Einzelhandelskaufmann werden
Abwechslungsreich und attraktiv - die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann ist gefragt.| Foto: gpointstudio/Getty Images
Autor

04. Dez 2018

Jennifer Schreder

Berufsbilder

Einzelhandelskaufmann / -frau: Das Berufsbild

Einzelhandelskaufmann / -frau, solltest du werden, wenn...

  • du gut auf Menschen zugehen kannst
  • es dir leicht fällt jemanden von einem Produkt zu überzeugen
  • du gerne auf den Beinen bist
  • Kopfrechnen zu deinen Stärken gehört
  • du in Diskussionen freundlich bleibst und keine Angst vor Konflikten hast
  • sorgfältiges Arbeiten auch unter Druck für dich kein Thema ist

Aufgaben und Einsatzgebiete von Einzelhandelskaufleuten

Der Einzelhandelskaufmann ist der Experte im Geschäft und wird überall gebraucht. Egal ob im Supermarkt, Möbelhaus, Baumarkt oder Elektronikgeschäft  – du bist es, der sich am besten auf der Verkaufsfläche und vor allem mit den angebotenen Produkten auskennt. Im Verkaufsraum bist du der erste Ansprechpartner für Kundenfragen. Dabei gilt für dich stets der Grundsatz: Der Kunde ist König! Als Einzelhandelskaufmann bzw. -kauffrau bist du nämlich immer auch Aushängeschild deines Arbeitgebers und der hat natürlich ein großes Interesse daran, dass seine Kunden bei ihrem Einkauf mehr als gut betreut werden.

Aber auf der Verkaufsfläche dreht sich für Auszubildende im Einzelhandel natürlich nicht alles nur um den Kunden. Auch das Warensortiment will ordentlich gepflegt werden. Das bedeutet in erster Linie: Regale auffüllen und die angebotenen Produkte gekonnt in Szene setzen. Auch die Inventur, also die Feststellung von Warenbeständen, gehört zum Aufgabenbereich eines Einzelhandelskaufmanns. Sollte einmal zu wenig Ware im Lager sein. kümmern sich Einzelhandelskaufmänner und Einzelhandelskauffrauen um die Bestellung von neuer Ware und vereinbaren entsprechende Liefertermine mit den Händlern. Bei der Annahme von Waren kontrollierst du anschließend deren Qualität und sorgst dafür, dass sie richtig gelagert werden. Das ist besonders in Lebensmittelgeschäften von größter Bedeutung. Verdorbene oder beschädigte Ware sollten erst gar nicht in die Regale kommen.

Apropos beschädigte Ware – um Reklamationen, also den Umtausch von Waren, kümmern sich Einzelhandelskaufleute selbstverständlich auch. Genauso selbstverständlich ist auch das Bedienen der Kasse als Einzelhandelskaufmann. In Modehäusern wird die Ware an der Kasse zusätzlich entsichert und verpackt. Am Ende des Tages rechnest du die Kasse dann auch ab, damit am nächsten Tag der Kassenbestand stimmt.

Der Verkaufsraum und das Lager sind aber nicht die einzigen Einsatzbereiche, die man als Einzelhandels-Azubi kennenlernt. Denn auch im Büro fallen viele Tätigkeiten an, die Einzelhandelskaufleute regelmäßig übernehmen müssen. Dazu gehören zum Beispiel die Erstellung und der Versand von Zahlungserinnerungen, die Kalkulation von Verkaufspreisen sowie die Erstellung und Auswertung von Bilanzen und Ergebnisrechnungen. Vom Büro aus werden außerdem die Disposition und logistischen Prozesse überwacht,  manchmal fallen auch Aufgaben aus dem Personalwesen an.

Die Aufgaben im Einzelhandel sind meist recht ähnlich. Trotzdem kann es vorkommen, dass je nach Schwerpunkt noch weitere Aufgaben auf dich zukommen. In deiner Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel kannst du dich entweder auf Warengruppen oder die Bereiche Verkauf, Lager oder Einkauf spezialisieren.

