Stellen nie ausgeschrieben
Viele Jobs werden über Kontakte vergeben | Foto: Thinkstock/PeerCreative
Autor

25. Feb 2016

Marc Wiegand

Stellensuche

Die meisten Stellen werden nie ausgeschrieben

Rouven Sperling vom CSND im Interview

Es hapert an der Eigenpräsentation

UNICUM: Herr Sperling, die Arbeitslosenquote in Deutschland liegt weit unter zehn Prozent. Müssen sich Hochschulabsolventen angesichts dieser Zahlen überhaupt Sorgen um ihre Karriere machen?
Rouven Sperling: Irgendeinen Job zu bekommen, ist für Akademiker in der Regel kein Problem. Die Herausforderung ist es eher, einen wirklich adäquaten Job zu bekommen. Die junge Generation hat ja durchaus hohe Ansprüche an die Arbeit: Sie soll Spaß machen und ein gutes Stück Selbstverwirklichung bieten. Geld ist längst nicht mehr alles.

Und was sind mögliche Fallstricke bei der Suche nach einem adäquaten Job?
Wir beobachten, dass es bei vielen Absolventen an der Eigenpräsentation hapert. Und das sind Skills, die man nicht im Studium lernt und die auch nicht jeder von zu Hause aus mitbringt.

Auf die überfachlichen Qualitäten kommt's an!

Wie sehen diese Schwächen im Selbstmarketing konkret aus?
Rouven Sperling | Foto: PrivatDa hat jemand exzellente Studienergebnisse und bekommt auf 30 Bewerbungen keine einzige Rückmeldung. Wenn wir mit diesen Leuten in die Analyse gehen, in ihre Bewerbungsunterlagen schauen oder auch im Gespräch sehen, wie sie sich präsentieren, dann merken wir, dass sie viel Gutes unter den Tisch fallen lassen. Viele Qualitäten und Errungenschaften, die man gerade auf dem Arbeitsmarkt ins Scheinwerferlicht rücken sollte, kommen kaum zur Sprache. Und da setzen wir den Hebel an.

Welche Eigenschaften braucht man noch für glänzende Karriereperspektiven?
Die Fachlichkeit bringt einen ins Job-Interview, aber den Job selbst bekommt man über seine überfachlichen Qualitäten. Das hören sie von den meisten Personalverantwortlichen und das zeigen auch unsere Erfahrungen. Wir hören immer wieder von Ehemaligen, welche Faktoren für sie letzten Endes entscheidend waren: Das sind Kompetenzen in den Bereichen Kommunikation, Management, Selbstmanagement und Sprachen.

Wie lässt sich erklären, dass gerade diese Faktoren so eine wichtige Rolle spielen?
Arbeit ist immer mehr projektbezogen. Studierende, die jetzt auf dem Arbeitsmarkt kommen, müssen sich permanent kommunikativ betätigen und in wechselnden Projektgruppen arbeiten. Des Weiteren wird aber auch von den Absolventen verlangt sowohl inhaltlich als auch geografisch mobil zu sein. Und in unserer Wissensgesellschaft hat das Know-how aus dem Studium natürlich nur eine begrenzte Lebensdauer. Da muss man sich immer wieder auf den aktuellen Stand bringen und dementsprechend eine grundlegende Bereitschaft zur Weiterbildung mitbringen.

Der goldene Tipp für Berufseinsteiger

Haben Sie abschließend noch einen goldenen Tipp für ambitionierte Studierende?
Das Wichtigste ist, sich zu bewusst machen, dass wir in einer Welt von Netzwerken leben. In Deutschland müssen wir davon ausgehen, dass zwei Drittel der freien Stellen niemals öffentlich ausgeschrieben werden. Sie werden über Kontakte vergeben – beruflich wie freundschaftlich. Und daher sollte man sich schon während des Studiums ein Netzwerk aufbauen – beispielsweise durch Praktika oder durch Veranstaltungsbesuche wie Fachvorträge. Damit lässt sich die Karriereleiter viel leichter erklimmen.
 


>> zurück zum Ratgeber "Stellensuche"

>> weitere Bewerbungstipps

Diese Themen könnten dich auch interessieren
Die 4 Top-Tipps für die Jobsuche

Tipps für die Jobsuche

Was tun, wenn die Jobangebote nach dem Hochschulabschluss nicht direkt ins Haus flattern? Eins ist klar: Stellenanzeigen lesen allein reicht nicht. Schon be... mehr »
Stellenanzeigen richtig lesen und entschlüsseln

Stellenanzeigen richtig lesen

Stellenanzeigen sind die erste Hürde auf dem Weg zum Traumjob. Sie richtig zu lesen und zu interpretieren, ist nicht immer leicht. Die wichtigsten Entschlüs... mehr »