Schornsteinfeger-Ausbildung: Der unterschätzte Handwerksjob mit Zukunft

Schornsteinfeger

Bild: generiert mit KI

Helena Hesse, 03.07.2026  |  Lesedauer: 6 Minuten

Kurz und knackig: 
Punkt 1: Die Schornsteinfeger-Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre und läuft dual im Betrieb und in der Berufsschule ab.
Punkt 2: Ab 2026 liegt die tarifliche Ausbildungsvergütung bei 900 Euro im ersten, 1.000 Euro im zweiten und 1.100 Euro im dritten Lehrjahr.
Punkt 3: Der Job ist längst nicht mehr nur „Kamin kehren“, sondern hat viel mit Brandschutz, Energieeffizienz, Klimaschutz und Technik zu tun.

Mal ehrlich: Wenn du an Schornsteinfeger:innen denkst, hast du wahrscheinlich erstmal schwarze Kleidung, Leiter und Glücksbringer-Vibes im Kopf. Die Schornsteinfeger-Ausbildung ist aber deutlich moderner, als viele glauben. Du arbeitest praktisch, bist viel unterwegs und beschäftigst dich mit Heiztechnik, Sicherheit und Energie. Klingt erstmal speziell kann aber genau deshalb eine ziemlich stabile Alternative zu Studium oder Bürojob sein.

Schornsteinfeger-Ausbildung: Was macht man da eigentlich?

Definition: Die Schornsteinfeger-Ausbildung ist eine duale handwerkliche Ausbildung, in der du lernst, Feuerungsanlagen, Abgasanlagen, Lüftungstechnik und Heizsysteme zu prüfen, zu reinigen und sicher zu bewerten.

Heißt praktisch: Du bist nicht den ganzen Tag im Schornstein unterwegs. Du misst Abgaswerte, prüfst Heizungen, kontrollierst Brandschutzvorgaben, erkennst Mängel und erklärst Kund:innen, was an ihrer Anlage gemacht werden muss. Dazu kommt Dokumentation, also Messprotokolle, Prüfberichte und Nachweise.

Good to know: Das Berufsbild hat sich stark verändert. Energieeffizienz und Klimaschutz gehören inzwischen ausdrücklich zu den Prüfungsbereichen der Ausbildung.

Wie läuft die Schornsteinfeger-Ausbildung ab?

Die Schornsteinfeger-Ausbildung dauert normalerweise drei Jahre. Sie ist dual aufgebaut: Du arbeitest in einem Schornsteinfegerbetrieb und lernst die Theorie in der Berufsschule. Häufig findet der Unterricht als Blockunterricht statt, du bist also nicht jede Woche an denselben Tagen in der Schule.

  • Kehren und Reinigen: Du lernst, Schornsteine, Abgaswege und Feuerstätten fachgerecht zu reinigen.
  • Messen und Prüfen: Du kontrollierst Abgaswerte, Heizungsanlagen und Lüftungssysteme.
  • Brandschutz: Du erkennst Risiken und beurteilst, ob Anlagen sicher betrieben werden können.
  • Energieeffizienz: Du verstehst, wie Heizsysteme sparsamer und klimafreundlicher laufen können.
  • Kundenkontakt: Du erklärst Ergebnisse verständlich, auch wenn Kund:innen keine Technik-Nerds sind.

Am Ende steht die Gesellenprüfung. Nach der neuen Ausbildungsverordnung gehören unter anderem Betriebssicherheit, Brandsicherheit, Klimaschutz, Energieeffizienz, Lüftungstechnik sowie Wirtschafts- und Sozialkunde dazu.

Was verdient man in der Schornsteinfeger-Ausbildung?

Die Ausbildungsvergütung ist ein wichtiger Punkt – vor allem, wenn du ausziehst, pendelst oder dein Studium doch lieber gegen Praxis tauschen willst.

Ausbildungsjahr

Tarifliche Vergütung ab 2026

  • 1. Lehrjahr: 900 Euro brutto monatlich

  • 2. Lehrjahr: 1.000 Euro brutto monatlich

  • 3. Lehrjahr: 1.100 Euro brutto monatlich

Diese Werte stammen aus dem Tarifvertrag zur Förderung der beruflichen Ausbildung im Schornsteinfegerhandwerk ab 2026.

Nicht jeder Betrieb zahlt automatisch nach Tarif. Frag im Bewerbungsgespräch konkret nach der Vergütung, Zusatzleistungen, Fahrtkosten und ob Arbeitskleidung gestellt wird. Das ist nicht unangenehm, sondern völlig normal.

Für wen passt die Schornsteinfeger-Ausbildung?

Die Ausbildung passt zu dir, wenn du gern praktisch arbeitest, aber trotzdem Technik verstehen willst. Du solltest keine Panik vor Höhe, Dächern, Kellern oder wechselnden Einsatzorten haben.

Du brauchst außerdem:

  • Technisches Interesse: Heizungen, Messgeräte und Anlagen sollten dich nicht komplett abschrecken.
  • Sorgfalt: Kleine Messfehler können große Folgen haben.
  • Kommunikationsfähigkeit: Du hast regelmäßig Kontakt mit Kund:innen.
  • Körperliche Belastbarkeit: Leitern, Dächer und enge Räume gehören dazu.
  • Verantwortungsgefühl: Brandschutz ist kein „wird schon passen“-Thema.

Ein bestimmter Schulabschluss ist nicht immer gesetzlich festgelegt, aber viele Betriebe wünschen mindestens einen guten Hauptschulabschluss oder mittleren Schulabschluss. Viel wichtiger ist oft, dass du zuverlässig bist, Mathe und Physik nicht komplett hasst und wirklich Lust auf Handwerk hast.

