Karriere in der Pflege

Lisa Beitz - 24.09.2014

Die deutsche Gesellschaft wird immer älter und Pflegepersonal gefragter

Ausgebildetet Pflegekräfte sind gefragter denn je! | Foto: Thinkstock/Halfpoint

Karrierechancen dank alternder Gesellschaft

Deutschland, das Land der Autoindustrie, der Elektroindustrie, das Land der Maschinenbauer, natürlich. Drei Branchen, die unzählige Arbeitsplätze bieten, in denen man Karriere machen kann. Es gibt eine Branche, die diese Klassiker noch übertrifft und dennoch irgendwie ein Stiefkinddasein fristet: die Pflegebranche.

2012 zählte sie über 2 Millionen Beschäftigte, in 16 Jahren wuchs diese Zahl um fast 100 Prozent und damit schneller wie der Job-Zuwachs in der ganzen Wirtschaft. Die Aussichten? Glänzend. Dem demografischen Wandel sei Dank. Laut DIW soll sich der Fachkräftebedarf mehr als verdoppeln. "Es gibt wohl keinen Wirtschaftsbereich, der durch Demografiewandel und technischen Fortschritt in den nächsten Jahren so stark wachsen wird wie die Gesundheitsbranche", bestätigt Professor Hilko Holzkämper, Studiendekan Gesundheitswesen von der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg.

Allein in der Altenpflege wird die Zahl der Pflegebedürftigen bis 2050 von 2,2 Millionen auf 4,35 Millionen steigen – schon heute werden Altenpfleger händeringend gesucht. Dennoch, die Branche ist verkannt. Schlecht bezahlt, Überstunden, Nachtschichten – nur einiges, was man so hört. Pflege studieren? Das geht. Und zwar nicht nur Medizin oder Heilpädagogik. Viele Studiengänge verknüpfen das Menschliche mit BWL.

Wachsende Ansprüche an Pflegepersonal

"Die Freude, für andere Menschen da zu sein, und durch die berufliche Tätigkeit hilfebedürftigen Menschen bei der Gestaltung ihres Alltags zu unterstützen, sollte vorhanden sein", sagt eine Sprecherin der Caritas. Offenheit im Umgang mit älteren Menschen und Menschen mit Behinderung sei wichtig, ebenso soziale Kompetenz und kulturelle Sensibilität.

Hochschulen setzen verstärkt auf Pflege-Studiengänge: Die mehr als 12 000 Altenheime in Deutschland benötigen schließlich Chefs, die sie leiten, ambulante Pflegedienste, Krankenhäuser oder Gesundheitszentren ebenso. Auch die Ansprüche an Altenpfleger oder Krankenschwestern wachsen, schon heute gibt es zu wenige, die diese Berufe erlernen wollen – und das bei immer mehr Pflegebedürftigen. Einen Studienabschluss haben bisher nur ein bis zwei Prozent der Mitarbeiter.

"Die Steuerung von betroffenen Menschen in ihren Versorgungsbedürfnissen wird immer komplexer und fordert wesentlich mehr Kompetenzen", erklärt Kristin Peter, Studienberaterin des berufsbegleitenden Pflegestudienganges an der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg. "Seit Jahren herrscht akuter Mangel an gut ausgebildeten, höher qualifizierten Fachkräften, die eine Schnittstellenfunktion zwischen allen in der Pflege beteiligten Akteuren übernehmen können."

BWL verknüpft mit Sozialkompetenzen

Auf das Management von Gesundheitseinrichtungen bereitet der Studiengang Management im Gesundheitswesen an der Ostfalia Hochschule unter anderem vor. Dabei sollen BWL-Kenntnisse mit Sozialkompetenzen verknüpft werden. Personalmanagement, Qualitätsmanagement, aber auch Patientenfallmanagement zählen zu den Einsatzgebieten der Absolventen, die oft schon während ihres Studiums ein Jobangebot bekommen, so Graziella Smeikal, Studienberaterin des Studiums.

"Ein Markt, der sich ständig weiter entwickelt und viele Chancen bietet", findet Olga Ganser, die in Wolfsburg "Management im Gesundheitswesen" studiert. Sie will sich auf die Pharmazeutische Industrie spezialisieren. Ihre Kommilitonin Nina Meyer wollte etwas im Gesundheitswesen machen, aber nicht Medizin studieren. Auch sie schätzt die Chancen auf dem Arbeitsmarkt als sehr gut ein und hat oft von anderen gehört, die schnell einen Job gefunden hatten – oft sogar im Mittel- oder Topmanagement.

Bei vielen Studiengängen wird eine abgeschlossene Pflegeausbildung vorausgesetzt, so wie beim Pflegestudiengang an der Hochschule Fulda. Auch dieser Studiengang bereitet auf Jobs in den Führungsetagen von Altersheimen oder Krankenhäusern vor, aber auch in Apotheken, bei Krankenkassen oder Unternehmensberatungen, die auf Pflegeeinrichtungen spezialisiert sind. Um der Karriere noch mehr Anschubs zu geben, hängen rund die Hälfte der Studenten noch einen Master an.

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Pflegebranche bietet Potenzial für Kreative

Ein Trend in der Branche: Immer mehr Masterstudiengänge werden angeboten, wie der Master Pflegemanagement an der Katholischen Hochschule Köln, der zum Pflegedirektor, einem Job im Qualitätsmanagement, bei Krankenkassen oder in der Pflegeforschung qualifiziert. Wer nach seinem Bachelor schon Praxiserfahrung, bestenfalls in einer leitenden Position, gesammelt hat, hat bessere Chancen, einen Studienplatz zu ergattern, rät die Hochschule.

Mit einem Master bekommt die Karriere einen noch größeren Schub. Und wer hätte das gedacht? Sogar für Start Ups und Kreative bietet die Pflegebranche Potenzial: Das zeigt zum Beispiel die junge Filmemacherin Sophie Rosentreter. Die ehemalige MTV-Moderatorin vertreibt seit drei Jahren DVDs für Demenzkranke, sie macht Filme, die unsereins langweilig finden würde, die jedoch in die Welt der Demenzkranken eintauchen, bis zu ihren Gefühlen durchdringen und so einen fördernden Aspekt haben.

Langsam und detailliert wird da beispielsweise gezeigt, wie Kinder im Zoo die Tiere füttern – schnelle Schnitte, spannende Musik oder eine überraschende Handlung sucht man hier vergebens. 1,4 Millionen Demente leben in Deutschland – die Tendenz ist steigend. Da können viele Filme verkauft werden.

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