Fragen im Vorstellungsgespräch
Im Vorstellungsgespräch sollte man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen | GettyImages/SIphotography
Autor

08. Okt 2018

Celina Kumpernatz

Vorstellungsgespräch

Fragen im Vorstellungsgespräch – so gelingt der perfekte erste Eindruck

Das Vorstellungsgespräch dient in erster Linie dazu, sich gegenseitig besser kennenzulernen und um festzustellen, ob der erste Eindruck durch die schriftliche Bewerbung mit dem Gegenüber übereinstimmt. Man möchte in Erfahrung bringen, ob der Bewerber ins Unternehmen und ins Team passen würden. Bestenfalls entwickelt sich ein gleichwertiges Gespräch, in dem man mehr über den Bewerber erfährt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Informationen über das Unternehmen
  2. Qualifikationsfragen
  3. Motivationsfragen
  4. Stressfragen
  5. Brainteaser, Schätz- und Fangfragen
  6. Rechtlich verbotene Fragen
  7. Eigene Fragen stellen

Informiere dich über das Unternehmen

Hast du ein positives Feedback auf deine Bewerbung erhalten und wurdest du zum Vorstellungsgespräch eingeladen, solltest du dich als allererstes ausführlich über das Unternehmen informieren, bei dem du dich für die neue Stelle beworben hast. Du musst nicht jeden einzelnen Schritt des Unternehmen kennen, jedoch solltest du schon wissen, wie dein Unternehmen aufgestellt ist, welche Produkte oder Dienstleistungen es beispielsweise vertreibt oder welche Wettbewerber es gibt. Auf der Website des Unternehmens findest du meistens schon die wichtigsten Informationen, die du dafür brauchst. Für den ersten Eindruck ist sehr erheblich, ob du dich bereits mit dem Unternehmen auseinandergesetzt hast oder eben nicht.

Auf bestimmte Fragen kann man sich für ein Bewerbungsgespräch sehr gut vorbereiten, da diese sogenannten Standardfragen immer wieder gerne gefragt werden. Sie dienen in erster Linie dazu, dich als Person besser kennenzulernen. Bei diesen Fragen, die sich nur um dich drehen, kannst du direkt am Anfang schon punkten. Du solltest aber auf keinen Fall übertreiben oder die Fragen zu stark ausschmücken. Personaler merken meistens, ob die Fragen ehrlich beantwortet werden oder ob man sich nur profilieren möchte. Auch sollten die Fragen, die du vorbereitest hast, nicht zu auswendig gelernt wirken. Vielmehr solltest du auf sie vorbereitet sein und sie souverän und authentisch beantworten können.

Um dich besser kennenzulernen können unterschiedliche Fragen in einem Vorstellungsgespräch auf dich zukommen: die Qualitätsfragen, die Motivationsfragen, die Stressfragen und Brainteaser bzw. Schätz- und Fangfragen. Wir stellen dir hier die einzelnen Fragetypen mal etwas genauer vor und geben dir Tipps, damit du optimal auf dein Vorstellungsgespräch vorbereitet bist.

Die Qualifikationsfragen

Die Qualifikationsfragen zielen auf deine fachlichen und persönlichen Qualifikationen ab. Jedes Vorstellungsgespräch beginnt meistens als Einleitung mit diesen Fragen. Dabei geht es in erster Linie darum, wie gut der Bewerber für die ausgeschriebene Stelle fachlich geeignet ist und ob du als Person zu dem Unternehmen und dem Team passt.

Typische Fragen sind beispielsweise:

  • Warum sind Sie am besten geeignet für diese Stelle?
  • Welche Kenntnisse bringen Sie mit?
  • Mit welchen Programmen / Tools haben Sie schon in der Vergangenheit Erfahrungen gesammelt?
  • Wie halten Sie sich fachlich auf dem Laufenden?

Auch Fragen über Praktika, erworbene Kenntnisse oder welche Aufgabenbereiche bei bisherigen Stellen schon abgedeckt wurden werden gerne in einem Vorstellungsgespräch genauer unter die Lupe genommen.

