Ausbildung Gerichtsvollzieher / Gerichtsvollzieherin: alles zum Berufsbild!
Für den Gerichtsvollzieherdienst benötigt du Durchsetzungsvermögen | Getty Images/seb_ra
Autor

11. Jul 2018

Celina Kumpernatz

Berufsbilder

Ausbildung Gerichtsvollzieher / Gerichtsvollzieherin

Die Balance zwischen Empathie und Distanz finden!

Der Beruf des Gerichtsvollziehers (m/w) passt zu dir, wenn:

  • du mit Durchsetzungsvermögen punktest.
  • du durch Kommunikationsstärke und Konfliktfähigkeit jede Situation meisterst. 
  • du mit deinem Einfühlungsvermögen immer den richtigen Nerv triffst. 
  • du ein echtes Organisationstalent bist.
  • für dich Sorgfalt und Struktur das A und O sind.
  • du immer schon Beamter / Beamtin werden wolltest.
  • du deinen Arbeitsalltag lieber selbst bestimmst und die flexible Arbeitseinteilung genießt.
  • du offen und selbstbewusst auf die Menschen zugehst.
  • Justiz und Gerechtigkeit deine Themen sind. 

Der Ausbildungsablauf

Möchtest du deinen Horizont erweitern und ein neues Berufsbild kennenlernen? Die Ausbildung zum Gerichtsvollzieher / -in stellt genau genommen eher eine Weiterbildung als eine Ausbildung im klassischen Sinne dar. Du solltest schon gewisse Voraussetzungen wie eine dreijährige Berufserfahrung mitbringen, um diese Ausbildung absolvieren zu dürfen. Auch die landestypischen Voraussetzungen für eine Verbeamtung müssen erfüllt werden. Beispielsweise wird hier deine körperliche Eignung von einem Arzt attestiert. Meistens wird die Ausbildung einer fachnahen Ausbildung angeschlossen, z.B. dem Justizfachwirt oder anderen kaufmännischen Berufen. Eine weitere Voraussetzung ist die Fachoberschulreife oder ein gleichwertiger anerkannter Bildungsstand. Die Ausbildungsdauer beträgt in der Regel zwischen eineinhalb und zwei Jahre. In der theoretischen Weiterbildung werden Kenntnisse u.a. bezüglich des Vollstreckungs-, Zustellungs- und Kostenrechts und den Grundzügen des bürgerlichen Rechts, des Handels- und Gerichtsrecht sowie auch im Steuer- oder Arbeitsrecht erworben. Im praktischen Teil lernt man beispielsweise die Durchführung von Vollstreckungsverfahren, die Erstellung von Kostenrechnungen oder selbstständig die Aufgaben des Gerichtsvollzieherdienstes zu erledigen. Ebenso die richtige Konfliktbewältigung ist ein wichtiger Teil deiner praktischen Weiterbildung, die übrigens nicht deutschlandweit einheitlich ist, sondern von den einzelnen Bundesländern festgelegt wird.

Das erwartet dich in der Ausbildung zum / zur Gerichtsvollzieher / Gerichtsvollzieherin

Bevor du dich für die Weiterbildung zum Gerichtsvollzieher / zur Gerichtsvollzieherin entscheidest, sollte dir bewusst sein, dass dieser zu den Berufen gehört, der sehr viel Einfühlungsvermögen und Geduld bedarf. Du hast täglich mit vielen Menschen Kontakt und benötigst immer die richtige Mischung aus Distanz und Empathie, da du oft mit den Emotionen der Schuldner konfrontiert wirst. In diesen Fällen ist es wichtig, mit deiner Kommunikationsstärke die Situation in den Griff zu bekommen. Um nie den Überblick über alle deine Fälle zu verlieren, sollte hier das Organisationstalent in dir hervorkommen und für eine strukturierte Arbeitsweise sorgen. Bist du kein Fan von festgelegten Arbeitszeiten, sondern teilst dir deinen Arbeitsalltag lieber selber ein? Dann ist der Beruf des Gerichtsvollziehers genau der Richtige für dich. Hier bist du dein Chef und kannst dir deinen Tag frei und flexibel einteilen. Nicht selten arbeitest du auch in den Abendstunden oder am Wochenende, um auch die berufstätigen Schuldner anzutreffen. Hauptsächlich erledigst du daher deine Aufgaben im Außendienst, bürokratische Angelegenheiten in deinem eigenen Büro.

