studienplatz bekommt und schon gar nicht dafür, dass dieser dann auch noch am favorisierten Studienort gelegen ist." Außerdem müssten Leute mit Berufserfahrungen später womöglich sogar Geld für ein Masterstudium bezahlen. Grundsätzlich mache sich die Bildungsgewerkschaft GEW dafür stark, dass Bund und Länder für einen Ausbau der Studienplätze im Masterbereich sorgen, so Keller.
 


Der Autor

Marc Wiegand ist verantwortlicher Redakteur unseres Karrieremagazins UNICUM BERUF. Damit ist er Dein direkter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere. 

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