Welche Frage in fast jedem Vorstellungsgespräch nicht fehlen darf, ist: "Warum möchten Sie bei unserem Unternehmen arbeiten?" Auf diese Frage solltest du dich auf jeden Fall vorbereitet haben. Am besten legst du dir schon im Vorfeld eine gute Antwort zurecht. Du solltest für dich am besten beantworten können, warum dieser Arbeitgeber für dich attraktiv ist, da du dich ja auch aus einem bestimmten Grund bei dem Unternehmen beworben hast. An dieser Stelle hast du die Möglichkeit, deine besondere Motivation zu verdeutlichen und dich von anderen Bewerbern abzuheben.

Natürlich möchte dein möglicher Arbeitgeber auch mehr über dich und deine Person erfahren. An dieser Stelle werden gerne Fragen zum Lebenslauf und somit zu deinem  Werdegang gefragt. Meistens wird man dafür gebeten seinen Werdegang in eigenen Worten wiederzugeben. Anschließend werden gerne einzelne Fragen zu bestimmten Punkten vertieft. Beispielsweise was du bei einer bestimmten Tätigkeit gemacht hast. Auch wird gerne nach den eigenen Stärken und Schwächen gefragt, wie man mit bestimmten Problemen umgehen und diese lösen würde. Es kann auch vorkommen, dass dir ziemlich spezifische Fragen zur Person gestellt werden, z.B. welche Hobbys man hat, um mehr über die Persönlichkeit erfahren zu können. Auch Fragen wie "Arbeitest du gerne im Team oder lieber für dich?" sollen den Recruitern genaue Informationen zum Charakter des Bewerbers verhelfen. So wird versucht einzuschätzen, ob du zum Unternehmen und somit in das jeweilige Team passt.

Die Frage "Wie würden Ihre Freunde oder Verwandte Sie beschreiben?" versucht herauszufinden, ob du selbstkritisch sein kannst. Hier solltest du deine Stärken und Schwächen benennen, um deine Kritikfähigkeit und deine Selbstreflexion zu unterstreichen.

Generell ist es auch immer von Vorteil, wenn du dich bei deinen Antworten auf die Stellenanzeige, auf die du dich beworben hast, beziehst sowie auf das Unternehmen. Dies verdeutlicht, dass du dich im Vorfeld ausführlich auf das Bewerbungsgespräch vorbereitet und schon einiges über das Unternehmen in Erfahrung gebracht hast. Auch ist es wichtig, dich vor jedem Vorstellungsgespräch über weitere spezifische Fragen aus dem Bereich zu informieren, für den du dich bewerben möchtest. Im Bereich der IT werden natürlich andere fachliche Fragen gestellt als beispielsweise im Marketing.

Die Motivationsfragen

Sind die ersten Fragen bezüglich deiner Qualifikation abgearbeitet, werden mit den nächsten Fragen deine Motivation überprüft. Warum hast du dich überhaupt bei diesem Unternehmen und für diese Stelle beworben? Auch interessiert deinem potenziellen neuen Arbeitgeber, warum du dich für eine neue Stelle beworben hast. Warst du mit deinem alten Job nicht zufrieden und woran lag das? Hier versucht man gerne mögliche Schwächen des Bewerbers herauszufiltern. Davon sollte man sich aber nicht aus der Ruhe bringen lassen, so lange man souverän antwortet und seine Schwächen auch als Stärken verkauft, kann dich an dieser Stelle niemand aus dem Konzept bringen. Auch sollte man bei den Fragen ganz genau zu hören und sich bei seinen Antworten nur auf das Relevante reduzieren.

Hast du gerade erst eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen, wird auch sehr gerne gefragt, welche Erwartungen du an deine neue Stelle und das Berufsleben hast und was du glaubst, wie deine Aufgaben und dein Arbeitsalltag im Allgemeinen im Unternehmen aussehen könnten.

Weitere typische Motivationsfragen sind beispielsweise:

  • Welchen Eindruck haben Sie von unserem Unternehmen?
  • Wieso wollen Sie bei uns arbeiten?
  • Was wissen Sie bereits über unsere Firma?
  • Welches unserer Produkte ist am erfolgreichsten?
  • Kennen Sie unsere Produkte?
  • Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?
  • Wie sieht für Sie der ideale Arbeitgeber aus?
  • Wie verhalten Sie sich bei beruflichen Rückschlägen?
  • Woran haben Sie bei der Arbeit besonders große Freude?