Mehr Orientierung rund um Ausbildungswege findest du im UNICUM-Artikel zur Ausbildung nach dem Abitur.

Wie bewerbe ich mich für die Schornsteinfeger-Ausbildung?

Deine Bewerbung muss nicht aussehen wie ein Hochglanz-Magazin. Sie sollte vor allem zeigen: Du weißt, worauf du dich einlässt.

In deine Bewerbung gehören meistens:

  • Anschreiben: Warum interessiert dich genau dieser Beruf?
  • Lebenslauf: kurz, übersichtlich, antichronologisch.
  • Zeugnisse: Besonders relevant sind Mathe, Physik, Technik/Werken und Verhalten.
  • Praktika oder Nebenjobs: Alles, was Zuverlässigkeit, Kundenkontakt oder Handwerk zeigt.

Ruf ruhig vorher bei einem Betrieb oder einer Innung in deiner Nähe an und frag nach einem Praktikum oder Schnuppertag. Gerade im Handwerk kommt persönliches Interesse oft besser an als eine superglatte Standardbewerbung.

Welche Vorteile und Nachteile hat die Schornsteinfeger-Ausbildung?

Vorteil

Nachteil

Für wen ist das relevant?

Du arbeitest praktisch und bist viel unterwegs.

Du bist bei Wind, Wetter und frühen Terminen draußen.

Für alle, die keinen reinen Schreibtischjob wollen.

Der Beruf verbindet Handwerk, Technik und Klimathemen.

Du musst dich regelmäßig in Vorschriften einarbeiten.

Für Technikinteressierte mit Verantwortungsgefühl.

Die Ausbildung ist klar strukturiert und bezahlt.

Der Job kann körperlich anstrengend sein.

Für Personen, die lieber direkt arbeiten als lange studieren.

Nach der Gesellenprüfung hast du Weiterbildungsmöglichkeiten.

Kund:innenkontakt kann manchmal stressig sein.

Für alle, die gut erklären und ruhig bleiben können.

Welche Perspektiven habe ich nach der Schornsteinfeger-Ausbildung?

Nach der Schornsteinfeger-Ausbildung kannst du als Gesell:in arbeiten, dich spezialisieren oder später die Meisterprüfung machen. Der Meistertitel ist besonders wichtig, wenn du langfristig mehr Verantwortung übernehmen oder dich selbstständig machen willst.

Spannend ist auch: Durch Energiewende, Heizungsmodernisierung und strengere Anforderungen an Anlagen bleibt technisches Know-how gefragt. Schornsteinfeger:innen prüfen längst nicht nur alte Kamine, sondern arbeiten an der Schnittstelle zwischen Sicherheit, Energie und Beratung.

Kein Stress, du musst nicht mit 18 deinen kompletten Lebensplan fertig haben. Aber wenn du Handwerk, Technik und direkten Kontakt mit Menschen verbinden willst, ist dieser Beruf definitiv einen zweiten Blick wert.

 Häufige Fragen zur Schornsteinfeger-Ausbildung

Wie lange dauert die Schornsteinfeger-Ausbildung?

+
Die Schornsteinfeger-Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Sie findet dual statt, also im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule.

Wie viel verdient man in der Schornsteinfeger-Ausbildung?

+
Ab 2026 beträgt die tarifliche Ausbildungsvergütung 900 Euro brutto im ersten Lehrjahr, 1.000 Euro im zweiten Lehrjahr und 1.100 Euro im dritten Lehrjahr. Ob dein Betrieb tarifgebunden ist, solltest du im Bewerbungsgespräch klären.

Brauche ich Abitur für die Schornsteinfeger-Ausbildung?

+
Nein, Abitur ist normalerweise keine Pflicht. Viele Betriebe achten eher auf Zuverlässigkeit, technisches Interesse, körperliche Belastbarkeit und solide Noten in Mathe oder naturwissenschaftlichen Fächern.

Ist Schornsteinfeger:in ein gefährlicher Beruf?

+
Der Beruf kann körperlich anspruchsvoll sein, weil du auf Leitern, Dächern und an technischen Anlagen arbeitest. Genau deshalb sind Arbeitssicherheit, Schutzkleidung und sorgfältiges Arbeiten feste Bestandteile der Ausbildung.

Was lernt man in der Schornsteinfeger-Ausbildung?

+
Du lernst unter anderem, Abgasanlagen zu prüfen, Feuerstätten zu reinigen, Messungen durchzuführen, Mängel zu erkennen und Kund:innen zu beraten. Auch Brandschutz, Lüftungstechnik, Energieeffizienz und Klimaschutz gehören zur Ausbildung.

Hat die Schornsteinfeger-Ausbildung Zukunft?

+
Ja, der Beruf bleibt relevant, weil Heizungsanlagen, Abgassysteme, Brandschutz und Energieeffizienz regelmäßig geprüft werden müssen. Zusätzlich wird Beratung rund um moderne Heiztechnik und klimafreundlichere Systeme wichtiger.

Kann ich nach der Ausbildung Schornsteinfegermeister:in werden?

+
Ja, nach der Gesellenprüfung kannst du Berufserfahrung sammeln und später die Meisterprüfung machen. Das ist besonders interessant, wenn du mehr Verantwortung übernehmen oder dich langfristig selbstständig machen möchtest.

Helena Hesse

UNICUM-Autor/-in seit 2025

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