Schwerpunkte in der Ausbildung zum / zur Einzelhandelskaufmann / Einzelhandelskauffrau   – ein Überblick:

  • Allgemeiner Einzelhandel
  • Baustoffhandel
  • Einrichtungsberatung
  • Eisen- und Hartwaren
  • Elektro- und Elektronikberatung
  • Feinkostfachverkauf
  • Gartencenter
  • Kraftfahrzeuge und Ersatzteile
  • Lebensmittelhandel
  • Parfümerie
  • Schuhe
  • Sportartikel
  • Telekommunikation
  • Textilhandel
  • Uhren- und Juwelenberatung
     
Bewerben als Einzelhandelskaufmann

Ausbildung zum / -r  Einzelhandelskaufmann / -frau: Voraussetzungen und Inhalte

Die Ausbildung zum / -r Kaufmann / -frau im Einzelhandel ist eine klassischen duale Ausbildung. Das bedeutet, dass du im Betrieb und in der Berufsschule den Beruf des Einzelhandelskaufmanns erlernst. Zuständig ist in diesem Fall die Industrie- und Handelskammer, kurz: IHK. Alternativ zur dualen Ausbildung gibt es auch die Möglichkeit eine rein schulische Ausbildung im Einzelhandel zu machen.

Formale Voraussetzungen für die Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel gibt es bei der Bewerbung nicht. Über die Hälfte aller Unternehmen im Einzelhandel setzt allerdings die mittlere Reife als Schulabschluss voraus. Aber auch ein guter Haupt- oder Realschulabschluss kann dir die Türen in den Einzelhandel öffnen. Wichtig ist, dass vor allem deine Noten in Deutsch und Mathe gut sind. Englisch ist nicht ganz so wichtig, es kommt da aber auf das Unternehmen an. In einigen Bereichen, zum Beispiel im Lebensmittelbereich, musst du unter Umständen zusätzlich bestimmte Dokumente, wie zum Beispiel ein Gesundheitszeugnis, vorweisen.

Für die Ausbildung zum / -r Einzelhandelskaufmann / -frau braucht man in der Regel 3 Jahre. Alternativ kann man sich aber in 2 Jahren auch zum Verkäufer oder zur Verkäuferin ausbilden lassen. Verkäufer werden bis zum 2. Lehrjahr nämlich gemeinsam mit den Einzelhandelskaufleuten ausgebildet. Du hast keine Lust 3 Jahre noch in der Ausbildung zu stecken? Keine Panik! Bei guten Leistungen und wenn du die entsprechende Vorbildung mitbringst, kannst du deine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann auf 2 bis 2,5 Jahre verkürzen.

Wie bereits erwähnt lernst du bei einer dualen Ausbildung neben dem Betrieb auch in der Berufsschule. Dort hast du neben Fächern wie Deutsch oder Mathematik auch Rechnungswesen und Fächer, die spezifisch auf die Ausbildung zum /-r Einzelhandelskaufmann /-frau  zugeschnitten sind. Dazu kommen aber auch Themen wie Personalmanagement und Verkaufsgespräche führen. In der Regel besuchst du an zwei Tagen die Woche die Berufsschule, aber auch Blockunterricht ist möglich. Das heißt, dass du während deiner Ausbildung mehrere Wochen nur im Unternehmen und dann wiederum mehrere Wochen in der Berufsschule bist.

Deine Ausbildung schließt du mit der Abschlussprüfung ab. Diese ist in zwei Teile gegliedert. Den ersten Teil, die Zwischenprüfung oder auch die Abschlussprüfung Teil I nach neuer Regelung, schreibst du zum Ende deines zweiten Lehrjahres. Die Schwerpunkte dieser Prüfung sind neben Verkauf und Marketing sowohl Warenwirtschaft und Rechnungswesen als auch Wirtschaft- und Sozialkunde.