Die Stressfragen

Am meisten gefürchtet in einem Vorstellungsgespräch sind die Stressfragen. Personaler versuchen deine Stressresistenz und deine Toleranzgrenze auf die Probe zu stellen. Darauf beziehen sie sich meistens auf einen bestimmten Teil deines Werdegangs und hinterfragen diesen genauer. Hast du für dein Studium etwas länger gebraucht, wird gerne gefragt, warum du so lange studiert hast. Im besten Fall hast du dich auf diese Frage schon vorbereitet. Falls nicht, kann dir diese Frage schon einmal den Schweiß auf die Stirn treiben. Bei Stressfragen solltest du immer versuchen Ruhe zu bewahren und souverän zu antworten. Eine ehrliche Antwort ist meistens die beste Strategie, die natürlich etwas beschönigt werden kann. Auch hier gilt, aus möglichen Schwächen auch die Stärken hervorzuheben. Hast du länger studiert, kannst du dies auch als eine Zeit beschreiben, die sehr herausfordernd für dich war, die du aber erfolgreich gemeistert hast, da du nicht aufgeben und zusätzlich mehr über dich und deine Grenzen erfahren hast. Hat dein Studium länger gedauert, weil du im Ausland studiert oder du dich neben dem Studium engagiert hast, kommt das natürlich noch besser bei deinem Gegenüber an. Ecken und Kanten gehören zu jedem Lebenslauf dazu.

Weitere typische Stressfragen:

  • Warum wollen sie Ihren bisherigen Beruf schon nach ein paar Monaten wieder wechseln?
  • Eigentlich sind Sie für den Job über-/unterqualifiziert. Warum haben Sie sich trotzdem beworben?
  • Wie schätzen Sie Ihre bisherige Performance ein?
  • Sie haben da eine Lücke in ihrem Lebenslauf, was haben Sie in dieser Zeit gemacht?

Situative Fragen zu deinen Soft Skills werden auch gerne in Vorstellungsgesprächen gefragt. Hier steht die Teamfähigkeit im Vordergrund, die für jeden Job unverzichtbar ist. Auch auf diese Fragen solltest du dir vor dem Gespräch schon ein paar Gedanken gemacht haben.

Typische Fragen sind z.B.:

  • Wie gehen Sie auf neue Kollegen zu?
  • Wie reagieren Sie auf abweichende Meinungen?
  • Wie gehen Sie mit Konflikten bei der Arbeit um?
  • Können Sie Kollegen von Ihren Vorstellungen überzeugen?

Brainteaser, Schätz- und Fangfragen

Brainteaser und Schätzfragen führen oft zu Stress und Unsicherheit und scheinen auf den ersten Blick unlösbar. Brainteaser (deutsch: Gehirnkitzler) sind Knobelaufgaben, die deine analytischen Fähigkeiten testen sollen. Hier wird getestet, ob du auch während des Vorstellungsgesprächs dem Stress standhalten und ob du trotzdem um die Ecke denken kannst. Deine Reaktion auf diese Fragen und deine Vorhergehensweise sagt viel über deinen Umgang mit Stress, dein logisches Denken und deine Kreativität aus. Daher solltest du dich auf diese Fragen vorher auf jeden Fall gefasst machen.

Diese Fragen könnten dich erwarten:

  • Warum sind Gullideckel rund?
  • Wie viel wiegt Manhattan?
  • Wie viele Kinder sind in China im letzten Januar geboren worden?

Auch praktische Aufgaben können dich erwarten:

  • Streichhölzer umlegen, damit eine Gleichung stimmt
  • Zahlenreihen ergänzen

Bei diesen Fragen geht es nicht immer nur um die richtige Antwort, sondern um deine Vorgehensweise während einer Stresssituation. Versuche laut zu denken und den Personalern deine verschiedenen Lösungswege zu verdeutlichen. Lass dich dabei nicht aus der Ruhe bringen und versuche logisch an die Sache zu gehen. Fällt es dir schwer, kannst du versuchen mit etwas Humor die Situation aufzulockern oder zu erklären, warum dir die Lösung schwerfällt. Hier könntest du auch erwähnen, welche weiteren Angaben du benötigen würdest, um die Aufgabe korrekt zu lösen.

