Astronaut werden - das Allroundtalent
Astronauten durchlaufen ein anspruchsvolles Auswahlverfahren | GettyImages/studio023
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28. Aug 2018

Celina Kumpernatz

Berufsbilder

Astronaut werden: Als Allroundtalent in den Weltraum

Diese Eigenschaften solltest du als Astronaut unbedingt besitzen:

  •  Du bist Experte in allen Naturwissenschaften
  • Deine Faszination für das Weltall ist grenzenlos
  • Körperlich bist du extrem fit und besitzt eine gute Ausdauer
  • Starke Nerven begleiten dich ins All
  •  Du verlierst dein Ziel nie aus den Augen
  •  Multitasking gehört zu deinen Skills
  • Für deinen Traumberuf nimmst du viele Belastungen in Kauf
  •  Deine Abenteuerlust und extreme Herausforderungen sind deine Motivatoren
  •  Du bist bereit deine Work-Life-Balance aufzugeben

Das macht ein Astronaut

Ins All geschossen werden und die Erde von oben betrachten -  das klingt sehr abenteuerlustig. Tatsächlich gehört jedoch noch einiges mehr dazu, um Astronaut zu werden. Bevor der Einsatz im Weltraum beginnt, musst du dich erst einmal auf der Erde beweisen. Astronauten nehmen an Raumfahrtexpeditionen teil, steuern am Bord einer Raumstation alle Abläufe und führen in diesen wissenschaftliche Untersuchungen durch. Die Raumfahrt sollte dabei zu deiner Berufung werden, da du mit Herz und Seelen diesen Beruf ausüben musst, und einen wichtigen Beitrag zur Zukunft der Menschheit leistest. Sechs Raketenflugstunden von der Erde entfernt, arbeitest du für mehrere Wochen oder Monate in der Internationalen Raumstation ISS. Als Teil eines wissenschaftlichen Forschungsteams, führst du Experimente mit Hilfe der besonderen Bedingungen des Weltalls durch. Dabei befindest du dich in völliger Schwerelosigkeit und beschäftigst dich mit den Entwicklungen in der Physik und der Materialforschung. Auch astronomische Beobachtungen gehören zu deinen Aufgaben, ebenso wie die Wartung und Instandhaltung der Raumstation. Während deines Berufsalltags im All musst du dich mit mehrere Stunden Sport pro Tag fit halten, um dem Muskelschwund in der Schwerelosigkeit im Weltall entgegenzuwirken.

Als Astronaut wirst du zum Allroundtalent, da du sowohl Experte beispielsweise in der Chemie als auch in der Physik sein musst. Du musst in der Lage sein, innerhalb kurzer Zeit zwischen mehreren naturwissenschaftlichen Bereichen zu wechseln. Gleichzeitig bist du auch Handwerker der Raumstation und musst Reparaturen durchführen können.

Kurz vor Beginn deiner Reise in das Weltall wirst du in einer Quarantäne-Station untergebracht, um dich nicht kurz vorher noch mit Krankheiten anzustecken. Falls du doch noch krank werden solltest, steht dir ein Stellvertreter in der Quarantänestation zur Verfügung, der dich im Notfall noch vertreten kann. Auch nach deinem Einsatz im Weltall, musst du zuerst in einer Reha untergebracht werden, um deine Muskeln wieder zu stärken, die trotz ständigem Training im Weltall erst neu trainiert und gestärkt werden müssen, um den Alltag auf der Erde überstehen zu können.

In Europa ist für die Raumfahrt die ESA, die Europäische Raumfahrtorganisation, verantwortlich, die ihr eigenes Astronautenkorps unterhält. Die ESA wäre dann dein Arbeitgeber und führt alle wichtigen Tests und Auswahlverfahren durch.

So kannst auch du Astronaut werden

Wenn du Astronaut werden möchtest, musst du dies schon früh in deiner Karriereplanung berücksichtigen. Naturwissenschaftliche Studiengänge wie Physik, Chemie, Medizin oder Ingenieurwissenschaften legen dafür den ersten Grundstein. Da du dich zu einem echten Allroundtalent entwickeln musst, bieten vor allem interdisziplinäre Studiengänge eine gute Grundlage. Weißt du von Anfang an, dass du ins Weltall möchtest, kannst du dich direkt für den Studiengang Luft- und Raumfahrttechnik entscheiden. Dieses Studium umfasst alle wichtigen Studieninhalte, die du für deine Fahrt ins All benötigst. Nach dem Studium kommt ein strenges Auswahlverfahren durch die ESA auf dich zu. Um als Kandidat in Frage zu kommen, musst du hier erst einmal deine wissenschaftlichen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Hier werden auch Fremdsprachen empfohlen, besonders jedoch Englisch, damit du dich mit allen Teammitgliedern aus anderen Nationen verständigen kannst. Erste Erfahrungen in praktischen Gebieten, wie in Handwerksberufen oder bereits absolvierte Flugstunden, helfen dir ebenfalls deinen Traum zu realisieren. Anschließend folgen mehrere anspruchsvolle Tests, die du erfolgreich absolvieren musst. Hier wird z.B. dein mathematisch-logisches Denken auf die Probe gestellt sowie deine psychomotorische Koordination. Auch stehen das Bestehen einer psychologischen Eignung auf dem Programm sowie die Überprüfung deiner Multitasking-Fähigkeiten. Am Ende des Auswahlverfahrens wird eine Art Shortlist mit rund 10 Kandidaten aufgestellt. In anschließenden Bewerbungsgesprächen werden die zukünftigen Astronauten dieser Liste ermittelt. Es sind auch sogar Nachnominierungen möglich. Hast du alles erfolgreich gemeistert, folgt endlich die Spezialausbildung zum Astronauten. Gehörst du zu den wenigen Auserwählten, dann liegt ein vierjähriges Training vor dir. In dieser Zeit besuchst du unterschiedliche Lehrgänge in den verschiedensten Forschungsgebieten. Du lernst die Grundlagen der Weltraumforschung, die Geschichte der Raumfahrt, sowie die Organisation und die Technik für den Weltraum kennen. Ebenfalls absolvierst du einen englischen Sprachkurs. Regelmäßiger und ausdauernder Sport darf bei deinem täglichen Programm auf keinen Fall zu kurz kommen. Wie z.B. Tauchunterricht, bei dem du schon vorzeitig lernst, die Schwerelosigkeit im All zu trainieren. Dein Weg für deine Ausbildung führt dich dann erst einmal nach Köln. Dort befindet sich das Europäische Astronautenzentrum, wo die auserwählten Astronauten ausgebildet werden.

