Interkulturelle Kompetenz Beruf
Sprache überwindet Barrieren – auch in der Arbeitswelt | Foto: Thinkstock/StockRocket
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28. Mai 2013

Marie-Charlotte Maas

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Zweisprachig erfolgreich

-ARCHIV-

Fremdsprachen als i-Tüpfelchen bei der Bewerbung

Schlagwort: Interkulturelle Kompetenz

"Türkischsprachiger Psychologe für unsere Klinik gesucht" – Stellenanzeigen wie diese liest man immer häufiger. Viele Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Kindergärten sind auf der Suche nach Mitarbeitern, die mit zwei Sprachen aufgewachsen sind und ihre Muttersprache genauso fließend wie Deutsch sprechen. Vor allem in sozialen Berufen, in denen der Umgang mit Menschen im Vordergrund steht, kann das Wissen aus zwei Kulturen und die Fähigkeit, sich in andere einzufühlen, wertvoll sein. In der Arbeitswelt fällt das unter das Schlagwort "Interkulturelle Kompetenz" – für Arbeitgeber ist sie von unbeschreiblicher Wichtigkeit.

Interkulturelle Kompetenz bringt auch Giuseppe M. Landucci mit. In Italien geboren, zog er als Kleinkind nach Deutschland, wuchs in Köln auf und studierte dort Jura. Zu Hause sprach er italienisch mit seinen Eltern, in der Schule Deutsch. Beide Sprachen waren und sind für ihn eine Selbstverständlichkeit. Kein Wunder, dass er auch beruflich davon profitieren wollte: "Ich habe mir bereits früh überlegt, dass ich meine Zweisprachigkeit auch als Anwalt nutzen möchte."

Schon während des Studiums belegte er darum ein Seminar zur italienischen Rechtsterminologie und beschäftigte sich mit dem Rechtssystem der Heimat seiner Eltern. Heute betreut der 31-Jährige als Rechtsanwalt in der Kölner Kanzlei Hasselbach nicht nur deutsche, sondern auch italienische Mandanten. "Gerade für Leute, die die deutsche Sprache nicht einhundert Prozent beherrschen, oder für neu zugezogene Italiener bin ich ein passender Ansprechpartner." Dabei geht es nicht nur um das Auflösen von Sprachbarrieren, sondern auch darum, dass sich die Mandanten gut aufgehoben fühlen. "Ich denke schon, dass das Gefühl, einen gemeinsamen Hintergrund zu haben, einander näherbringt und ein gewisses Vertrauen schafft", sagt Rechtsanwalt Landucci.

"Auf dem Arbeitsmarkt werden Zweitsprachen nachgefragt"

Wissenschaftler der Northwestern University in Illinois fanden heraus, dass das zweisprachige Aufwachsen Gehör, Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis fördert und das kognitive Multitasking verbessert – es trainiert also das Gehirn und macht es aktiver. Und nicht nur das: "Auf dem Arbeitsmarkt werden Sprachen wie Arabisch, Türkisch, Italienisch und Russisch stark nachgefragt", sagt Anke Settelmeyer, die am Bundesinstitut für Berufsbildung zum Thema Kompetenzentwicklung forscht.

Eine Tatsache, von der Schulabgänger, die mit zwei Sprachen aufgewachsen sind, stark profitieren. Wichtig sei dabei, dass die Sprachkenntnisse, die man sich zum Beispiel durch den Umgang mit der Familie aneignet, stets weiterentwickelt würden: "Der Einsatz der Muttersprache im Berufsleben erfordert oft noch umfangreichere sprachliche Fähigkeiten, als es im Alltag der Fall ist."

Welche enormen Vorteile seine Zweisprachigkeit mit sich bringt, war Yücel Korkusuz nicht immer bewusst – im Gegenteil. Der 30-Jährige ist in Deutschland geboren, spricht fließend Deutsch und Türkisch und fühlte sich in der Schule trotzdem immer unterschätzt. "Ich hatte manchmal das Gefühl, dass man mir wegen meines ausländischen Namens nicht so viel zutraute wie den Klassenkameraden."

Heute sieht Yücel Korkusuz seine Zweisprachigkeit anders. Seit einigen Monaten arbeitet er als Assistenzarzt in einer Frankfurter Klinik und empfindet sie als großen Gewinn. "In Frankfurt gibt es viele türkische Patienten und sie sind glücklich, wenn sie einen Ansprechpartner haben, der sich nicht nur problemlos mit ihnen unterhalten kann, sondern auch ihre Kultur kennt."

Am Ende zählen bei einem Vorstellungsgespräch für jeden Personalchef zwar vor allem die Fachkenntnisse, aber die Fähigkeit, sich mühelos von einer Sprache in die andere zu bewegen, ist das i-Tüpfelchen, das den einen Bewerber vom anderen unterscheidet. Yücel Korkusuz und Giuseppe M. Landucci hatten Glück: Dieses Alleinstellungsmerkmal wurde den beiden in die Wiege gelegt.
 

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