Ausbildung Immobilienkaufmann: Passt der Job zu dir?

Immobilienkaufmann

Bild: generiert mit KI

Helena Hesse, 03.07.2026  |  Lesedauer: 7 Minuten

Kurz und knackig:

Punkt 1: Die Ausbildung zum Immobilienkaufmann dauert in der Regel drei Jahre und ist ein anerkannter Ausbildungsberuf in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft.
Punkt 2: Du brauchst Organisationstalent, Kommunikationsstärke und Interesse an Wohnen, Verträgen, Zahlen und Menschen.
Punkt 3: Die Ausbildung kann eine gute Alternative zum Studium sein, wenn du praktisch arbeiten und trotzdem kaufmännisch durchstarten willst.

Immobilien klingen erstmal nach Makleranzug, Exposé und „Lage, Lage, Lage“. In der Ausbildung Immobilienkaufmann geht es aber um viel mehr: Mieten, Verkauf, Verwaltung, Kundengespräche, Finanzierung, Bauprojekte und jede Menge Organisation. Hier erfährst du, was dich wirklich erwartet, wie viel du verdienen kannst und ob der Beruf zu dir passt.

Ausbildung Immobilienkaufmann: Was macht man da eigentlich?

In der Ausbildung Immobilienkaufmann lernst du, wie Immobilien verwaltet, vermietet, verkauft und finanziert werden. Du arbeitest nicht nur am Schreibtisch, sondern hast auch Kontakt mit Mieter:innen, Eigentümer:innen, Handwerker:innen, Behörden und Banken.

Typische Aufgaben sind zum Beispiel:

  • Mietverträge vorbereiten
  • Wohnungsbesichtigungen organisieren
  • Nebenkostenabrechnungen prüfen
  • Exposés erstellen
  • Kund:innen beraten
  • Immobilien bewerten
  • Bei Bau- oder Modernisierungsprojekten mitarbeiten

Der offizielle Ausbildungsberuf heißt „Immobilienkaufmann/-frau“. Er ist ein dreijähriger anerkannter Ausbildungsberuf im Bereich Industrie und Handel.

Wie läuft die Ausbildung Immobilienkaufmann ab?

Die Ausbildung ist dual. Das bedeutet: Du bist teilweise im Ausbildungsbetrieb und teilweise in der Berufsschule. In der Praxis lernst du den Alltag im Unternehmen kennen. In der Schule kommen Fächer wie Wirtschaft, Rechnungswesen, Immobilienrecht und Kundenkommunikation dazu.

Viele Betriebe setzen dich in verschiedenen Abteilungen ein. So bekommst du einen Überblick über Vermietung, Verkauf, Verwaltung, Buchhaltung und Projektentwicklung. Mehr Infos rund um Ausbildungsplätze findest du im UNICUM Karrierezentrum für Ausbildung.

Bereich

Was du dort lernst

Warum das wichtig ist

Vermietung

Besichtigungen, Mietverträge, Wohnungsübergaben

Du lernst den direkten Kontakt mit Kund:innen

Verwaltung

Nebenkosten, Reparaturen, Eigentümer:innen

Du verstehst, wie Immobilien langfristig betreut werden

Verkauf

Exposés, Beratung, Finanzierung

Du bekommst Einblick in den Immobilienmarkt

Rechnungswesen

Zahlen, Kosten, Abrechnungen

Du lernst sauber und wirtschaftlich zu arbeiten

Welche Voraussetzungen brauche ich?

Rein rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. In der Praxis wünschen sich viele Betriebe aber mindestens einen mittleren Schulabschluss, Fachabi oder Abi. Besonders wichtig sind gute Deutschkenntnisse, Mathe-Grundlagen und ein sicherer Umgang mit Menschen.

Du solltest zur Ausbildung Immobilienkaufmann passen, wenn du:

  • Gerne organisierst
  • Keine Angst vor Zahlen hast
  • Freundlich und verbindlich kommunizierst
  • Sorgfältig arbeitest
  • Interesse an Wohnen, Städten und Immobilien hast
  • Auch bei schwierigen Gesprächen ruhig bleiben kannst

Du musst kein Immobilienprofi sein, bevor du anfängst. Aber du solltest Lust haben, dich in Verträge, rechtliche Regeln und wirtschaftliche Zusammenhänge reinzufuchsen.

Wie viel verdient man in der Ausbildung Immobilienkaufmann?

