Lehrermangel: Wo ab 2026 die meisten Lehrkräfte fehlen!

Marvin Kesper Marvin Kesper, 05.02.2026  |  Lesedauer: 13 Minuten

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Lehrermangel: Lehrer:innen sind sehr gefragt

Dass es in Deutschland in Zukunft an Lehrkräften fehlt, ist kein Geheimnis mehr. Der Lehrermangel bleibt ein zentrales Problem des Schulsystems, auch wenn die Zahlen je nach Quelle variieren. Nach Schätzungen der Kultusministerkonferenz (KMK) fehlten 2024 rund 17.300 Lehrkräfte an Schulen und für 2025 wird ein weiterer Engpass erwartet, besonders in der Sekundarstufe I & II sowie an Berufsschulen.

Langfristige Prognosen gehen davon aus, dass sich die Situation nicht schnell verbessert: Modellrechnungen der KMK sehen bis 2035 einen Mangel von etwa 49.000 Lehrkräften, während andere Schätzungen sogar bis zu 75.000 oder mehr fehlen könnten.

Besonders betroffen sind:

  • weiterführende Schulen und Berufsschulen
  • Unterricht in bestimmten Fächern wie Sonderpädagogik, Mathematik oder Naturwissenschaften
  • Regionen mit steigenden Schülerzahlen

Zwar ist die Zahl der Beschäftigten insgesamt gewachsen und es gibt mehr Quereinsteiger, aber tausende Stellen bleiben unbesetzt, und viele Lehrer arbeiten nur in Teilzeit oder ohne vollständige pädagogische Ausbildung. An den Grundschulen ist der Engpass derzeit etwas geringer, und manche Prognosen gehen davon aus, dass der Mangel dort gegen Ende des Jahrzehnts zumindest nicht mehr so stark spürbar sein könnte. Kurz gesagt: Lehrkräfte bleiben in Deutschland stark gefragt, vor allem an weiterführenden Schulen und in bestimmten Fächern und der Bedarf wird auch in den kommenden Jahren hoch bleiben.

Gründe für den Lehrermangel

Doch wieso kommt es überhaupt zu so einem Mangel an Lehrkräften? 

  • Mehr Schüler:innen durch Zuwanderung und geburtenstarke Jahrgänge (auch wenn die Geburten zuletzt wieder sinken)
  • Viele Pensionierungen, besonders an Berufs- und weiterführenden Schulen
  • Nachwuchsprobleme an Berufsschulen: Wechsel aus der Wirtschaft oft unattraktiv
  • Unterschätzte Zuwanderung und zu späte politische Reaktionen
  • Strukturelle Hürden im Lehramtsstudium (u. a. Folgen der Bologna-Reform)
  • Teilzeit, hohe Belastung und Berufsausstiege verschärfen den Mangel zusätzlich

Lehrermangel als Berufschance

Wer Lehrer werden möchte, hat gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Vor allem für aktuelle Lehramtsstudierende verbessert der Mangel an Lehrkräften die Berufschancen enorm. Gerade Studierende, die auf Grundschullehramt oder Lehramt für die Sekundarstufe I studieren, haben ausgezeichnete Aussichten. Eine Einstellung an einer öffentlichen Schule ist hier so gut wie sicher. Auch für Berufstätige, die sich umorientieren möchten, könnte ein Quereinstieg als Lehrer ein attraktiver Karriereschritt sein. Vor allem berufserfahrene Ingenieurinnen und Ingenieure sind für einen Quereinstieg als Berufsschullehrer:innen gefragt. Wer sich kurzfristig einen Job an einer Grundschule vorstellen kann, hat auch gute Chancen den Quereinstieg als Grundschullehrer:innen zu meistern. Generell kannst du als Lehrer:in auf einen guten Verdienst vertrauen. Das Lehrer-Gehalt beim Einstieg für eine verbeamtete Lehrkraft liegt ca. zwischen 4.500 Euro brutto und 5.200 Euro brutto im Monat. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Lehrkräfte nach Besoldungstabellen vergütet werden, die sich unter anderem nach Schulart, Berufserfahrung und weiteren Faktoren richten. Und auch als Quereinsteiger hast du, je nach Bildungsabschluss, eine Chance auf eine Verbeamtung.  

Unterschiede zwischen den Bundesländern

Die Unterbesetzung an den Schulen zeigt sich in den Bundesländern unterschiedlich. Am stärksten betroffen sind demnach die Bundesländer im Osten Deutschlands. Hier ist die Lage deutlich angespannter als in Westdeutschland. Dass es Unterschiede innerhalb des Bundesgebietes gibt, liegt daran, dass die Bildungspolitik den Bundesländern obliegt und so jedes Bundesland selbst errechnet, wie viele Lehrstellen frei sind und wie viele von ihnen mit angehenden Lehrerinnen und Lehrern besetzt werden können. Vom Lehrermangel aktuell stark betroffen sind laut Kultusministerkonferenz Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen und teilweise auch Berlin. Dabei ist es schwer eine generelle, fächer- und schulformübergreifende Statistik über die aktuelle Lage auf dem Lehrermarkt aufzustellen. Denn nicht nur zwischen den Bundesländern gibt es Unterschiede, sondern auch bei den Schulformen. 

