Fringe Benefits
Es lohnt sich, den Vorteil von Fringe Benefits zu berücksichtigen | Foto: Thinkstock/utah778
Autor

16. Feb 2016

Sibylle Kallwitz

Gehalt & Finanzen

Fringe Benefits

Das geldwerte Extra

Fringe Benefits: Betriebliche Zusatzleistungen

Eine Gehaltsverhandlung gleichen einem Balanceakt. Wer zu hoch pokert, katapultiert sich vorzeitig aus dem Rennen. Wer zu bescheiden auftritt, verkauft sich unter Wert. Für Berufseinsteiger kommt erschwerend hinzu, dass häufig kein üppiger Verhandlungsspielraum auf sie wartet. Was also tun, wenn sich im Gehaltsgespräch abzeichnet, dass das Wunschgehalt nicht zu realisieren ist?

Gut beraten ist, wer schon bei der Vorbereitung auf die Gehaltsfrage alternative Vergütungsbestandteile in Betracht zieht – zum Beispiel betriebliche Zusatzleistungen, auch Fringe Benefits genannt.

Fringe Benefits sind variable, leistungsunabhängige Sach- und Dienstleistungen, die das Unternehmen zusätzlich zum geschuldeten Arbeitslohn gewährt. Für den Arbeitnehmer stellen sie einen materiellen Wert dar ("geldwerter Vorteil"). Da sie steuerbegünstigt, sprich steuerfrei oder pauschal zu versteuern sind, entfallen zudem Sozialversicherungsbeiträge.
 


Die gängigsten Extras zum Gehalt

Voraussetzung ist allerdings, dass der Arbeitgeber sie freiwillig anbietet. Der Mitarbeiter darf also keinen Rechtsanspruch haben. Zu den gängigsten Extras gehören:

  • günstiges Kantinenessen
  • firmeninterne Fitnessstudios
  • Angebote zur medizinischen Versorgung
  • private Nutzung betriebseigener Laptops, Handys & Co.
  • Jobtickets
  • Firmenwagen
  • Unterstützung bei der Kinderbetreuung

Dass Unternehmen zwecks Rekrutierung und Bindung von Mitarbeitern verstärkt freiwillige Zusatzleistungen anbieten, hat einen guten Grund: "Da sie den Arbeitgeber weniger kosten, als sie dem Arbeitnehmer nutzen, entsteht im Idealfall eine Win-win-Situation", sagt Doris Brenner, Beraterin für Karriere- und Personalentwicklung.

Ein Beispiel: Gesundheitsfördernde Maßnahmen sind bis zu 500 Euro pro Jahr und Mitarbeiter steuer- und beitragsfrei. Übernimmt der Arbeitgeber die Kosten, haben beide Seiten mehr davon, als wenn das Bruttogehalt des Mitarbeiters um voll zu versteuernde 500 Euro aufgestockt würde. Denn der eine vermeidet so höhere Lohnnebenkosten, während der andere in den Genuss eines letztlich höheren Nettogehalts kommt.
 


In der Gehaltsverhandlung offen ansprechen

Da Fringe Benefits eine wichtige Vergütungskomponente darstellen, rät Brenner, das Thema im Rahmen der Gehaltsfrage offen anzusprechen: "Fragen Sie nach, wie sich das konkrete Vergütungspaket zusammensetzt!" Auf diese Weise signalisiert der Bewerber zugleich seine Verhandlungsbereitschaft. Um möglichst zielgerichtet zu verhandeln, ist zu empfehlen, schon im Vorfeld – zum Beispiel auf der Firmenhomepage – zu recherchieren, welche Benefits im Unternehmen üblich sind.

Wie intensiv der Bewerber nachhaken darf oder sollte, ist eine Frage des taktischen Fingerspitzengefühls: Möchte der Personalentscheider nur überzeugt werden? Oder ist seine Bereitschaft zu Zugeständnissen ausgeschöpft? Und: Wie wichtig ist mir der Job? Fest steht: Sich zu hartnäckig in Details zu verbeißen, kommt selten gut an. Als Bittsteller aufzutreten ebenso wenig.

Gute Chancen hat, wer dem künftigen Chef selbstbewusst und mittels überzeugender Argumente ("spezielle fachliche Kenntnisse, zusätzliche Qualifikationen ...") darlegt, dass er nicht nur sein Geld, sondern auch eine Zusatzleistung wert ist.

Nicht jeder Fringe Benefit zahlt sich aus!

Achtung: Nicht jeder geldwerte Vorteil zahlt sich für jeden aus! Als Beispiel nennt Abakus-Steuerberater Helge Heibült aus dem ostfriesischen Hesel den privat genutzten Dienstwagen: "Hier muss der Mitarbeiter den privaten Nutzungsanteil versteuern. Das geschieht meist über die 'Ein-Prozent-Regelung'. "Diese besagt, dass monatlich die auf ein Prozent des inländischen Pkw-Listenpreises anfallende Steuer abzuführen ist.

"Wenn Sie als Außendienstmitarbeiter den Wagen überwiegend beruflich nutzen", so Heibült, "kann das für Sie auf Dauer eine hohe steuerliche Belastung bedeuten."Daher empfiehlt er allen, die nur selten mit dem Auto privat unterwegs sind, als steuerliche Alternative das Fahrtenbuch. So kann der Umfang der privaten Fahrten exakt ermittelt und abgerechnet werden.

Generell gilt: Wer sichergehen möchte, dass die angebotenen Zusatzleistungen keine versteckten Nachteile beinhalten, sollte einen Fachanwalt oder Steuerberater prüfen lassen, ob der geldwerte Vorteil tatsächlich einem höheren Gehalt vorzuziehen ist.
 


>> zurück zum Ratgeber "Gehalt & Finanzen"

>> Mehr Gehalt? Die 10 besten Alternativen

Diese Themen könnten dich auch interessieren