Arbeit als Digitalnomade
So lebt es sich als digitaler Nomade | Foto: Thinkstock/Pilin_Petunyia
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06. Sep 2016

Daniela Lukaßen

Work-Life-Balance

Die Digitalnomaden

Flexibel, ungebunden, frei!?

Leben, wo andere Urlaub machen

Wenn Marcus Meurer morgens aufwacht, sind es meist die gleichen Fragen, die er sich stellt: "Wo werde ich heute arbeiten?" und "wie gut wird die Internetverbindung sein?" Marcus Meurer arbeitet "an den geilsten Orten der Welt", wie er selbst sagt. Gerade ist er auf der griechischen Insel Lemnos, dann geht es weiter nach Lissabon, Berlin und Brasilien. Urlaub macht der 38-Jährige dort jedoch nicht. Und wo andere am Strand in der Sonne braten, geht er seinem Tagesgeschäft nach: Online-Marketing.

Selbstdisziplin ist gefragt

Marcus Meurer ist digitaler Nomade. Länger als einige Wochen hält er es meist nicht an einem Ort aus. Dann packt ihn das Fernweh und er reist weiter. Immer im Gepäck: sein Laptop. Darauf findet sich eine Projektmanagement-Software und meist sind Online-Tools geöffnet, mit denen er seine Arbeit koordiniert. Aber auch, wenn es zunächst nach der großen Freiheit klingt: wichtig seien in seinem Job besonders zwei Dinge. "Disziplin und Struktur", erklärt der Marketing-Experte und fügt hinzu: "Auch wenn digitale Nomaden danach streben, dass eben das genau anders ist."

Dennoch: Wer Geld verdienen möchte, erklärt er, der muss auch einen geregelten Arbeitsalltag haben. Ganz gleich, ob an der griechischen Ägäis oder am Zuckerhut. Ein kleines bisschen Arbeit, mit dem Laptop auf dem Schoß am Strand sitzen – so stellen sich viele das Leben eines digitalen Nomaden vor. "Alles Quatsch", sagt Meurer. "Am Strand ist es viel zu sandig."

Mit dem Laptop durch die Welt

Immer mehr Menschen – besonders Freiberufler aus der Medienbranche oder aus dem digitalen Bereich – streben nach dem Digitalnomadentum. Einem Leben fern ab gesellschaftlicher Erwartungen und vorgefertigter Tagesabläufe. Sie wollen die Welt entdecken, mobil sein und suchen dabei vor allem eines: Flexibilität.

Und damit sind sie nicht alleine. Studien zeigen: Berufstätige wünschen sich genau das. Für digitale Nomaden wie Marcus Meurer ist dieser Wunsch schon Realität. Sie teilen sich ihre Zeit ein und verdienen das, was sie für ihre Reise brauchen, meist, während sie unterwegs sind.

Auch Social-Media-Beraterin Ute Klingelhöfer hat schon das Büro gegen die große weite Welt eingetauscht. Drei Monate lang reiste die studierte technische Redakteurin durch Brasilien, um dort zu arbeiten und gleichzeitig Land und Leute kennenzulernen. "Mit dem Sonnenaufgang aufstehen, dann arbeiten und später mit anderen digitalen Nomaden die Freizeit verbringen", skizziert sie ihren Arbeitsalltag. "Bei mir gab es keinen nine-to-five-Rhythmus."

Horrende Telefonkosten

Den Kontakt zu ihren Kunden, für die sie Social Media-Strategien entwickelt, hielt sie per Mail und Skype. "Wenn die Verbindung schlecht war, habe ich auch mal zum Handy gegriffen." Die dicke Telefonrechnung flatterte ihr nach der Reise ins Haus. Beim nächsten Mal möchte sie es anders machen. "Das Leben als digitaler Nomade kann anstrengend sein, wenn man sich kurzfristig überlegt: Wo kann ich schlafen, arbeiten, essen? Darüber sollte man sich rechtzeitig Gedanken machen." Um einen Internetzugang zu haben, übernachtete sie meist in Bed-and-Breakfast-Unterkünften und suchte sich Co-Working-Places. War die Internetverbindung schlecht, reiste die Inhaberin von contentwerk weiter.

Noch in diesem Jahr möchte sie wieder auf Tour gehen. Und man merkt: Das Reisefieber hat sie längst wieder gepackt.


Eine neue Bewegung

Marcus Meurer hat die erste Konferenz zu dem Thema Digitalnomaden gestartet und damit eine Bewegung in Deutschland ins Leben gerufen. Weitere Informationen gibt es unter www.dnx-berlin.de.


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