Guerilla-Bewerbung
Bei Guerilla-Bewerbungen hat Kreativität dann doch auch Grenzen | Foto: Thinkstock/betyarlaca
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25. Feb 2016

Christina Scholten

Bewerbungstipps

Guerilla-Bewerbung

Auffallen um jeden Preis?

Was ist eine Guerilla-Bewerbung?

Ob beim Gärtnern oder im Marketingbereich, der Begriff scheint allgegenwärtiger zu sein als zu Che Guevaras Lebzeiten. Eigentlich wurde das Wort Guerilla früher im Zusammenhang mit Untergrundkämpfen verwendet, wörtlich übersetzt bedeutet es sogar Kleinkrieg. Im Bereich der Arbeitssuche hat Guerilla jedoch einen ganz pazifistischen Sinn: Es geht darum, mit seiner Bewerbung zu überraschen.

"Bei einer Guerilla-Bewerbung handelt sich um eine sehr außergewöhnliche, verkaufsorientierte Form der Selbstdarstellung", erklärt der Karriereexperte Jürgen Hesse vom Büro für Berufsstrategie Hesse und Schrader. Er schätzt, dass nur 5 bis 20 Prozent der Bewerber in Deutschland von der klassischen Form der Bewerbung abweichen und es mit der Guerilla-Strategie versuchen.

Ob das ein YouTube-Video ist, das sich direkt an den Arbeitgeber richtet, oder ein ausgefallenes Design für den Lebenslauf – Guerilla ist, was auffällt. Oftmals müssen sich die Bewerber gegen Hunderte von Konkurrenten durchsetzen, die alle gut qualifiziert sind und gute Referenzen mitbringen. Die Guerilla-Strategie wird deshalb primär benutzt, um sich abzuheben.

Worauf musst du achten?

Bei der Guerilla-Bewerbung gilt: auffallen, aber nicht um jeden Preis. Denn der Grat zwischen Interesse erwecken und abschrecken ist schmal. Positiv fallen Bewerber auf, die sich mit dem Unternehmen auseinandergesetzt haben und deren Bewerbungen das widerspiegeln. Überzeugend sind dabei gut durchdachte Konzepte, die mit Liebe zum Detail und Sorgfalt gestaltet worden sind.

Wer sich seiner Sache noch nicht sicher ist, kann den Effekt erst einmal testen, rät Jürgen Hesse: "Fragen Sie auch ruhig drei, vier andere Leute, denen sie etwas zutrauen. Denn manchmal ist man in seine eigene Idee verliebt, bei der andere vielleicht den Kopf schütteln. Allerdings gilt auch: Wer so etwas abschickt, muss sich auch auf sich selbst verlassen können." Klar ist, dass eine Guerilla-Bewerbung immer ein Hingucker ist und für viele Personalleitungen eine Abwechslung zu eintönigen Standard-Schreiben bringt.

Das solltest du vermeiden

Was Personalmanager nicht gerne sehen, sind abgeschaute Ideen. So erzählt Dr. Christian Wein, Leiter der Nachwuchskräfteentwicklung beim Medienunternehmer Axel Springer, von einer Bewerbung, die ihm in einem Paket zugestellt worden ist. Dort fand er neben einem Lebenslauf und einem Anschreiben auch Schwimmflügel mit einer Erklärung: Damit meine Bewerbung nicht untergeht. "Das klingt im ersten Moment lustig. Aber wenn man im Nachhinein herausbekommt, dass es so etwas schon gab, ist das eine gewisse Enttäuschung. Das ist einfach und wenig überraschend", sagt der Personalbeauftragte.

Deshalb warnt er auch davor, dass die Guerilla-Bewerbung zur Standard-Bewerbung werden könnte – denn dann würde das Konzept nicht mehr aufgehen und sie würde inhaltslos und leer werden.
 

Das Paradebeispiel

Guerilla-Bewerbung von Adam Pacitti | Foto: Adam Pacitti/www.adampacitti.comVon seinem letzten Ersparten (etwa 580 Euro) finanzierte 2013 der Brite Adam Pacitti diese Plakatwand mitten in London. Die Idee verbreitete sich so schnell, dass schon nach einer Stunde via E-Mail das erste von insgesamt 100 Jobangeboten kam. Mittlerweile arbeitet Adam als Produzent für virale Videos bei einer TV-Firma.

Eine Plakatwand für eine Bewerbung zu nutzen, fällt damit sicherlich schon mal nicht mehr unter die Kategorie "Einzigartige Idee". Für deine Guerilla-Bewerbung müsstest du dir also etwas Neues einfallen lassen.

Guerilla für jeden Bereich?

Ob Banker oder Kommunikationsdesigner – wer sich auf Guerilla-Art bewirbt, muss damit rechnen, den Geschmack des potenziellen Arbeitgebers zu verfehlen. Das kann natürlich eher der Fall in den Bereichen sein, in denen eine klassische Bewerbung erwünscht ist. Andererseits ist gerade hier die Überraschung am höchsten, weiß auch Michael Kräutlein, Global Recruitment Consultant bei Adidas: "Auch im Finance-Bereich kommt es oft vor, dass man ein kreatives Anschreiben oder einen kreativen Lebenslauf bekommt, der beispielsweise als Organigramm gestaltet ist. Letztendlich soll es immer dazu führen, dass der Recruiter den Bewerber kennenlernen möchte. Das schafft man auch, wenn sich der Lebenslauf von den anderen abhebt."

Gerade hier kann eine realistische Einschätzung zur Angemessenheit nicht schaden. Das gilt jedoch nicht nur für den klassischen Bereich, sondern auch im kreativen Feld wie der Werbebranche. Es ist wichtig, sich mit seiner eigenen Idee einer außergewöhnlichen Taktik identifizieren zu können, da die Bewerbung einen stellvertretenden Eindruck der Persönlichkeit vermittelt. Diese muss auch in das Selbstbild des Unternehmens passen. Sonst nützt die beste Guerilla-Strategie nichts.

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