Schüchterne müssen lernen sich für ihre Karriere durchzusetzen
Foto: Thinkstock/Tobias Machhaus
Autorenbild

06. Okt 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

So machen auch Schüchterne richtig Karriere

Schüchternheit überwinden

Chancen für Zurückhaltende

Dominant. Extrovertiert. Selbstbewusst: Das sind die klassischen Attribute einer Führungskraft. Nur, wer solche Eigenschaften mitbringt, kann sich von Beförderung nach Beförderung nach oben arbeiten – das war zumindest lange Zeit die gängige Meinung. Mittlerweile hat sich jedoch die Berufs- und Arbeitswelt grundlegend gewandelt. Die Chance also auch für zurückhaltende Mitarbeiter, Karriere zu machen?

"In der modernen Arbeitswelt werden patriarchische und streng hierarchische Strukturen immer seltener", hat die ganzheitliche Kommunikationsberaterin Susanne Hake beobachtet. "Häufig kommen Projektteams zum Einsatz. Und dort ist es normal, dass jemand die Führungsverantwortung gegenüber älteren und auch fachlich besser qualifizierten Kollegen in einem Team hat."

Soll heißen: Führung an sich ist eine eigenständige Dienstleistung geworden. Es gehe im Wesentlichen darum, Mitarbeiter dabei zu unterstützen, die Unternehmens-Ziele zu erreichen, so Hake. "Solide Kommunikation – das ist im Prinzip der Kern von Führung. In einer Wissensgesellschaft wie unserer geht es nicht mehr vorrangig darum, sich wie ein Cowboy durchzusetzen und bestimmte Dinge durchzuboxen. Es sind kluge Leute gefragt, die mit Menschen und deren Wissen umgehen können."

Nicht als Chef geboren

Dabei verschweigt die Expertin aber nicht, dass für eine Führungsrolle mitunter Fertigkeiten notwendig sind, die man sich in den meisten Fällen erst aneignen muss: "Niemand wird als Chef geboren", stellt sie klar. Für zurückhaltende Menschen sei zunächst die Selbsterkenntnis entscheidend. "Man muss sich selbst und seine Stärken und Schwächen gut einschätzen können. Dann hat man auch als zurückhaltender Mensch hervorragende Perspektiven." Einzige Bedingung dafür sei die Bereitschaft, auch etwas an sich zu arbeiten.

"Nutzen Sie Ihren Beruf, um sich persönlich weiterzuentwickeln", rät Hake. "Davon kann dann auch zusätzlich noch das Privatleben profitieren. "Die Schüchternheit müsse bis zu einem gewissen Grad überwunden werden. Das gehe nur durch üben, üben und nochmals üben. "Wer im Umgang mit anderen Menschen Schwierigkeiten mit Blickkontakt oder direkter Kommunikation hat, der muss sich bewusst in Situationen bringen, in denen er diese Dinge übt. Und dann heißt es lächeln, kommunizieren, Blickkontakt suchen." Auch einschlägige Kurse und Bücher zum Thema Auftreten, Präsentieren und Rhetorik könnten weiterhelfen.

Die Scheu positiv ummünzen

Das Ziel müsse in jedem Fall sein, seine Scheu oder auch Angst in freudige Aufregung umzumünzen. Hake vollzieht bei dieser Ausführung einen Brückenschlag zu berühmten Persönlichkeiten aus Film und Theater: "Die besten Stars haben auch nach Jahren noch Lampenfieber. Aber sie gehen positiv damit um, und nutzen die Energie für ihre Zwecke." Und die Expertin räumt ein, dass es ähnlich wie in der Schauspielerei eine Option sein könne, gelegentlich in eine andere Rolle zu schlüpfen und sich eine Art alter ego für den Job zu erschaffen.

Für noch konkretere Verhaltenstipps ordnet Expertin Susanne Hake zurückhaltende Menschen zunächst drei großen Gruppen zu – wobei jemand auch mehreren Gruppen gleichzeitig zugehörig sein kann.

Die Introvertierten

  • Charakteristika: "Sie müssen sich zurückziehen, um ihre Batterien aufladen zu können."
  • Stärken: "Sie können grundsätzlich im Team arbeiten, aber auch alleine hochkonzentriert und mit großer Sorgfalt an Aufgaben sitzen. Intensive Vier-Augen-Gespräche gehören ebenfalls zu ihrem Repertoire." Tipp: "Introvertierte können problemlos zur Führungskraft werden – sie müssen nur für ausreichend Rückzugsmöglichkeiten sorgen."
     

Die Hochsensiblen

  • Charakteristika: "Sie verfügen über ein hochreaktives Nervensystem, sind feinfühlig, reagieren aber auch stark auf Reize von außen und können davon leicht gereizt werden."
  • Stärken: "Solche Menschen waren früher die Berater der Könige, weil sie sich gut in andere hineinversetzen können und sehr empfindsam sind. Und das sind natürlich Eigenschaften, die auch zur vielen modernen Führungskulturen passen."
  • Tipp: "Sie müssen auf sich Acht geben und ihre Grenzen vor Augen haben. Dann steht auch einer steilen Karriere nichts im Weg. Wichtig ist, dass sie sich regelmäßig Zeit für tiefe Entspannung nehmen – sei es Meditation, Yoga oder lange Spaziergänge in der Natur."
     

Die Schüchternen

  • Charakteristika: "Sie wollen eigentlich in Kontakt zu anderen Menschen treten, haben dabei aber häufig Hemmungen."
  • Stärken: "Sie machen sich von Natur aus viele Gedanken und können sich daher gut in andere hineinversetzen. Mit ihrer zuvorkommenden Art sind sie in einigen Unternehmen insbesondere im Dienstleistungs- und Servicesegment als Führungskräfte geschätzt. Sorgfalt und Akribie gehören ebenfalls zu ihren positiven Eigenschaften."
  • Tipp: "Sie denken sehr viel darüber nach, wie andere Menschen sie sehen und das kann in Selbstzweifeln und einem wankenden Selbstbewusstsein münden. Sie müssen daher lernen zu sich,  ihrem Team und zu ihren Projekten zu stehen. Und das lässt sich üben."
     

>> zurück zur UNICUM Karriere-Kompass Übersicht