Naturwissenschaftler beim LKA
Dr. Frank Tschentschner im Labor | Foto: Michael Godehardt
Autor

08. Sep 2014

Katerina Breuer

Berufsbilder

Karriere als Naturwissenschaftler im LKA

Als Chemiker und Biologe im Landeskriminalamt einsteigen

Mit Fernsehserien hat die Arbeit wenig zu tun

Bunte Pillen, die Ermittler bei einer Wohnungsdurchsuchung gefunden haben und für Ecstasy halten. Ein blutverschmiertes Messer aus einem Mordfall, bei dem am Griff nach DNA-Spuren des Täters gesucht werden soll. Das sind die Themen, zu denen die Naturwissenschaftler im Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen (LKA NRW) ihre Gutachten schreiben. Dr. Frank Tschentscher ist einer von ihnen. Seit sechs Jahren arbeitet er im Dezernat 52, DNA-Analyse. Mit Fernsehserien wie CSI, bei der die Kriminaltechniker am Tatort Spuren sichern, diese untersuchen und nebenbei noch die Tatverdächtigen verhören, hat seine Arbeit wenig zu tun.

Die Spuren vor Ort sichern Mitarbeiter der Kriminaltechnischen Untersuchungsstellen, die bei größeren Polizeibehörden angesiedelt sind. Die Analysen im Labor führen zwei Biologisch-Technische Assistenten durch, mit denen er eng zusammenarbeitet. Den Großteil seiner Arbeitszeit verbringt Tschentscher an seinem Schreibtisch, wo er anhand der Ergebnisse aus dem Labor Gutachten für das Gericht schreibt. Bei schwierigen Untersuchungsgegenständen geht er aber auch selbst ins Labor.

Aufklärung von Verbrechen dank DNA-Analyse

"Wenn es an einem Gegenstand keine sichtbaren Spuren gibt, ist es manchmal nicht ganz einfach festzulegen, wo man die Abriebe macht", erklärt er. Ein kleiner Blutspritzer, etwas Speichel oder winzige Hautschüppchen reichen für die Untersuchung schon aus. "Mittlerweile benötigen wir gerade einmal zehn Körperzellen, um ein komplettes Profil zu erstellen", berichtet der Wissenschaftler. Mit speziellen Methoden isolieren er und seine Kollegen die DNA, die in den Körperzellen vorhanden ist, und erstellen daraus das DNA-Identifizierungsmuster, das außer bei eineiigen Zwillingen einzigartig ist. Dabei arbeiten sie mit dem nicht kodierenden Teil der DNA, der keine relevanten Informationen etwa zu Erbkrankheiten enthält.

Dank der DNA-Analyse können immer wieder Verbrechen aufgeklärt werden. Meist mit Hilfe der DNA-Analysedatei, in der sowohl die DNA-Identifizierungsmuster bekannter Personen als auch unbekannte Tatortspuren gespeichert sind. Selbst wenn ein genetischer Fingerabdruck nicht direkt einer Person zugeordnet werden kann, so stimmt er vielleicht mit einer anderen Tatortspur überein und bietet somit neue Ermittlungsansätze.

So wie bei einem Mordfall, an den sich der 42-Jährige erinnert. Die Forensiker fanden DNA-Spuren des Täters an den Handschellen, die das Opfer getragen hatte. Die DNA-Analysedatei warf einen Treffer aus: Der gleiche Täter hatte Jahre zuvor schon einen Banküberfall begangen. Mit Hilfe dieses Hinweises konnten die Ermittler den Fall schließlich lösen.

"Ich muss bei der Arbeit objektiv bleiben"

Bei den meisten Untersuchungsanträgen geht es aber nicht um Morde, sondern um Einbrüche oder Überfälle. Genaueres erfährt Dr. Frank Tschentscher nicht, denn die Fälle sind anonymisiert. "Für mich als Gutachter ist die Tat im Grunde nebensächlich, denn ich muss bei meiner Arbeit völlig objektiv bleiben", berichtet er. "Die Ermittlungsarbeit überlasse ich den Polizeibeamten." Manchmal wird er als Sachverständiger zum Gericht gerufen, dann muss er Fragen zu seinem Gutachten beantworten. "Letztens bin ich in einem Mafiafall sogar als Gutachter nach Italien geflogen", erinnert er sich. "Das war aber eine absolute Ausnahme."

