Ausbildung zum Physiotherapeut: alles auf einen Blick!
Physiotherapeuten sorgen für die richtige Beweglichkeit | Getty Images/KatarzynaBialasiewicz
Autor

16. Jul 2018

Celina Kumpernatz

Berufsbilder

Ausbildung zum Physiotherapeut

Mt der richtigen Beweglichkeit zum Ziel!

Checkliste: Passt der Beruf zu mir?

  • Du willst einen Beruf mit guten Zukunftschancen
  • Du möchtest etwas sinnvolles tun und kranken Menschen helfen
  • Du bist auf der Suche nach einem abwechslungsreichen und anspruchsvollen Beruf
  • Du hast dich immer schon für Anatomie und die Funktionsabläufe des menschlichen Körpers interessiert
  • Du hast keine Berührungsängste und kein Problem mit Körperkontakt zu kranken oder behinderten Menschen
  • Du bist ein echtes Organisationstalent, du verlierst nie den Überblick über deine Patienten
  • Du besitzt eine gute Auffassungsgabe und eine hohe Lernfähigkeit
  • Einfühlvermögen legst du immer an den Tag

Der Ausbildungsablauf und Lerninhalte der Ausbildung zum Physiotherapeuten (m/w)

Physiotherapie ist ein Oberbegriff und beinhaltet viele verschiedene Handlungsmethoden wie beispielsweise die Krankengymnastik. Ausbildungsinhalte der Physiotherapie beschäftigen sich, z.B. damit wie das menschliche Skelett aufgebaut ist, wie die Muskeln und Sehnen miteinander verbunden sind und miteinander arbeiten. Dieses Wissen benötigst du für die Diagnose und Behandlung deiner zukünftigen Patienten. Die Ausbildung findet an Fach- bzw. an Berufsfachschulen statt. Für diese wird eine mittlere Reife oder ein Hauptschulabschluss mit einer mindestens zweijährigen abgeschlossenen Berufsausbildung vorausgesetzt. Zugangsvoraussetzung für den  Ausbildungsbeginn ist ein Mindestalter von 17 Jahren. 

Die Ausbildung dauert in der Regel 3 Jahre und kann sowohl an staatlichen als auch an privaten Berufsfachschulen absolviert werden. Sie ist in sechs Semester aufgeteilt, die insgesamt 4500 Unterrichtsstunden umfasst, die noch einmal in 2900 theoretisch-praktischen Unterrichtsstunden in der Schule und in 1600 Unterrichtsstunden praktische Ausbildung am Patienten aufgeteilt werden.

Der theoretische Teil der Ausbildung beschäftigt sich inhaltlich mit der Verinnerlichung des Aufbaus des menschlichen Körpers, den unterschiedlichen Behandlungs- sowie Untersuchungstechniken und der Bewegungs- und Trainingslehre. Im praktischen Teil lernt man medizinische Fachbereiche wie beispielsweise die Orthopädie oder die Neurologie kennen. Man untersucht, behandelt und betreut Patienten und kann sein Wissen über die Körperfunktionen und allgemeine therapeutische Prozesse anwenden. Mit Hilfe der Ausbilder darf man verschiedene Behandlungsmethoden wie die Krankengymnastik oder die Elektrotherapie an den Patienten ausüben oder auch präventive Maßnahmen, wie z.B. Muskelaufbautrainings, einleiten.

Üblich ist es, während der Ausbildung zum Physiotherapeuten mehrere Praktika in unterschiedlichen Einsatzorten zu absolvieren. Jede Schule hat diesbezüglich jedoch eigene Regelungen zu den Praxisphasen, insgesamt müssen aber um die 1600 praktische Stunden absolviert werden.

Nach erfolgreichem Abschluss deiner Ausbildung darfst du dich dann als staatlich anerkannter Physiotherapeut oder anerkannte Physiotherapeutin bezeichnen.

Der Berufsalltag und Interaktion mit anderen Berufsgruppen

Als Physiotherapeut oder Physiotherapeutin kannst du deine Tätigkeit selbstständig in einer eigenen Praxis, als Angestellter oder als freier Mitarbeiter in verschiedenen medizinischen und rehabilitativen Einrichtungen ausüben. In der Regel arbeitest du um die acht Stunden am Tag, solltest du in einem Krankenhaus arbeiten ist ein Schichtdienst oder ein Wochenenddienst nicht unüblich. Bezüglich der Arbeitskleidung ist in Praxen oder Kliniken Ober- und Unterbekleidung vorgeschrieben und sollte einheitlich zu der Bekleidung des restlichen Personals passen. Um sich aktiv im Berufsalltag beteiligen zu können, tragen Physiotherapeuten oft auch weiße Hosen, T-Shirts und Sportschuhe.

Als Physiotherapeut / Physiotherapeutin arbeitest du oft eng mit anderen medizinischen Berufsgruppen und Fachbereichen zusammen. Beispielsweise mit Ärzten, Ergotherapeuten oder der Logopädie. Durch den Austausch und die Zusammenarbeit kann dem Patienten optimal geholfen werden.

