Start-up mit Freunden
Mit Freunden arbeiten: Ein (Alb-)Traum? | Foto: Thinkstock/moodboard
Autor

14. Jun 2012

Heike Kruse

Archiv

Mehr als nur Kollegen: Start-up mit Freunden

-ARCHIV-

Das Erfolgsrezept am Beispiel von REVIERKIND

Tipps für den Umgang mit Freunden bei der Arbeit

  • Wenn ein Freund zu einem Arbeitskollegen wird, sollte man offen mit der neuen Situation umgehen und seinen Chef darüber informieren. 
     
  • Vorab solltet ihr euch als Freunde unbedingt über einige Fragen Klarheit verschaffen: Wollen wir die Mittagspause immer miteinander verbringen? Erwarten wir, dass der andere uns bei Problemen stets hilft? Diese Fragen können zumeist mit Nein beantwortet werden.
     
  • Der Freund sollte seine eigenen beruflichen Erfahrungen machen dürfen. Kleine Hilfestellungen sind vollkommen in Ordnung, zum Beispiel: Wer kocht Kaffee? Wann wird normalerweise Pause gemacht?
     
  • Durch den engeren Kontakt mit einem befreundeten Kollegen sollten eure beruflichen Pflichten nicht leiden. Doch die strikten Zeiten von "Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps." sind vorbei.
     
  • Befindet ihr euch mit einem befreundeten Kollegen in einer Konkurrenzsituation, solltet ihr eure Bedenken und Gefühle mit demjenigen besprechen. Tut ihr dies nicht, könnte die Freundschaft in Mitleidenschaft gezogen werden.
     
  • Facebook ist zunehmend eine Plattform für private und geschäftliche Beziehungen. Doch solltet ihr dort die Möglichkeit nutzen, eure Facebook-Freunde in verschiedene Gruppen einzusortieren und zu entscheiden, was die Kollegen sehen können. 
     

Drei Freundinnen starten mit REVIERKIND durch

Am 1. Oktober 2008 wurde ihr Traum von einem eigenen Magazin für Goede Funke, Tanja Lenz-Urbach und Nicola Wirtz Wirklichkeit und REVIERKIND schnell zu einem Erfolg bei den Familien im Revier. Bereits vier Jahre später konnte die Auflage aufgrund der großen Nachfrage auf 30.000 Exemplare erhöht werden. Mit Mut, Frische und Energie haben die drei Bochumerinnen REVIERKIND zu einem Paradebeispiel für ein Start Up mit Freunden geschaffen.

Interview mit Goede Funke, Mitbegründerin von "Revierkind"

UNICUM: Goede, du arbeitest nun schon seit einigen zusammen mit Tanja und Nicola an dem kostenlosen Familienmagazin "REVIERKIND". Aber seit wann kennt ihr euch?
Goede Funke: Tanja und ich sind bereits seit dem Kindergarten "beste Freundinnen" und Nicola wiederum ist schon seit vielen, vielen Jahren eine sehr enge Freundin von Tanjas Schwester.

Wie entstand aus eurer Freundschaft die Idee, ein eigenes Familienmagazin herauszubringen?
Die Idee, ein solches Magazin herauszubringen, stammt von Nicola, die eine Zeit lang in Karlsruhe gelebt und als junge Mutter dort ein ähnliches Magazin mit vielen Tipps und Terminen kennen und schätzen gelernt hat. Wieder zurück in Bochum – jetzt hier in der Rolle als Mutter und nicht mehr als Studentin – vermisste sie eine solche Publikation. So kam der Stein langsam ins Rollen. Zunächst zusammen mit Tanja und als die Idee nach einigen Monaten des "Herumspinnens" konkreter wurde, holten die beiden noch mich ins Boot.

Am Anfang seid ihr sicherlich auf viele Schwierigkeiten gestoßen ...
Schwierigkeiten und Fragen gab es zu Beginn natürlich viele, da das meiste, was das Herausbringen eines solchen Regionalmagazins so mit sich bringt, für uns ja absolutes Neuland war. Tanja und ich hatten beide zwar im journalistischen Bereich zuvor schon ein paar Erfahrungen sammeln können, aber alleine mit dem "Texte schreiben" ist es ja nicht getan - bei weitem nicht. Unsere Teilnahme an einem Businessplan-Wettbewerb, hat uns dann aber quasi gezwungen, Stück für Stück und gut strukturiert an die Sache heran zu gehen. Im Rahmen dieses Wettbewerbes hatten wir zudem die Möglichkeit uns mit Fachleuten aus verschiedenen Branchen zu treffen und zu beraten. Auch dies hat uns über die ein oder andere Startschwierigkeit hinweggeholfen.

Bei Problemen können sich Freundinnen ehrlich die Meinung sagen, aber auch Unterstützung geben. Empfindest du die Zusammenarbeit eher als leichter, weil ihr miteinander befreundet seid, oder als schwerer, weil ihr Angst habt, den anderen mit eurer Kritik zu verletzen?
Es ist ganz klar, dass wir - obwohl wir uns schon so lange kennen - in beruflichen Belangen nicht immer einer Meinung sind und an manchen Tagen auch heftig diskutieren. Da fallen gelegentlich - wie bei allen anderen Teams - natürlich auch kritische Worte, die der andere vielleicht nicht unbedingt hören möchte. Man muss mit negativer Kritik aber umgehen können und sich damit auseinandersetzen. Das gilt für uns alle gleichermaßen und meistens laufen Gespräche dieser Art auch sehr konstruktiv ab.

Geht ihr aufgrund eurer Freundschaft im Arbeitsalltag anders miteinander um?
Es trifft sicher irgendwie zu, dass wir aufgrund unserer Freundschaft etwas bedachter miteinander umgehen und vor allem versuchen Uneinigkeiten und Unstimmigkeiten möglichst diplomatisch, fair und zeitnah aus dem Weg zu räumen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass man tagsüber anders miteinander umgeht, wenn man weiß, dass man abends gemütlich miteinander Essen oder ins Kino gehen möchte.

Redet ihr denn nach Feierabend nur noch über den Job oder gebt ihr eurer Freundschaft genug eigenen Raum?
Natürlich reden wir auch nach Feierabend noch über unseren Job, wenn etwas Dringendes ansteht oder sich irgendetwas Besonderes ereignet hat. Das bleibt manchmal leider nicht aus. Aber es gibt auch noch immer viele Treffen und Telefonate, bei denen ausschließlich Persönliches gesprochen wird und REVIERKIND (so gut wie) ganz außen vor bleibt.

Worauf führt ihr euren beruflichen Erfolg zurück?
Der "Erfolg" von REVIERKIND liegt wohl in erster Linie darin begründet, dass es ein solches Magazin speziell mit Tipps und Terminen für Familien in unserer Region bisher noch nicht gegeben hat. Was unseren persönlichen Beitrag zum Erfolg des Magazins betrifft: es ist sicher auch die Tatsache, dass wir selbst alle Mütter sind (die Kinder "unserer Redaktion" sind zwischen 0 und 16 Jahren) und wissen, was Eltern im Allgemeinen so beschäftigt, welche Infos sie interessieren und welche Veranstaltungen spannend sein könnten. 
 


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