Ein großer Pluspunkt im Gerichtsvollzieherdienst ist, dass du nach deiner Probezeit auf Lebenszeit verbeamtet wirst und du somit, sofern du dir nichts zu Schulden lassen kommst, unkündbar bist.

Die Aufgaben im Berufsalltag

Die Aufgaben von Gerichtsvollziehern / Gerichtsvollzieherinnen sind sehr vielfältig. Eine Aufgabe wäre z.B. die Pfändung von Wertgegenständen. Diese werden bei den Schuldnern beschlagnahmt, um so die offenen Forderungen der Gläubiger zu begleichen. Oftmals werden diese gepfändeten Wertgegenstände anschließend versteigert, um das eingenommene Geld an die verschiedenen Gläubiger auszuhändigen. Eine andere Aufgabe wäre die Einholung von Vermögensauskünften, die Offenlegungen des Bankguthabens oder aller Wertgegenstände, die man besitzt. Eine Hauptaufgabe des Gerichtsvollziehers / der Gerichtsvollzieherin ist die Umsetzung von Gerichtsbeschlüssen beispielsweise die Zwangsräumungen oder die Kindesherausgabe. Werden Gerichtsbeschlüsse nicht verfolgt, ist es die Aufgabe des Gerichtsvollziehers / der Gerichtsvollzieherin, dass Betroffene die Beschlüsse befolgen. Alle damit verbundenen organisatorischen und betriebswirtschaftlichen Aufgaben werden in deinem eigenen Büro erledigt. Auch hier kannst du Schuldner beraten oder planst und protokollierst deine Außeneinsätze. Bei Bedarf ist es nicht untypisch zusätzliche Mitarbeiter für alltägliche Bürotätigkeiten einzustellen.

Die Gehaltsaussichten

Die Bezahlung des Gerichtsvollziehers / der Gerichtsvollzieherin findet nach dem allgemeinen Tarifvertrag für öffentliche Dienste der Länder statt. Du befindest dich nach der Ausbildung somit in der Entgeltgruppe 5 und in der Stufe 2, das heißt du kannst monatlich mit einem Gehalt von ca. 2500 Euro brutto rechnen.

Bist du verbeamtet, erfolgt die Besoldung nach Beamtenrecht. Die variiert jedoch nach den unterschiedlichen Bundesländern. Weitere Faktoren, neben dem Arbeitsort. die dein Gehalt beeinflussen, sind beispielsweise deine beruflichen Erfahrungen sowie Zuschläge. die bei Beamten mit Hilfe der individuellen Gegebenheiten bestimmt werden, also z.B. nach deiner familiären Situation. Da du als Gerichtsvollzieher sehr selbstständig arbeitest und in der Regel ein Büro außerhalb des zuständigen Amtsgerichts besitzt, erhältst du eine Bürokostenentschädigung, da du in der Regel auch über eigene Schreibkräfte verfügst. Eine Beförderung in eine höhere Entgeltgruppe ist nach einer entsprechenden Wartezeit und Eignung möglich. Dann kann dein Gehalt im Monat bis zu 3400 Euro brutto ansteigen. 

Weiterbildung und Zukunftschancen

Da es sich bei der Ausbildung zum Gerichtsvollzieher / zur Gerichtsvollzieherin bereits um eine Weiterbildung handelt, wäre in diesem Fall eine Beförderung bis zum Obergerichtsvollzieher mit Amtszulage möglich. Dies würde sich auch finanziell bemerkbar machen, da du so in die geltende Besoldungsgruppe A9 rutschst. Weiterhin wären thematische Fortbildungen eine Möglichkeit sich weiterzubilden. Möchtest du noch höher hinaus, könntest du auch ein Jura-Studium in Erwägung ziehen.

Besonders die Zukunftschancen für dieses Berufsbild sind sehr vielversprechend, da Gerichtsvollzieher/innen in jedem Amtsgerichtsbezirk benötigt und verbeamtet werden. Somit ist deine Stelle unkündbar.

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