Oftmals ist die Untersuchung reine Routine

Auch die Diplom-Chemikerin Dr. Gabriele Pauleickhoff-Rümmler muss ihre Gutachten manchmal vor dem Gericht erläutern. Bei ihr geht es dann aber um Amphetamine, Cannabis oder Kokain. Die 54-Jährige ist in puncto Drogen immer auf dem neuesten Stand. Wenn Untersuchungsanträge auf ihrem Schreibtisch landen, dann geht es bei den zu untersuchenden Substanzen immer um zwei Fragen: Was ist es? Und: Wie hoch ist der Wirkstoffgehalt?

"Der Wirkstoffgehalt ist bei den Verhandlungen wichtig für die Bestimmung des Strafmaßes", erläutert die Sachverständige für Betäubungsmittel. Und die Frage, was es ist, ist nicht so banal, wie sie zunächst klingt: Es kommt schon einmal vor, dass sich das bei der Durchsuchung sichergestellte vermeintliche Kokain als harmloses Pflanzenpulver entpuppt. Oder es handelt sich um Substanzen, die nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.

Auch sie arbeitet vorwiegend vom Schreibtisch aus. Die Untersuchungen im Labor übernehmen Chemielaboranten, -ingenieure und Chemotechniker. "Bei vielen Proben ist die Untersuchung reine Routine", sagt sie. "Aber es gibt auch immer wieder Substanzen, bei denen wir mit den Standarduntersuchungen nicht weiterkommen. Dann wird es spannend." Sie sucht dann nach immer neuen Methoden, mit denen sie das Geheimnis der Substanz lüften kann. "Wenn die Mitarbeiter berichten, dass die Untersuchung erfolgreich war, bin ich dann schon ein bisschen stolz", berichtet die Wissenschaftlerin.

Neben den Gutachten muss sie aber auch Kostenrechnungen erstellen oder Lehrgänge für Mitarbeiter in den Polizeibehörden abhalten. "Neben der Chemie gibt es auch einiges an Verwaltungsvorgängen. Wer hier arbeiten möchte, muss sehr präzise und korrekt handeln, denn hinter jedem Vorgang stehen Menschen und Urteile", mahnt sie.

Auf die Stelle haben sich Hunderte beworben

Ihr Job ist begehrt, das Stellenangebot allerdings überschaubar. Im Sachgebiet 51.2, wo die Betäubungsmittel analysiert werden, arbeiten gerade mal fünf Wissenschaftler. Dr. Gabriele Pauleickhoff-Rümmler hatte Glück. Sie bewarb sich direkt nach dem Studium erfolgreich auf eine Ausschreibung des Landeskriminalamts Hamburg und wechselte von dort 1999 nach Nordrhein-Westfalen. Bei den Biologen in der DNA-Analyse sieht es nicht viel anders aus. "Wir suchen gerade Nummer 24", sagt Dr. Frank Tschentscher. "Auf die Stelle haben sich Hunderte qualifizierter Biologen beworben."

Tschentscher rät daher, bei Interesse schon während des Studiums die richtigen Schwerpunkte zu setzen. "Etwas mit Molekulargenetik sollte es schon sein. Und Praktika können sicherlich nicht schaden, genauso wenig wie eine Promotion. Das LKA selbst bietet keine Praktikantenstellen, doch in einigen rechtsmedizinischen Instituten kann man Glück haben." Da die Untersuchungsanträge in beiden Bereichen zu zahlreich sind, als dass sie alle im LKA NRW bearbeitet werden könnten, werden Vorgänge immer wieder auch an Labore oder rechtsmedizinische Institute außerhalb der Polizei vergeben.

Dr. Frank Tschentscher weiß, wovon er spricht. Bevor er zum LKA NRW kam, hat er schon während des Studiums ein dreimonatiges Praktikum beim Federal Bureau of Investigation (FBI) in den USA gemacht und in der Rechtsmedizin in Essen gearbeitet.
 


Karriere beim LKA

  • Rund 1.100 Mitarbeiter arbeiten bei der Landesoberbehörde in Düsseldorf. Sie erstellen Gutachten in Strafverfahren, sammeln und werten für die Kriminalitätsbekämpfung relevante Informationen aus und auf Ersuchen einer Justizbehörde oder des Ministeriums für Inneres und Kommunales führen sie auch Ermittlungen durch.
     
  • Die meisten Mitarbeiter sind Polizeibeamte, doch im Kriminaltechnischen Institut arbeiten auch rund 70 Wissenschaftler. Neben Chemikern und Biologen sind dort auch Ingenieure verschiedener Fachrichtungen und Sprachwissenschaftler beschäftigt. Landeskriminalämter gibt es in jedem Bundesland. Auch das Bundeskriminalamt in Wiesbaden beschäftigt Wissenschaftler.
     

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