Unterschiede zwischen den Schulformen

Eine Lehrkraft kann sich in der Ausbildung auf die verschiedenen Schulformen spezialisieren. So kommt es dazu, dass es auch zwischen den einzelnen Formen Unterschiede bei der Verfügbarkeit von Lehrkräften gibt.

Grundschulehrkräfte

Deutschlandweit besteht weiterhin ein deutlicher Mangel an Grundschullehrkräften, der sich jedoch regional unterschiedlich ausprägt. Besonders betroffen sind nach wie vor einige ostdeutsche Bundesländer, darunter Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wenngleich sich die Situation dort zuletzt teilweise stabilisiert hat. Insgesamt kann der Bedarf an Grundschullehrkräften in vielen Regionen noch nicht vollständig gedeckt werden. Prognosen der Kultusministerkonferenz gehen jedoch davon aus, dass sich das Verhältnis von Angebot und Bedarf im Grundschulbereich mittelfristig verbessern könnte. Ab Mitte der 2020er-Jahre wird in einzelnen Modellrechnungen ein annähernder Ausgleich erwartet, teilweise auch ein leichter Überschuss. Über den Zeitraum bis 2030 betrachtet bleiben die Prognosen jedoch mit Unsicherheiten behaftet, da sie stark von regionalen Entwicklungen, Schülerzahlen und Ausbildungskapazitäten abhängen.

Lehrkräfte der Sekundarstufe I

Anders stellt sich die Entwicklung bei den Lehrkräften der Sekundarstufe I dar. Für diese Schulform wird bis 2030 bundesweit ein anhaltender Mangel an neu ausgebildeten Lehrkräften erwartet. Besonders hoch war der Bedarf an Lehrkräften für Haupt-, Real- und Gesamtschulen in den vergangenen Jahren, unter anderem im Jahr 2019. Zwar prognostiziert die Kultusministerkonferenz einen Anstieg der Zahl der Lehrkräfte in der Sekundarstufe I, das Angebot reicht jedoch voraussichtlich auch langfristig nicht aus, um den Bedarf vollständig zu decken. Im Durchschnitt wird weiterhin von einem jährlichen Defizit ausgegangen. Besonders betroffen sind unter anderem die Bundesländer Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Während sich die Versorgungslage in einigen ostdeutschen Bundesländern perspektivisch verbessern könnte, ist insbesondere in den Stadtstaaten auch langfristig mit einem anhaltenden Lehrkräftemangel zu rechnen.

Berufsschullehrkräfte

Auch im Bereich der beruflichen Schulen wird bis 2030 bundesweit mit einem anhaltenden Mangel an Lehrkräften gerechnet. Bereits aktuell besteht insbesondere in Bundesländern wie Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Berlin ein erhöhter Bedarf an Berufsschullehrerinnen und -lehrern. Nach Prognosen der Kultusministerkonferenz ist davon auszugehen, dass sich der Lehrkräftemangel im Berufsschulwesen künftig auch in weiteren Bundesländern, darunter Brandenburg, Thüringen und Nordrhein-Westfalen, deutlich bemerkbar machen wird. Über einen längeren Zeitraum hinweg wird bundesweit ein jährliches Defizit von mehreren hundert Berufsschullehrkräften erwartet. Bereits im Jahr 2020 zeigte sich ein spürbarer Mangel an entsprechend qualifizierten Lehrpersonen. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Quereinstieg in das Berufsschullehramt zunehmend an Bedeutung.

Lehrer /-innen der Sekundarstufe II

Während in allen anderen Bereichen ein Lehrermangel vorherrscht, ist der Bedarf an Gymnasiallehrer /-innen fast im gesamten Bundesgebiet schon 2019 gedeckt. Nur in Sachsen-Anhalt konnte 2019 weniger als die Hälfte des Bedarfs ausgeglichen werden. Dennoch prognostiziert die Kultusministerkonferenz in den nächsten zehn Jahren einen deutlichen jährlichen Überschuss an Gymnasiallehrer /-innen. Lediglich im Jahr 2025 gibt es ein geringeres Angebot als Einstellungsbedarf. Über die Jahre hinweg gibt es deutschlandweit im Schnitt jährlich ein Überangebot von 3170 Lehrkräften der Sekundarstufe II. Warum sich so viele für diese Schulform auf Lehramt studieren, könnte an der besseren Bezahlung und den größeren Aufstiegschancen liegen, die eine Lehrstelle an einem Gymnasium gegenüber der Sekundarstufe I oder der Grundschule bietet.  

