Insolvenz: Das bedeutet sie

Eine Insolvenz beutetet die Zahlungsunfähigkeit eines Unternehmens, oder einer Privatperson. | Foto: Towfiqu Barbhuiya / Unsplash
Insolvenz: Am häufigsten ist das Baugewerbe betroffen
In der Stuttgarter Wagenburgstraße eröffnete der junge Bäckermeister Max Lang damals seine erste Filiale. Das war 1935, noch in der dunklen NS-Zeit. Seitdem backt das Familienunternehmen Sauerteigbrote, Apfeltaschen, Laugenbrezeln. Mittlerweile hat die Schwaben-Bäckerei 150 Filialen im Großraum Stuttgart. Ist 2015 das Jahr, in dem das Kapitel Lang endet? Am 30. Januar 2015 stellt die Max Lang GmbH einen Insolvenzantrag wegen Zahlungsunfähigkeit. Das steht sogar ganz offen auf ihrer Homepage, es könnte aber auch jeder Interessierte im Netz nachlesen.
- Eine Insolvenz kann eine Firma nicht geheim halten, selbst wenn es die Beteiligten wollten.
Die Insolvenz des Traditionsbäckers überrascht Michael Pluta nicht. "Die BMW-Berufe sind besonders gefährdet: Bäcker, Metzger, Wirte", sagt der Insolvenzverwalter. "Das Angebot ist schlichtweg zu groß." Am häufigsten aber ist das Baugewerbe betroffen, von den rund 12.000 beantragen Unternehmensinsolvenzen im ersten Halbjahr 2014 entfallen allein 2.000 auf die Baubranche.
Plutas Kanzlei hat allein im Jahr 2014 insgesamt 211 Insolvenzverfahren geleitet. 2015 hatte Pluta alle Hände damit zu tun, das Modeunternehmen Strenesse erfolgreich durch die Insolvenz zu führen. Strenesse hatte seit Jahren rote Zahlen geschrieben, Altlasten drückten aufs Ergebnis, der Insolvenzantrag folgte im April 2014.
Das passiert bei einer Insolvenz: Sanieren, verkaufen, weitermachen
Für Strenesse, für Max Lang und für alle anderen insolventen Unternehmen gibt es im Grunde drei Möglichkeiten:
- Entweder wird die Firma saniert und weitergeführt.
- Oder sie wird saniert und verkauft.
- Oder, sollte der Fall wirklich hoffnungslos sein, sie wird stillgelegt.
"Wenn die Perspektive stimmt, können insolvente Unternehmen gerettet werden", behauptet Pluta.
Die vierte Möglichkeit ist freilich immer die beste. Wenn es gar nicht erst zur Insolvenz, das heißt zur Überschuldung, zur drohenden oder endgültigen Zahlungsfähigkeit, kommt. "Der erste Fehler ist, dass frühe Krisensignale nicht als solche erkannt oder interpretiert werden", sagt dazu Robert Tobias, Partner bei hww in Berlin.
Krisensignale können sein:
- ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld
- Missmanagement
- fehlende Rücklagen
- der Wegfall eines wichtigen Kunden
- die Kündigung eines wichtigen Mitarbeiters in einer Schlüsselposition
- gekappte staatliche Subventionen
Krisen, die zu einer Insolvenz führen sind meist hausgemacht
"In der Regel reden Unternehmen und das Top-Management ihre Verantwortung für die Insolvenz damit klein", so Tobias. "Tatsächlich sind 90 Prozent aller Krisen und damit auch alle Insolvenzen hausgemacht."
Leichte Anfängerfehler kommen in der Wunderwelt der Wirtschaft allzu häufig vor. Da werden Preise stümperhaft kalkuliert oder Steuern schlichtweg nicht eingeplant. "Grundsätzlich steigt die Chance, eine Insolvenz abzuwenden, wenn Maßnahmen frühzeitig ergriffen werden, also beispielhaft die Kostenstruktur verändert wird oder neue Geschäftsfelder erschlossen werden", sagt dazu der dritte Experte im Bunde, Gerhard Brinkmann, Partner in der Kölner Wirtschaftskanzlei Görg.
Was macht ein Insolvenzverwalter?
Der Zeitpunkt des Insolvenzantrags spielt jedenfalls eine ganz entscheidende Rolle. Darin sind sich alle Berater einig. Je früher er erfolge, desto größer die weiteren Erfolgsaussichten. Das sehen viele Unternehmer allerdings ganz anders.
Denn: Ein Insolvenzverwalter will zwar das Unternehmen retten – aber nicht zwangsläufig alle beteiligten Personen. Er verfügt über die Entscheidungsgewalt, kann die Geschäftsführer eigenmächtig absetzen und geeignete Sanierungsmaßnahmen einleiten. Besonders für Gründer und Patriarchen ist der Machtverlust oft unverdaulich und schwer zu akzeptieren. In der Tat sei, so Robert Tobias, der Unternehmenstypus eines "Patriarchen schwer zu beraten und von bestimmten Sanierungsvorhaben zu überzeugen."

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"Eine Insolvenz nagt am Selbstwertgefühl der Geschäftsführer, der Angestellten, einfach aller Beteiligten", ergänzt Pluta. Schließlich haftet insolventen Unternehmern der Ruf von Versagern an – das ist speziell in Deutschland noch immer ein großer Makel.
Ist es aber erst einmal so weit, gilt es, das Unternehmen neu aufzustellen. Dabei kann eine neue Marketingstrategie helfen, die Entwicklung eines neuen Produkts, die Neuordnung von Lieferverträgen – oder eben auch die massenhafte Entlassung von Mitarbeitern. Schließlich wollen auch die Gläubiger am Ende zufriedengestellt und ausbezahlt werden.
Bäckermeister Max Lang starb 1992, er wäre heute über 100 Jahre alt. Gut, dass er die Insolvenz seines Babys nicht mehr erleben muss. Andererseits: Die Chancen, dass die Bäckerkette Max Lang weiterlebt, stehen ja gar nicht mal so schlecht.
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