Perfektes Anschreiben
Beim Anschreiben musst du auf den Punkt kommen | Foto: Thinkstock/peshkov
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12. Apr 2016

Julia Berlekamp

Anschreiben

Tipps für das perfekte Anschreiben

Beispiele und Checkliste

Deine Checkliste für das Anschreiben

  • Absender und Adresse vollständig und richtig?
  • Ansprechpartner in die Adresse mit eingebaut?
  • Auch deine eigene Adresse vollständig inkl. Telefonnummer?
  • Ist die Betreffzeile richtig? "Ihre Stellenanzeige in ... vom ... als ..."
  • Sind Ort und Datum korrekt?
  • Sind alle geforderten Angaben im Anschreiben enthalten?
  • Sind alle Rechtschreib- und Zeichenfehler verbannt?
  • Sind die "Anlagen" aus dem Anschreiben verbannt?
  • Ist das Anschreiben unterschrieben?

Aller Anfang ist schwer ... beim Anschreiben

Das Deckblatt ist gestaltet, der Lebenslauf endlich in chronologischer Reihenfolge aufgelistet – doch da ist schon wieder dieses eine weiße Blatt auf dem Bildschirm, das es zu füllen gilt. Wie beginne ich überhaupt mit meinem Anschreiben?

Der erste Eindruck entsteht laut Jürgen Hesse, Bewerbungsexperte vom Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader, schon bevor der Personaler überhaupt ein Wort vom eigentlichen Anschreiben gelesen hat: "Es fängt damit an, wie der Briefkopf aussieht und wie das Adressfeld beschriftet ist. Geht das Schreiben namentlich an den Personalchef, an den Inhaber oder steht da lediglich 'Sehr geehrte Damen und Herren'. Gibt es irgendwelche Auffälligkeiten am Ende? Steht dort zum Beispiel noch ein 'PS (Postskriptum)', um eine Besonderheit zu meiner Person oder eine weitere Referenz hervorzuheben, oder schreibt jemand einfach: 'Anlagen: Anschreiben, Lebenslauf, Foto'?"

Direkt zu Beginn kann bereits einiges falsch gemacht werden. Mit der Anrede "Sehr geehrte Damen und Herren" hast du als Bewerber keinen Glanzstart hingelegt. Die beste Variante ist es, einen Ansprechpartner herauszufinden und diesen direkt anzuschreiben. Falls in der Stellenanzeige kein Name verzeichnet ist, trau dich ruhig in der Firma anzurufen und die richtige Person ausfindig zu machen.

"Hiermit bewerbe ich mich ..." - Standardphrasen im Anschreiben vermeiden

Diese Standardfloskel aus den 80er- und 90er-Jahren kannst du ganz schnell vergessen. Bei so einem Einstieg wird deine Bewerbung schneller beiseitegelegt, als du "Vorstellungsgespräch" sagen kannst. Es gibt zwei Varianten, um in den inhaltlichen Teil des Anschreibens zu starten.

Zum einen kannst du auf etwas Bezug nehmen. Dies kann ganz klassisch ein Stellenangebot in der Zeitung oder im Internet sein. Außerdem kannst du auf ein vorheriges Gespräch am Telefon, persönlich in der Firma oder auf einer Messe, auf der die Firma einen Stand hatte, Bezug nehmen. Hier ist es natürlich wichtig den Namen des Gesprächspartners mit in den Einleitungssatz einzubringen.

Ist deine Bewerbung eine reine Initiativbewerbung, bei der du vorher mit niemandem gesprochen hast und auch kein Stellenangebot vorhanden ist, ist es natürlich schwer, auf etwas Bezug zu nehmen. Es bleibt dir zunächst nur die Möglichkeit, auf das Unternehmen einzugehen und zu erklären, warum dieses deine Aufmerksamkeit geweckt hat. Sätze wie zum Beispiel "Sie sind ein Unternehmen, das ...", "Ich biete Ihnen ..." oder "Ich bin seit langer Zeit sehr an der Entwicklung Ihres Unternehmens interessiert ..." sind in diesem Fall ein guter Einstieg.

Aber Achtung! Der Profi warnt vor Fallen, die direkt zu Beginn des Anschreibens warten: "Wenn man zu 'Hoppla-hier-komm-ich'-mäßig schreibt, wirkt man nicht sehr sympathisch. Das wäre dann, wenn man sinngemäß textet wie: 'Der Job, den Sie anbieten, passt 100-prozentig zu mir. Kennen Sie mich schon?'." Zusammenfassend kann gesagt werden, dass man sich im Anschreiben natürlich selbstbewusst, aber nicht zu überheblich präsentieren soll.