Deine Abschlussprüfung schreibst du nach Beendigung des dritten Ausbildungsjahres. Der schriftliche Teil beschäftigt sich mit den Geschäftsprozessen im Einzelhandel. Darüber hinaus führst du ein fallbezogenes Fallgespräch mit einer praxisbezogenen Aufgabe. Mit Ablegen der Abschlussprüfung bist du dann staatlich anerkannter Kaufmann im Einzelhandel.

Bewerbung als Einzelhandelskaufmann /-frau: Diese 10 Eigenschaften solltest du mitbringen

  • Freundlichkeit
  • Offenheit
  • Kommunikationsstärke
  • Konfliktfähigkeit
  • Serviceorientierung
  • Mathematisches Denken
  • Selbstständigkeit
  • Belastbarkeit
  • Neugierde
  • Lernbereitschaft

Einzelhandelskaufleute: Ausbildungs- und Einstiegsgehalt

Für die duale Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel bekommst du, wie bei jeder anderen Ausbildung auch, ein Gehalt. Bei der rein schulischen Ausbildung im Einzelhandel erfolgt allerdings keine Vergütung.

Dein Gehalt während der Ausbildung ist gestaffelt und erhöht sich mit jedem Lehrjahr. Im ersten Lehrjahr, also zu Beginn deiner Ausbildung, kannst du brutto monatlich mit etwa 725 Euro rechnen. Bei manchen Einzelhändlern sind im ersten Ausbildungsjahr aber auch bis zu 950 Euro brutto pro Monat drin. Im zweiten Lehrjahr verdienst du dann bereits 810 Euro brutto monatlich und im letzten Jahr dann jeden Monat 925 Euro brutto. Allerdings variiert dein Gehalt je nach Betrieb, Standort und Bundesland. Ein Verdienst von knapp 650 Euro brutto pro Monat im ersten Ausbildungsjahr ist deshalb ebenfalls nicht unüblich.

Nach der Ausbildung beträgt dein Brutto-Einstiegsgehalt, sofern es tariflich geregelt ist, zwischen 1.500 und 2.200 Euro im Monat. Das Spitzengehalt für Kaufleute im Einzelhandel liegt bei monatlich 3.500 Euro brutto.

Aufstiegsmöglichkeiten als Einzelhandelskaufmann / -frau

Nach deiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und mit etwas Berufserfahrung, hast du die Möglichkeit weiter aufzusteigen und deinen Lebenslauf zu verlängern. So kannst du dich vom Filialleiter-Stellvertreter zum Filialleiter und letztlich zum Verkaufsleiter hocharbeiten.

Vielleicht kommt sogar eine Weiterbildung zum Handelsfachwirt, Handelsbetriebswirt oder auch ein Studium der Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Handel in Betracht. Für letzteres brauchst du allerdings ein (Fach-)Abitur. Generell ist ein Studium eine gute Möglichkeit sich nach der Ausbildung eine Führungsposition zu erarbeiten. 

Eine weitere Möglichkeit ist der Erwerb von Zusatzqualifikationen über nebenberufliche Schulungen an Handelsschulen. Diese fachlichen Weiterbildungen ermöglichen dir einen Einsatz in Fach- und Spezialgeschäften.

Zukunftsaussichten als Kaufmann / -frau im Einzelhandel

Die Zukunftsaussichten für Kaufleute im Einzelhandel sind sehr gut. Trotz der Problematik der Niedriglohnbeschäftigung, haben Einzelhandelskaufleute gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie vielseitig einsetzbar sind. Außerdem gibt es in Deutschland einfach viele verschiedene Geschäfte und somit viele Möglichkeiten auf eine Karriere im Einzelhandel. Vor allem durch Weiterbildung und Zusatzqualifikationen kann man sich als Einzelhandelskaufmann von anderen Bewerbern abheben und geeignete Stellen finden.

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