"Wie viele Smarties passen in einen VW Passat?" Auch bei dieser Schätzfrage gilt es, logisch vorzugehen. Ein Smartie hat ca. ein Volumen von einem Kubikzentimeter. Ein Kombi hat ein Ladevolumen von ca. 1500 Litern, der Fahrgastraum hat ungefähr weitere 1500 Liter Volumen. Also passen etwa 1000 x 3000 Smarties in einem VW Passat. Das sind drei Millionen Stück.

Fangfragen dagegen können schon fies gestellt sein, da du hier direkt ins offene Messer laufen kannst. Beispielsweise könntest du gefragt werden: "Familie oder Kinder, was ist Ihnen wichtiger?" Hast du gerade erst deinen Abschluss gemacht, kannst du verdeutlichen, dass dir beides sehr wichtig ist, du dir aber mit der Familienplanung noch etwas Zeit lassen möchtest und erst in ein paar Jahren darüber nachdenken wirst.

Bei der Frage "Sind Sie bereit, Überstunden zu machen?" ist die Antwort schon schwieriger. Sowohl die Antworten "Auf keinen Fall" als auch "Ja, immer!" sind hier nicht zu empfehlen. Besser solltest du hier so argumentieren, dass du es schaffst, Aufgaben bis zur angegebenen Deadline zu erledigen, aber du auch bereit ist, eine Extraschicht einzulegen, wenn es nötig ist.

Rechtlich verbotene Fragen

Es gibt jedoch auch sehr persönliche Fragen, die dir aus rechtlichen Gründen von Personalern gar nicht erst gestellt werden dürfen. Die meisten Recruiter fragen diese daher erst gar nicht. Sollten sie jedoch einmal aufkommen, musst du bei diesen Fragen beispielsweise nicht antworten oder darfst sogar zu einer Notlüge greifen:

  • Sind Sie sind häufig krank?
  • Sind Sie schwanger?
  • Sind Sie Mitglied einer politischen Partei?
  • Planen Sie in naher Zukunft eine Familie zu gründen?

Eigene Fragen bestärken das Interesse

Am Ende eines Vorstellungsgesprächs wird man meistens aufgefordert, eigene Fragen zur Stelle oder zu dem Unternehmen zu stellen. Sollte dies nicht der Fall sein, kannst du gerne aus eigener Initiative Fragen stellen, da diese dein Interesse an dem Unternehmen am Ende des Gesprächs nur noch einmal bestärken. Diese Fragen kannst du dir auch im Vorfeld schon überlegen. Versuche dich erst einmal nur auf inhaltliche Themen zu konzentrieren, bevor du über weitere Rahmenbedingungen wie z.B. Gehalt oder Urlaub sprichst.

Fragen, die du stellen könntest sind z.B.:

  • Wie läuft die Einarbeitung ab?
  • Wie werden im Team Entscheidungen getroffen?
  • Wie groß ist das Team, in dem ich arbeiten würde?
  • Welche Tools werden im Unternehmen genutzt?
  • Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?

Natürlich werden dir nicht alle diese Fragen in einem Vorstellungsgespräch gestellt, so viel Zeit ist meistens gar nicht zur Verfügung. Jedoch sind diese Fragen eine gute Vorbereitung für jedes Vorstellungsgespräch, da man vorher nie einschätzen kann, welche Fragen wirklich auf einen zukommen. Hast du alle möglichen Fragetypen und Tipps im Kopf und einige passende Antworten parat, gehst du gleich viel entspannter und selbstsicherer in jedes Vorstellungsgespräch. Besonders bei Stressfragen solltest du immer im Hinterkopf behalten, warum dir diese Fragen gestellt werden und dich daher nicht aus dem Konzept bringen lassen. Hast du trotzdem Lampenfieber, ist das völlig normal und gehört auch zu jedem Vorstellungsgespräch dazu.

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