Der Kontakt mit kranken oder älteren Menschen sollte dir auf keinen Fall unangenehm sein, da du jeden Tag mit ihnen zu tun hast. Falls du nicht sicher bist, ob die Tätigkeit daher das Richtige für dich ist, ist ein Praktikum in einer Klinik oder in einem Alten-oder Pflegeheim vor Beginn der Ausbildung zu empfehlen, um so in die verschiedenen Bereiche hineinschnuppern zu können.Physiotherapeuten helfen bei der Beweglichkeit | Getty Images/KatarzynaBialasiewicz

Die Aufgabenbereiche und Behandlungsverfahren eines Physiotherapeuten / einer Physiotherapeutin

Die Aufgabenbereiche der Physiotherapie sind sehr vielseitig. Deine Tätigkeit liegt in nahezu allen medizinischen Fachbereichen. Sie reicht von der präventiven Behandlung bis hin zur Behandlung von orthopädischen Erkrankungen oder der Rehabilitation der Geriatrie (Altersheilkunde). Du betreust alle Altersgruppen, auch bei vielen Neugeborenen wird frühzeitig mit einer Behandlung begonnen, um Langzeitschäden zu vermeiden.

Bei all´ diesen Behandlungen steht der körperliche Bewegungsapparat im Vordergrund sowie das psychische Wohlbefinden, das auch durch die Beweglichkeit und den Körperkontakt durch die Behandlung profitiert und verbessert wird.

In der Regel wird der Patient selbst durch den Physiotherapeuten / der Physiotherapeutin untersucht oder von einem Arzt mit einer bereits vorhandenen Diagnose weitergeleitet. Der Physiotherapeut / die Physiotherapeutin erstellt einen individuellen Therapieplan, in dem alle Maßnahmen und Fortschritte dokumentiert werden.  

Oft findet eine physiotherapeutische Behandlung auch nach bestimmten Operationen statt, wie zum Beispiel nach einer Hüftoperation,  um durch die Therapie die Beweglichkeit des Rückens und der Beine des Patienten zu stärken und somit einen schnellen Heilungsprozess in Gang zu setzen.

Eine weitere wichtige Aufgabe des Physiotherapeuten / der Physiotherapeutin ist es die eigenen Patienten zu motivieren und selber, neben der Therapie, aktiv und beweglich zu bleiben. Dem Patienten werden während der Behandlung viele Übungen näher gebracht, die der Patient auch bequem von zuhause aus ausüben kann.

Neben dem Einsatz verschiedener Therapiemethoden sind weitere Aufgaben des Physiotherapeuten / der Physiotherapeutin beispielsweise das Setzen von Tapeverbänden, Elektrostimulation, vorbeugende Therapie sowie die Diagnose von Schmerzzuständen und Störungen. Verschiedene Verfahren wären z.B. die manuelle Therapie, Übungen auf neurophysiologischer Grundlage nach Vojta, die Atem- oder Elektrotherapie. Die Behandlung der Physiotherapie wird dabei als eine Alternative oder Ergänzung zur medikamentösen oder operativen Therapie verstanden.

Gehalt in und nach der Ausbildung

Da es sich bei der Ausbildung der Physiotherapie um eine schulische Ausbildung handelt, erhältst du während dieser Zeit kein Ausbildungsgehalt. Es gibt jedoch verschiedene Wege, finanzielle Unterstützung während der Ausbildung in Anspruch zu nehmen. Eine Möglichkeit wäre einen Schüler-BAföG oder einen Bildungskredit zu beantragen, um finanziell abgesichert zu sein und die anfallenden Kosten bezahlen zu können. Denn solltest du deine Ausbildung an einer privaten Schule absolvieren, ist auch ein monatliches Schulgeld um die 300 bis 400 Euro nicht unüblich.

Dein Gehalt nach der Ausbildung ist abhängig von deinem Vertrag, deinem Einsatzort und dem jeweiligen Bundesland. Im Westen verdienst du ca. 2400 Euro brutto monatlich, das ist mehr als in den neuen Bundesländern beispielsweise Brandenburg, dort würdest du im Monat 1900 Euro brutto verdienen.

Solltest du in einer öffentlichen Institution arbeiten und dein Verdienst ist nach einem Tarifvertrag ausgerichtet, kannst du mit einer Berufserfahrung bis zu 6 Jahren monatlich bis zu 2700 Euro brutto verdienen.

Studium und Weiterbildungen für Physiotherapeuten

Da der Beruf der Physiotherapeuten heutzutage immer beliebter wird, ist mittlerweile auch ein Studium zur Physiotherapie möglich. Neben diversen Spezialisierungen z.B. zum Fitness- und Wellnesstrainer, werden auch viele Kurse oder Seminare angeboten, um das allgemeine Fachwissen zu erweitern und bezüglich neuer Behandlungsmethoden immer auf dem neuesten Stand zu bleiben.

Eine weitere Möglichkeit wäre die Weiterbildung zum Fachwirt / zur Fachwirtin für Prävention und Gesundheitsförderung, falls du als Führungskraft gesundheitliche Maßnahmen in Institutionen einführen und umsetzen möchtest.

Willst du dich lieber selbstständig machen und eine eigene Praxis eröffnen, wäre es von Vorteil bereits einen eigenen Kundenstamm zu besitzen sowie betriebswirtschaftliche Kenntnisse für z.B. die Buchhaltung deiner Praxis.

Zukunftschancen als Physiotherapeut (m/w)

Der Beruf der Physiotherapie ist und bleibt ein wichtiges Berufsbild. Nicht zuletzt wegen des demografischen Wandels und die damit verbundene Steigung des Durchschnittsalters sorgt dafür, dass die Tätigkeit des Berufs immer gefragter wird. Auch die Unbeweglichkeit und das viele tägliche Sitzen der Menschen tragen dazu bei. Somit würdest du dich für einen Beruf mit sehr guten Zukunftschancen entscheiden.

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