Die Ausbildungsvergütung hängt stark davon ab, ob dein Betrieb nach Tarif zahlt, in welchem Bundesland du arbeitest und wie groß das Unternehmen ist. Als Orientierung nennen Ausbildungsportale für Immobilienkaufleute häufig Werte von rund 1.140 bis 1.170 Euro im ersten Jahr, rund 1.250 bis 1.278 Euro im zweiten Jahr und rund 1.360 bis 1.390 Euro im dritten Jahr brutto monatlich.

Außerdem gibt es eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung. Für Ausbildungen, die 2026 beginnen, liegt sie im ersten Ausbildungsjahr bei 724 Euro, im zweiten bei 854 Euro und im dritten bei 977 Euro.

Ausbildungsjahr

Grobe Orientierung brutto/Monat

  • 1. Jahr: ca. 1.140 bis 1.170 Euro

  • 2. Jahr: ca. 1.250 bis 1.278 Euro

  • 3. Jahr: ca. 1.360 bis 1.390 Euro

Nach der Ausbildung kann dein Gehalt deutlich steigen. Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit weist für Immobilienkaufleute in Deutschland ein mittleres monatliches Vollzeit-Bruttoentgelt von 4.101 Euro aus; das ist allerdings kein Einstiegsgehalt, sondern ein Median über Beschäftigte hinweg.

Ausbildung Immobilienkaufmann oder Studium: Was passt besser?

Die Frage ist nicht: Was ist besser? Sondern: Was passt zu dir?

Wenn du direkt praktisch arbeiten, eigenes Geld verdienen und trotzdem kaufmännisch lernen willst, kann die Ausbildung Immobilienkaufmann sehr sinnvoll sein. Wenn du dich stärker für Theorie, Management, Stadtentwicklung oder Immobilienwirtschaft auf akademischem Niveau interessierst, kann ein Studium besser passen.

Wenn du noch zwischen Studium und Ausbildung schwankst, kann dir auch der UNICUM-Artikel zur Ausbildung nach dem Abitur weiterhelfen.

Option

Vorteil

Nachteil

Passt zu dir, wenn…

Ausbildung

Praxisnah, Gehalt ab Monat eins, klare Struktur

Weniger Theorie als im Studium

Du schnell in den Beruf willst

Studium

Mehr Theorie, breitere Karriereoptionen

Kein Ausbildungsgehalt, oft abstrakter

Du wissenschaftlicher arbeiten willst

Duales Studium

Praxis plus Studium

Hohe Belastung

Du gut organisiert bist und beides willst

Wie bewerbe ich mich richtig?

Bei der Bewerbung zählt nicht nur, dass du „Interesse an Immobilien“ schreibst. Besser ist, wenn du konkret wirst. Hast du schon mal bei einer Wohnungsbesichtigung geholfen? Interessierst du dich für Architektur, Stadtentwicklung oder Finanzen? Hast du im Nebenjob Kund:innen beraten? Genau solche Beispiele machen deine Bewerbung glaubwürdig.

Das brauchst du meistens:

  • Anschreiben
  • Lebenslauf
  • Aktuelles Zeugnis
  • Praktikumsnachweise, falls vorhanden
  • Optional: Zertifikate oder Nachweise zu Sprach- und IT-Kenntnissen

Der Lebenslauf ist dabei das zentrale Dokument deiner Bewerbung und sollte übersichtlich zeigen, welche Stationen, Erfahrungen und Skills du mitbringst. Mehr praktische Hilfe findest du im UNICUM-Bereich Erfolgreich bewerben.

Das kannst du tun: Suche dir vor dem Anschreiben zwei bis drei konkrete Gründe, warum dich genau dieser Betrieb interessiert. Verwaltet er viele Wohnungen? Baut er neue Quartiere? Arbeitet er regional? So klingt deine Bewerbung nicht nach Copy-Paste.

Welche Skills helfen dir wirklich?

In diesem Beruf brauchst du eine Mischung aus Menschengefühl und Genauigkeit. Du erklärst Dinge verständlich, bleibst professionell und musst trotzdem sauber dokumentieren. Klingt trocken? Ist aber im Alltag ziemlich wichtig.

Diese Skills helfen besonders:

  • Kommunikation: Du sprichst mit sehr unterschiedlichen Menschen.
  • Organisation: Termine, Unterlagen und Fristen müssen sitzen.
  • Zahlenverständnis: Mieten, Kosten und Abrechnungen gehören dazu.
  • Konfliktfähigkeit: Nicht jedes Gespräch läuft entspannt.
  • Digitale Fitness: Viele Prozesse laufen über Software, Portale und Datenbanken.

