Berufseinstieg und KI: Im Interview mit "Professor des Jahres 2025" Dr. Swaran Sandhu


Foto: Julian Ullrich
Prof. Dr. Swaran Sandhu ist Professor an der Hochschule der Medien Stuttgart im Fachbereich Unternehmenskommunikation und ist ausgezeichneter Professor des Jahres 2025.
Zur Preisverleihung von Prof. Dr. Swaran Sandhu
UNICUM: Wie verwende ich die KI sinnvoll?
Dr. Swaran Sandhu: Entscheidend ist hier das Stichwort „sinnvoll“. Was genau sinnvoll ist, muss jede:r Nutzer:in selbst definieren. Hier ist ethische Urteilskraft gefragt. Mit personenbezogenen Daten wäre ich grundsätzlich sehr vorsichtig.
UNICUM: Wie gut muss ich mich mit der KI auskennen, um im Arbeitsleben klarzukommen?
Dr. Swaran Sandhu: Ein Data Scientist wird ein tieferes Nutzungsverständnis benötigen als Berufe, die stark auf persönlichen Kontakt ausgelegt sind und KI nur im Hintergrund z.B. Termine regelt. Man muss auch kein Maschinenbaustudium abgeschlossen haben, um auf einem Fahrrad schnell fahren zu können. Soll heißen: Es wird Anwendungsfälle geben, bei der die KI im Hintergrund für uns arbeitet und unsichtbar bleiben wird und in anderen Fällen braucht man ein tiefes Fachverständnis.
UNICUM: Wie hoch wird 'human made content' noch eingeschätzt?
Dr. Swaran Sandhu: Ghostwriter gab es schon immer. In vielen Fällen werden Maschinen zuverlässiger und präziser sein als Menschen. Aber vielleicht wollen wir gar nicht immer Effizienz und Zuverlässigkeit? Vinyl-Schallplatten sind wieder in, weil sie einen Hauch von „echter“ Authentizität liefern und ein Plattencover kulturelles Kapital sichtbar macht - hier nimmt sich jemand bewusst Zeit für das Unperfekte.
UNICUM: Welche Tools ‘muss’ man kennen?
Dr. Swaran Sandhu: Duck.ai ermöglicht die Nutzung verschiedener Modelle, ohne dass die Eingaben als Trainingsdaten verwendet werden und schützt die Privatsphäre.
UNICUM: In welchen Berufen geht’s bald nicht mehr ohne KI?
Dr. Swaran Sandhu: Bis letztes Jahr hätte ich noch Handwerk (z.B. Koch) gesagt. Aber hier bin ich mir nicht so sicher. Zumindest im Backoffice eines Restaurants fallen Abrechnungen, Tischreservierungsverwaltung, Rezensionsmanagement, etc. an, die früher oder später mit KI-Anwendungen ersetzt werden. Wenn es aber um die sinnliche Erfahrung des Essens geht würde ich zur Zeit noch menschliche Köche bevorzugen.
UNICUM: Kann ich in so einem Beruf auch ohne KI-Kenntnisse klarkommen?
Dr. Swaran Sandhu: Es wird wahrscheinlich zukünftig nur wenige technologiefreie Räume geben. Und wenn, werden diese eine bewusste Gegenbewegung zu einer always-on and connected-Kultur darstellen wie einst Maschinenstürmer:innen oder Technologieverweigerer:innen aus religiösen Gründen.
Gibt es heute noch Berufe, bei denen man nicht Lesen und Schreiben muss? Eigentlich nicht, trotzdem gibt es in Deutschland rund 14,5% funktionale Analphabeten, die nur einzelne Worte oder kurze Sätze lesen können, aber längere Texte vermeiden. Das sind 7,5 Millionen Menschen! In vielen Fällen wird aber KI so natürlich eingewoben sein in die Arbeitsaufgaben, dass wir diese gar nicht mehr als sonderbar oder speziell wahrnehmen werden. Und wer z.B. nicht gut Texte verstehen kann, lässt sich diese von KI-Tools als Zusammenfassung vorlesen. Damit wird KI wieder zu einer Chance, um benachteiligte Gruppen stärker ins Berufsleben einzubinden.
UNICUM: Welchen Tipp würden Sie Berufseinsteiger:innen geben?
Dr. Swaran Sandhu: Sei neugierig, experimentierfreudig und habe keine Angst vor dem Neuen.
UNICUM: Wie gebe ich am besten in einer Bewerbung an, wie gut meine Kenntnisse mit KI sind?
Dr. Swaran Sandhu: Möglichst konkrete Nutzungsfälle angeben. Mit einer Selbsteinschätzung von 4 von 5 Sternchen kann ich wenig anfangen. Aber das KI-Zertifikat eines Online-Kurses einer guten Hochschule kann durchaus Eindruck machen: vorausgesetzt man hat den Kurs auch selbst belegt und nicht ein KI-Tool dafür eingesetzt.
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