Dein Anschreiben sollte nicht nur eine Korrekturschleife durchlaufen | Foto: Thinkstock/m-gucci

Beim Bewerbungsanschreiben beliebt: Das "Ich-Sie-Wir"-Prinzip

Ist der Einstieg erst einmal geschafft, kommt das wirklich Interessante: der inhaltliche Teil. Dabei rät Bewerbungsexperte Jürgen Hesse: "Im Grunde geht es um eine Art Moderation. Als Aufbau würde ich den Ablauf 'Ich-Sie-Wir' empfehlen."

  • Ich: "Der Ich-Block ist schon der interessanteste, weil der Empfänger ja etwas über den Absender erfahren will. Deshalb sollte dieser Teil auch den größten Anteil im Text haben", sagt der Profi. Es geht hier darum zusammenzufassen: Wer bin ich, welches Interesse habe ich, woher komme ich, was biete ich, welche Stärken habe ich.
  • Sie: Ein Unternehmen muss laut dem Experten in dem Anschreiben nichts über sich lesen. In diesem Teil geht es darum, das spannende Jobangebot zu erwähnen und zu vermitteln, dass das "Sie" ein Unternehmen ist, das zu mir als Bewerber passt.
  • Wir: In diesem Teil wird das "Ich" und das "Sie" zusammengeführt. Dieser Teil dient dazu, das "Sie" davon zu überzeugen, dass bei einer gemeinsamen Zusammenarbeit das Unternehmen davon profitiert und eine gemeinsame Entwicklung möglich ist. Dies könnte in Form von einem Satz wie "Ich freue mich meine Fähigkeiten aktiv in Ihr Unternehmen einbringen zu können" formuliert werden.

In einigen Stellenausschreibungen ist die Rede von Gehaltsvorstellungen. Da dieser Punkt oft heikel ist, stellt sich die Frage, wo dies im Anschreiben platziert werden soll. Natürlich ist es nicht förderlich direkt mit der Tür ins Haus zu fallen und zu Beginn des Textes eine Summe zu nennen. Zuerst gilt es, die eigene Motivation und Qualifikationen darzustellen. Wenn dann klar ist, was du dem Arbeitgeber bietest, kann der Punkt Gehaltsvorstellungen aufgeführt werden. Jürgen Hesse rät dazu, immer eine Spanne anzugeben, da dann auch noch gute Verhandlungen möglich sind. Er schlägt dazu folgenden Satz vor: "Meine Vorstellungen bewegen sich beim Jahresbruttoeinkommen von ... bis ...".

Der perfekte Schluss

Beim Einstieg ist die Standardfloskel "Hiermit bewerbe ich mich?" die schlechteste Wahl, aber wie sieht es mit "Mit freundlichen Grüßen" zum Abschluss aus? Jürgen Hesse hat dagegen nichts einzuwenden: "Da macht man Nichts falsch. Es gibt ja auch Leute, die das singulär benutzen, also: 'Mit freundlichem Gruß', aber ich finde das immer ein bisschen geizig. Das Anschreiben kann durchaus auch mit 'Mit freundlichen Grüßen aus Berlin' oder 'Mit freundlichen Grüßen nach Bochum' enden. Gerade die Abschlussformel kann man ein wenig auflockern und dadurch Sympathien mobilisieren."

Stellenwert des Anschreibens

Laut Bewerbungsexperte Jürgen Hesse legen viele Personaler das Anschreiben quasi ungelesen zur Seite. Wie wichtig ist das Anschreiben dann überhaupt? Ist es dann nicht überflüssig?

"Ich bin einer der wenigen Vertreter, die denken, dass das Anschreiben gar nicht so wichtig ist. Das bedeutet nicht, dass jetzt viele Fehler gemacht werden dürfen und man sich keine Mühe geben sollte. Aber die wichtigen Punkte müssen in dem beruflichen Werdegang zu finden sein. Ich glaube, dass es viele Personaler gibt, die aufgrund des beruflichen Werdegangs und der Ausgangsposition sehr schnell sagen, der oder die kommt für uns nicht in Frage. Es gibt aber auch Kandidaten, bei denen sich der Personaler nicht sicher ist. Er wird dann nochmal die Zeugnisse des Bewerbers beurteilen und sich anschauen, wie das Anschreiben getextet ist. Dadurch versucht er fündig zu werden, ob der Bewerber in Frage kommt oder nicht."

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