Maßnahmen gegen den Lehrermangel 

Die Bundesländer sind bemüht, jährlich alle offenen Stellen im Schulsystem zu besetzen. Aufgrund des anhaltenden Lehrkräftemangels werden hierfür unterschiedliche Maßnahmen eingesetzt, die sowohl kurzfristige Entlastung als auch langfristige Lösungen zum Ziel haben. Zur kurzfristigen Abmilderung des Mangels greifen viele Bundesländer auf die Reaktivierung pensionierter Lehrkräfte zurück oder ermöglichen eine spätere Versetzung in den Ruhestand. Diese Maßnahme trägt dazu bei, zumindest einen Teil der unbesetzten Stellen zeitnah zu besetzen, stellt jedoch keine dauerhafte Lösung dar. Langfristig setzen die Länder verstärkt auf den Quereinstieg in den Lehrerberuf, dessen Bedeutung in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat. Der Anteil von Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern ist spürbar gestiegen, variiert jedoch stark je nach Bundesland, Schulform und Unterrichtsfach. Der Quereinstieg wird auch künftig eine wichtige Rolle bei der Sicherung der Unterrichtsversorgung spielen.

Ergänzend dazu wird die Planung und Prognose des Lehrkräftebedarfs kontinuierlich weiterentwickelt. Ziel ist es, Engpässe früher zu erkennen und gezielter gegensteuern zu können. Dabei kommen zunehmend kombinierte Berechnungsverfahren zum Einsatz, die regelmäßig aktualisiert werden, um auch kurzfristige Entwicklungen zu berücksichtigen.

Beispiele für zentrale Maßnahmen sind:

  • Reaktivierung pensionierter Lehrkräfte zur kurzfristigen Überbrückung von Engpässen
  • Ausbau und Vereinfachung von Quereinstiegsprogrammen
  • Weiterentwicklung der Lehrkräftebedarfsprognosen, etwa durch häufigere Aktualisierungen der Daten

Einige Bundesländer, darunter Hessen, nutzen bereits seit mehreren Jahren solche kombinierten Prognosemodelle, um flexibler auf Veränderungen reagieren zu können.

FAQ: Häufige Fragen

Was ist der Grund für den Lehrermangel?

Für den Lehrermangel gibt es mehrer Ursachen. Zum einen gehen durch den demografischen Wandel mehr ältere Lehrkräfte in den Ruhestand, als junge Lehrkräfte nachrücken. Zum anderen fehlt es dem Beruf an Attraktivität, da die Arbeitsbedingungen für Lehrer /-innen durch ein veraltetes und in vielen Punkten mangelhaftes Bildungssystem nicht optimal sind.

Was ist der Grund für den Lehrermangel?

Den größten Lehrermangel gibt es derzeit in Baden-Württemberg, Bayern und Berlin. Aber auch in allen anderen Budnesländern werden dringend Lehrer /-innen gesucht.

Welche Lehrer /-innen werden am meisten gebraucht?

Besonders hoch ist der Bedarf in den naturwissenschaftlichen Fächern, also Bio, Physik und Chemie, sowie in Mathematik, Informatik, english, Kunst und an Förderschulen.

Lehrermangel im Überblick

  • Der Lehrermangel ist schon seit vielen Jahren das große Problem des deutschen Bildungssystems.
  • In den kommenden Jahren wird sich der Lehrermangel weiter verschärfen.
  • Gründe für den Lehrermangel sind eine steigende Anzahl an Schüler:innen sowie die schlechten Arbeitsbedingungen von Lehrer:innen. Außerdem gehen mehr Lehrkräfte in Rente, als neue nachkommen.
  • Derzeit sind zehntausende Stellen gar nicht oder nicht vollständig besetzt.
  • Der Lehrermangel kann für Quereinsteiger:innen eine Chance in den Lehrberuf sein.

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Marvin Kesper

UNICUM-Autor/-in seit 2018

Marvin ist seit September 2024 Head of Operations und Prokurist bei UNICUM und hat davor schon als Content-Manager bei UNICUM gearbeitet und vorher sein Volontariat in der Redaktion absolviert. Für sein Medienwirtschaft und Journalismus Studium zog es ihn aus seiner Heimat, dem Ruhrgebiet, an die Nordseeküste nach Wilhelmshaven. Nach dem Bachelor zog es Marvin zurück in den Pott und er fing, nach einer Tätigkeit als freier Journalist, bei UNICUM in Bochum an. Sein Spezialgebiet: Fußball! Von A, wie Ailton bis Z, wie Zinédine Zidane, Marvin ist ein wandelndes Fußball-Lexikon. Wieso er dann bei UNICUM gelandet ist? Er liebt es zu schreiben und sich auch mit neuen Themenfeldern zu beschäftigen.

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