So wird das Jahresgespräch zum Erfolg
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Autor

13. Dez 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Souverän im Jahresgespräch

Mit der richtigen Vorbereitung punkten

Das Jahr Revue passieren lassen

In vielen Firmen gehört es genauso zu den alljährlichen wiederkehrenden Terminen wie die obligatorische Weihnachtsfeier: das Jahresgespräch. Rückblick und Vorausblick stehen dabei auf der Standard-Agenda. Und das Gespräch kann entscheidenden Einfluss auf den Karriereverlauf haben – positiv wie aber auch negativ.

"Es ist wirklich ein ganz zentraler Termin im Jahr", unterstreicht Karriereberater Christoph Burger dessen Bedeutung. "Man hat die Möglichkeit, in Ruhe mit dem Chef das Jahr Revue passieren lassen und nach vorne zu blicken. Wann gibt es das sonst im Jahresverlauf?" Angesichts dieses Stellenwertes empfiehlt der Experte, sich unbedingt akribisch auf diesen Austausch mit dem Vorgesetzten vorzubereiten. "Und wenn der Chef einen ad hoc zum Gespräch laden will, sollte man sich nicht überrumpeln lassen, sondern auf eine adäquate Vorbereitungszeit pochen. Nur so kann man sich als souveräner Gesprächspartner auf Augenhöhe präsentieren", sagt Burger.

Minutiöse Vorbereitung bringt Sicherheit

Grundlage einer gewissenhaften Vorbereitung kann der fix formulierte Fragenkatalog sein, der in vielen Unternehmen als Leitfaden für das Gespräch dient. Wer sich minutiös mit Notizen auf die einzelnen Punkte vorbereite, sei bestens präpariert und vor unliebsamen Überraschungen geschützt, so der Experte. "Besondere Aufmerksamkeit sollte dabei natürlich immer den eigenen Erfolgen gelten. Positive Entwicklungen, die man maßgeblich mitgetragen hat, sollte man hervorheben und am besten mit konkreten Zahlen flankieren. Es geht immer darum, den eigenen Mehrwert für das Unternehmen darzustellen."

Gleichzeitig biete das Jahresgespräch aber auch den richtigen Rahmen, um eigene Wünsche und Forderungen an das Unternehmen zu formulieren. "Sehen Sie das nächste Jahr nicht als Endstation, sondern als eine Teil-Etappe Ihrer Karriere", rät Burger. Dahinter stehe folgende Frage: Welche Weiterbildungen oder Aufgabenbereiche können die eigene Entwicklung fördern und auch mit Blick auf einen etwaigen späteren Arbeitgeber-Wechsel Sinn machen? Dementsprechend sollte der Angestellte während des Gesprächs seine persönlichen Interessen nicht zu sehr hinten anstellen und versuchen, diese mit den allgemeinen Unternehmensinteressen in Einklang zu bringen.

Kritik nur konstruktiv äußern

Das Gespräch sei aber keinesfalls der Ort für eine gnadenlose Abrechnung, warnt Burger. "Das ist oft ein grandioses Missverständnis. Es kann immer nur um konstruktive Kritik und konkrete Verbesserungsvorschläge gehen, die selbstverständlich ganz ruhig und sachlich vorgetragen werden." Auch im umgekehrten Fall – wenn seitens des Vorgesetzten herbe Kritik auf einen niederprassele –  sei ein professionelles Verhalten gefragt. Soll heißen: die Fehler einräumen, scharfsinnig analysieren und dann direkt den Blick positiv und konstruktiv nach vorne richten.

"Hier zeigt sich wieder, welche Rolle eine eingehende Vorbereitung spielt. Denn im besten Falle hat man bereits im Vorfeld für sich selber vermeintliche Kritikpunkte identifiziert, durchgespielt und als Basis für konkrete Optimierungsideen genommen", erklärt Burger und skizziert dazu ein Beispiel: "Wenn mir in diesem Jahr ein großer Auftrag durch die Lappen gegangen ist, dann lege ich im ersten Schritt plausible Gründe für diesen Misserfolg dar – idealerweise liegt es an allgemeinen Rahmenbedingungen und hat nichts mit meiner persönlichen Leistung zu tun. Im zweiten Schritt verweise ich sofort auf die Dinge, die ich seit dem Misserfolg bereits geändert und verbessert habe und formuliere dementsprechend positive Erwartungen und Akquise-Aussichten für das neue Jahr."

Gehaltsverhandlung besser vertagen

Neben einer schonungslosen Abrechnung sollte sich ein Angestellter auch die konkrete Forderung nach einer Gehaltsanpassung im Jahresgespräch verkneifen. Das Thema ansprechen, aber erst bei einem Folgetermin im Detail besprechen, so lautet der Ratschlag Burgers. "Ein Jahresgespräch ist in der Regel ein konzentrierter Querschnitt durch unterschiedlichste Themen und dementsprechend intensiv und anstrengend. Dann noch völlig ausgelaugt in eine Gehaltsverhandlung einzusteigen, ist keine optimale Strategie. Darauf bereitet man sich besser separat vor und kann dann mit frischen Kopf ein gutes Ergebnis heraustaktieren."

Und apropos gutes Ergebnis und geistige Frische: Gerade wenn es im Jahresgespräch um das kommende Jahr und die konkreten Zielvereinbarungen geht, ist erhöhte Wachsamkeit gefragt. Denn häufig würden an diesem Punkt die auf höchster Ebene gesteckten Unternehmensziele "Pi mal Daumen" auf die Ebene des betreffenden Mitarbeiters heruntergebrochen, so der Karriereberater. "In den meisten Fällen ist das eher ein Zieldiktat statt einer Vereinbarung. Wirklich problematisch wird es aber erst, wenn die Vorstellungen völlig unrealistisch sind." Dann müsse der Angestellte behutsam versuchen, mit sprachlicher Raffinesse die Zielformulierungen im Detail zu seinen Gunsten abzubiegen und zu relativieren. Gerade, wenn keine konkreten Zahlen genannt würden, gebe es dafür Spielraum. "Man sollte aber nicht den Fehler machen, als einziger in der Abteilung lauthals zu protestieren. Sonst wird man schnell in die Kategorie Schwierig eingeordnet."

Dies gelte übrigens auch für den Fall, dass man auf ein Gesprächsprotokoll besteht, obwohl dies im Unternehmen nicht üblich ist. Burger empfiehlt, sich währenddessen oder im Anschluss Notizen zu machen, aber nicht auf eine Sonderbehandlung zu pochen. Denn: "Im Grunde ist alles, was mich zu sehr aus der allgemeinen Norm herausfallen lässt, eher ungünstig für den weiteren Karriereverlauf."


Der Autor

Marc Wiegand ist verantwortlicher Redakteur unseres Karrieremagazins UNICUM BERUF. Damit ist er Dein direkter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere. 

Kontakt: karriere-kompass@unicum.com


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