Ein Faktor, den du als potentieller Astronaut nicht beeinflussen kannst, ist der nationale Proporz. Die Abgeordneten der Länder entscheiden zusammen mit den Vertretern der ESA darüber, wie viele Astronauten der jeweiligen Länder genommen werden. Hier scheitern bereits oft sehr talentierte Astronauten, da einfach nicht genügend Stellen zur Verfügung stehen.

Astronauten können übrigens nur für ihr Heimatland ins All fliegen, das heißt, du könntest beispielsweise nicht als deutscher Staatsbürger für die NASA die Raumfahrt antreten. In Europa würdest du im Auftrag der ESA den Weltraum erkunden.

 Expidition auf dem Mond

Voraussetzungen, um Astronaut zu werden

Um die Berufung des Astronauten vollkommen ausleben zu können, musst du einige Voraussetzungen vorweisen können, um tatsächlich Astronaut werden zu können. Die wenigen Plätze in der ESA sind heiß begehrt und selten, alle paar Jahr, werden neue Plätze im Team frei. Gute Voraussetzungen erfüllst du, wenn du das beste Einstiegsalter mit 35 Jahren vorweisen kannst. Spätestens mit 37 Jahren sollte deine Bewerbung an die ESA rausgehen. Ab 50 Jahren sinkt die körperliche Leistungsfähigkeit und somit auch deine Chance auf einen begehrten Platz. In diesem Alter wird der aktive <a data-cke-saved-href=">Astronautendienst meistens schon wieder beendet.

Auch körperliche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit du im Weltall bestehen kannst. Bezüglich der Größe beispielsweise musst du zwischen 153 und 190 cm groß sein, bist du kleiner oder größer, fällst du als potentieller Kandidat bereits aus dem Auswahlverfahren raus. Hast du eine Sehschwäche ist das nicht direkt dein Aus, denn Augenfehler bis zu zwei Dioptrien werden zugelassen. Somit darfst du auch im Weltraum eine Brille tragen und auch Plomben in Zähnen sind erlaubt, entgegengesetzt vieler Gerüchte. Als Astronaut musst du auf keinen Fall ein Leistungssportler sein, dennoch solltest du gesund sein und eine gute Ausdauer besitzen, um die strapaziöse Zeit an Bord der Raumstation ohne Probleme überstehen zu können. Auch starke Nerven solltest du im Gepäck haben, da du mehrere Wochen oder Monate mit den immer selben Personen, aus verschiedenen Kulturkreisen, auf engstem Raum verbringen wirst und nicht mal eben frische Luft schnappen gehen kannst, wenn dir alles zu viel wird. Daher solltest du eine hohe Toleranzgrenze aufweisen, da es dort wenig Platz für Komfort geben wird. Eigenschaften wie Mut, Entdeckergeist und Abenteuerlust bringen dich deinem Ziel auf jeden Fall näher.

Bei den Auswahlverfahren für Astronauten werden auch schon dein Denkvermögen, dein Orientierungsvermögen sowie dein Geschick unter die Lupe genommen, die du an Bord der Raumstation unbedingt benötigst. Auch wird getestet, wie es um deine psychologische Belastbarkeit steht, da du mehrere Wochen oder Monate weit entfernt von Zuhause und der Erde hohen Belastungen ausgesetzt bist. Auch hier sollte dein Herzblut für die Sache wieder hervorgehoben werden, da du mit der Entscheidung Astronaut zu werden auch einen geregelten Tagesablauf sowie eine ausgewogenen Work-Life-Balance über Bord wirfst. Auch der Druck und die Belastung während der vielen Tests und der Auswahlverfahren kurz vor dem Ziel zu scheitern, darf nicht unterschätzt werden. Wenn du es unbedingt schaffen möchtest und die Raumfahrt als deine Berufung ansiehst, musst du dennoch realistisch im Hinterkopf behalten, wie groß die Chancen neben der großen Konkurrenz sind, deinen Traumberuf frühzeitig an den Nagel hängen zu müssen.

Gehalts und Berufliche Zukunftsaussichten von Astronauten

In der Ausbildungsphase verdienst du als Astronaut 55000 Euro im Jahr. Wenn du dich dann endlich auf den Weg ins All begibst, macht sich das auch direkt bei deinem Gehalt bemerkbar. Dein Gehalt liegt dann schon bei 90000 Euro. Bist du der Kommandant in der Raumstation kannst du dich auf Einkommen von jährlich 110000 freuen. Das lange Warten und die hohe Belastung vor deinem Einsatz im Weltall werden also angemessen belohnt.

Da die Stellen für Astronauten sehr begrenzt sind und viele diesen Job anstreben, sind die Berufsaussichten und somit auf eine Stelle als aktiver Astronaut sehr gering. Überstehst du das Auswahlverfahren und bringst auch sonst alle nötigen Voraussetzungen mit, wächst deine Chance auf eine Stelle in deinem Traumberuf.

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