Weihnachtsfeier im Büro
Foto: Thinkstock/Tobias Machhaus
Autor

22. Sep 2016

Marc Wiegand

UNICUM Karriere-Kompass

Stolperfalle Weihnachtsfeier

Saufen, flirten, lästern

Ein kompletter Filmriss? Ein heftiger Flirt mit der Kollegin? Oder eine abfällige Bemerkung über den Chef? Auf der Weihnachtsfeier kann es hoch her gehen und auf keiner anderen Betriebsveranstaltung ist wohl das Risiko peinlicher Fehltritte größer. Gerade Berufseinsteiger nehmen die Weihnachtsfeier daher schon mal wie eine Art soziales Minenfeld wahr. Wie heftig darf ich feiern? Was muss ich tun und was unbedingt vermeiden? Und soll ich überhaupt dorthin gehen?

Clemens Graf von Hoyos, Experte für moderne Umgangsformen, hat zum Thema Weihnachtsfeier ein ganzes Bündel an Empfehlungen parat. "Wer sich vor der Weihnachtsfeier drückt, ist schnell ein Außenseiter. Denn er kennt die Episoden und Insider-Witze nicht, über die noch wochenlang gesprochen wird. Außerdem hat man auf der Weihnachtsfeier die Möglichkeit, mit Leuten aus anderen Hierarchieebenen mal in einem anderen Rahmen und fast auf Augenhöhe zu sprechen. Es ist eine großartige Netzwerk-Veranstaltung, auf der ich bislang unbekannte Facetten meiner Persönlichkeit zeigen kann."

Karriereknick als Folge

Folglich betrachtet der Knigge-Experte die Weihnachtsfeier grundsätzlich mehr als Chance denn als Risiko, verschweigt aber nicht, dass größere Ausrutscher nachhaltige Konsequenzen haben können. "Wer sich total daneben benimmt, tut sich damit definitiv keinen Gefallen, denn dieser Eindruck bleibt lange haften. Niemand will doch später hinter vorgehaltener Hand als das Lästermaul aus der Buchhaltung oder als das Flittchen aus dem Vertrieb tituliert werden. So etwas kann durchaus einen kleinen Karriereknick zur Folge haben."

Vor allem der ausgiebige Alkoholgenuss lasse Hemmungen fallen und löse die Zungen, warnt von Hoyos. Daher laute die Devise: kenn deine Grenzen! "Nach der Begrüßung gemeinsam anzustoßen, gehört zum guten Ton – und wenn man nur am Glas nippt. Wer nicht besonders trinkfest ist, sollte sich danach ein konkretes Limit setzen und regelmäßig Wasserrunden einschieben."

Sternhagelvoll ins Taxi

Dieses Maßhalten sollte im Übrigen nicht nur für den einfachen Angestellten gelten, sondern auch für Menschen in Führungsfunktionen – wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Noch gut kann ich mich beispielsweise an eine Führungskraft erinnern, die bereits im zweiten Drittel einer Weihnachtsfeier herumtorkelte und nicht mehr geradeaus gucken konnte. Begleitet von erschrocken-amüsierten Blicken wurde sie wenig später ins Taxi bugsiert. Und man kann wahrlich nicht behaupten, dass diesem Kollegen nach dem promillehaltigen Auftritt mehr Respekt vom Team gegengebracht wurde als vorher – ganz im Gegenteil.

Eine vornehme Zurückhaltung ist übrigens auch in puncto Flirten geboten, wie Benimm-Experte von Hoyos betont. "Hier sollte man Fingerspitzengefühl an den Tag legen und im Zweifel die defensivere Variante wählen. Was für die eine Kollegin noch ein plattes, aber nett gemeintes Kompliment ist, ist für die andere eine unangemessene sexistische Bemerkung" Heftige Flirts und Annäherungen seien grundsätzlich verpönt, weil sie die Business-Hierarchieordnung ins Wanken brächten. Von Hoyos mit einem Augenzwinkern: "Ich bringe in diesem Zusammenhang gerne ein altes Sprichwort: Man taucht den Füller nicht in die Firmentinte!"