Digitalisierung verändert auch die Immobilienbranche. Laut Bundesagentur für Arbeit können in diesem Beruf unter anderem digitale Technologien und Systeme eine größere Rolle spielen.

Welche Nachteile sollte ich kennen?

Die Ausbildung Immobilienkaufmann kann spannend sein, aber sie ist nicht immer glamourös. Du hast mit Beschwerden, rechtlichen Details, Abrechnungen und manchmal stressigen Terminen zu tun. Auch Besichtigungen am Nachmittag oder Kundentermine außerhalb klassischer Bürozeiten können vorkommen.

Romantisiere den Beruf nicht. Du arbeitest mit echten Wohnungen, echtem Geld und echten Problemen. Genau das kann aber auch reizvoll sein, weil deine Arbeit ziemlich nah am Alltag der Menschen dran ist.

Für wen lohnt sich die Ausbildung Immobilienkaufmann?

Die Ausbildung lohnt sich besonders, wenn du einen kaufmännischen Beruf suchst, der nicht nur aus Excel-Tabellen besteht. Du hast viel Kontakt mit Menschen, lernst wirtschaftliche Zusammenhänge und bekommst Einblick in einen Bereich, der für fast alle wichtig ist: Wohnen.

Sie passt weniger gut, wenn du gar keinen Kundenkontakt möchtest, Verträge grundsätzlich nervig findest oder sehr ungern mit Zahlen arbeitest.

Wenn du praktisch, kommunikativ und sorgfältig bist, kann die Ausbildung Immobilienkaufmann ein ziemlich solider Start ins Berufsleben sein.

Häufige Fragen zur Ausbildung Immobilienkaufmann

Wie lange dauert die Ausbildung Immobilienkaufmann?

+
Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre. Sie ist dual aufgebaut, du lernst also im Betrieb und in der Berufsschule. Bei sehr guten Leistungen kann eine Verkürzung möglich sein, das hängt aber vom Betrieb, der Schule und der zuständigen Kammer ab.

Welchen Schulabschluss brauche ich für Immobilienkaufmann?

+
Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss festgelegt. Viele Betriebe bevorzugen aber Bewerber:innen mit mittlerem Schulabschluss, Fachabi oder Abi. Noch wichtiger sind oft Motivation, Kommunikationsstärke und ein gutes Verständnis für wirtschaftliche Themen.

Ist die Ausbildung Immobilienkaufmann schwer?

+
Sie ist machbar, aber du solltest sie nicht unterschätzen. Du brauchst Sorgfalt, weil Verträge, Abrechnungen und rechtliche Vorgaben eine große Rolle spielen. Wenn du regelmäßig lernst und im Betrieb nachfragst, kommst du normalerweise gut rein.

Kann ich nach der Ausbildung studieren?

+
Ja, das ist möglich. Viele entscheiden sich später für ein Studium in Immobilienwirtschaft, BWL, Wirtschaftsrecht oder einem verwandten Bereich. Deine Ausbildung kann dir dabei helfen, weil du schon Praxiserfahrung mitbringst.

Arbeitet man als Immobilienkaufmann nur im Büro?

+
Nein, nicht unbedingt. Du arbeitest zwar viel am Computer, hast aber auch Termine mit Kund:innen, Besichtigungen, Wohnungsübergaben oder Abstimmungen mit Dienstleister:innen. Der genaue Mix hängt stark vom Ausbildungsbetrieb ab.

Ist Immobilienkaufmann ein Beruf mit Zukunft?

+
Wohnen, Verwaltung, Sanierung und Immobilienfinanzierung bleiben wichtige Themen. Gleichzeitig verändert Digitalisierung viele Abläufe. Wer fachlich fit bleibt und offen für neue Tools ist, hat in der Branche gute Entwicklungsmöglichkeiten.

Helena Hesse

UNICUM-Autor/-in seit 2025

Eine Ausbildung zum Immobilienkaufmann ist weit mehr als Wohnungsbesichtigungen und Mietverträge. Sie verbindet Organisation, Kommunikation und wirtschaftliches Denken mit einem Thema, das jeden betrifft: Wohnen. Wer gerne mit Menschen arbeitet, Verantwortung übernimmt und sich für Immobilien, Zahlen und Stadtentwicklung interessiert, findet hier einen praxisnahen Einstieg ins Berufsleben. Besonders spannend: Die Ausbildung bietet gute Zukunftsperspektiven egal ob du später in der Verwaltung, im Verkauf, in der Projektentwicklung oder vielleicht doch noch im Studium durchstarten willst.

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