Läster-Attacken sind tabu

Genauso deutlich verurteilt der Fachmann für moderne Umgangsformen jedwede Lästereien in der Kollegenrunde. "Gossip ist Tabu. Halten Sie sich raus. Sprechen Sie grundsätzlich immer nur positiv über Kollegen und werfen Sie höchstens ein, dass jeder Mensch Schwächen hat." Zwar könne es im ersten Moment verlockend sein, einmal ungeniert "abzuledern", so etwas fördere jedoch kein vertrauensvolles Arbeitsklima. Schließlich müssten fortan alle Anwesenden befürchten, dass sie bei der nächsten Läster-Attacke das Opfer sind.

Ein weiteres No-Go sei das Duzen des Chefs, das einem unbedachten Aufweichen der Hierarchie-Grenzen gleichkomme, sowie die blanke Gier am Buffet. Voll beladene Teller zeugten nicht von gutem Stil, so der Benimm-Experte. "Man sollte stets ein wenig auf Ästhetik achten und nicht mit Heißhunger auf so eine Feier gehen. Wer die ganze Zeit maßlos in sich hineinschaufelt, hat keinen Sinn mehr für angeregte Gespräche und freundliche Handshakes."

Drei ultimative Anregungen

Darüber hinaus empfiehlt von Hoyos Berufseinsteigern, sich an drei grundlegenden Aussagen zu orientieren:

1. "Aufrecht stehen, freundlich lächeln und immer Bitte und Danke sagen."
2. "Jeder Mensch möchte gesehen, verstanden und gehört werden."
3. "Authentizität und Souveränität sind im Zweifel immer besser als dogmatischer Formalismus."

Und wenn es mit den guten Vorsätzen dann doch nicht geklappt hat? Wenn bis ins Morgengrauen gebechert wurde und die Unterhaltungen mit der neuen Kollegen mehr als nur angeregt waren? Von Hoyos dazu: "Beobachten Sie ihr Umfeld am nächsten Arbeitstag: Hat sich irgendetwas verändert? Ziehen Sie gegebenenfalls einen Kollegen ins Vertrauen, und fragen Sie ihn ?wie schlimm es war?. Oft stellen sich Dinge in der eigenen Wahrnehmung viel krasser dar, als sie tatsächlich gewesen sind."

Ja mei, der Franz

Dass übrigens auch Promis auf Weihnachtsfeiern gerne mal über die Stränge schlagen, beweist eine Anekdote aus der Welt des FC Bayern München, die ich abschließend noch zum Besten geben möchte. Dort entdeckte vor einigen Jahren ein gewisser Herr B. auf der Weihnachtsfeier plötzlich seine tiefen Sympathien für eine Sekretärin. Neun Monate und diverse Medienberichte später kommentierte er das Thema dann mit kaiserlicher Gelassenheit: "Ja mei, der liebe Gott freut sich über jedes Menschenkind."  Für den normalen Arbeitnehmer mit ambitionierten Karriereplänen sind solche Episoden aber sicher nicht zu empfehlen.


Der Autor

Marc Wiegand ist verantwortlicher Redakteur unseres Karrieremagazins UNICUM BERUF. Damit ist er Dein direkter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um die Themen Berufseinstieg und Karriere. 

Kontakt: karriere-kompass@unicum.com
 


Deine Fragen sind mir wichtig:

Dabei ist natürlich auch dein Input gefragt: Welche Karriere-Themen brennen dir unter den Nägeln? In welchen Fragen fehlt Dir eine richtungsweisende Expertise? Schreib' mir einfach unter karriere-kompass@unicum.com



>> zurück zur UNICUM Karriere-Kompass Übersicht

Diese Themen könnten dich auch interessieren