Profi-Tipps für die erste Gehaltsverhandlung

 |  Lesedauer: 11 Minuten

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Erste Gehaltsverhandlung: viele Fragen

Die Uni ist geschafft, das Bewerbungsgespräch war erfolgreich, doch es gibt da noch diese eine Hürde, die du meistern musst: deine erste Gehaltsverhandlung. Für viele eine unangenehme Situation, die viele Fragen aufwirtf: Wie bereite ich mich vor? Welche Forderungen sind angemessen? Welche Kompromisse akzeptabel? Und woher weiß ich überhaupt, wie viel meine Arbeit und meine Fähigkeiten wert sind? Antworten auf diese Fragen sowie Tipps für die erste Gehaltsverhandlung haben wir hier für dich zusammengestellt.

Worum geht es in einer Gehaltsverhandlung eigentlich?

Bevor wir mit den Tipps einsteigen: Machen wir uns erst einmal klar, worum es in einer Gehaltsverhandlung eigentlich geht. In einer Gehaltsverhandlung geht es darum, den Verdinest für eine bestimmte Position oder Arbeitsaufgabe zwischen einem Arbeitgeber und einem Arbeitnehmer bzw. einer Arbeitgeberin und einer Arbeitsnehmerin auszuhandeln. Ziel ist es, eine faire und für beide Seiten akzeptable Vereinbarung zu treffen.

Gehaltsverhandlungen sind in vielen Branchen üblich, es gibt aber auch Unternehmen, die nicht mit sich verhandeln lassen oder die, wie zum Beispiel Beschäftigungen im öffentlichen Dienst, an Tarifverträge gebunden sind. Generell spielen Gehaltsverhandlungen eine größere Rolle in Berufen, in denen Fachwissen, Erfahrung oder bestimmte Fähigkeiten gefragt sind, die den Marktwert der Person steigern können.

Hier sind Gehaltsverhandlungen üblich

Es gibt einie Branchen, in denen du wahrscheinlich schon dein Einstiegsgehalt verhandeln kannst. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Technologie (z. B. IT, Softwareentwicklung): In der Tech-Branche gibt es eine hohe Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften, was Gehaltsverhandlungen begünstigt. Entwickler /-innen, IT-Consultants und Ingenieure /-innen können oft über ihr Gehalt verhandeln.
  • Finanzen und Banken: Insbesondere in Bereichen wie Investment Banking, Unternehmensberatung und Finanzanalysen sind Gehaltsverhandlungen üblich. Hier wird oft mit Bonuszahlungen und anderen Benefits verhandelt.
  • Medien und Kommunikation: In kreativen Berufen, wie z.B. Journalismus, Marketing, Werbung oder Design, sind Gehaltsverhandlungen auch gängig, da die Nachfrage nach spezialisierten Fachkräften hoch ist.

Insgesamt gilt jedoch immer: Es kommt auf Branche, Beruf, Position und Unternehmen an, ob und wie viel Verhandlungsspielraum dir geboten wird. 

Hier sind Gehaltsverhandlungen eher unüblich

Es gibt auch Bereiche, in denen Gehaltsverhandlungen eher unüblich sind. Dazu gehören folgende Branchen:

  • Öffentlicher Sektor: In staatlichen und öffentlichen Institutionen sind die Gehälter meist durch Tarifverträge festgelegt. Hier gibt es wenig Raum für individuelle Gehaltsverhandlungen, vor allem in den unteren und mittleren Bereichen.
  • Einzelhandel und Gastronomie: In vielen Dienstleistungsbranchen wie dem Einzelhandel oder der Gastronomie sind Gehaltsverhandlungen weniger verbreitet. Die Gehälter sind oft standardisiert und orientieren sich an Tarifverträgen oder Mindestlöhnen.
  • Handwerk und Produktion: Auch im Handwerk sind Gehälter häufig durch Tarifverträge oder branchenspezifische Vereinbarungen geregelt, sodass individuelle Gehaltsverhandlungen seltener vorkommen.

Vorbereitung auf die Gehaltsverhandlung: Vorher schlaumachen hilft

"Im Sport ist nur der erfolgreich, der gut trainiert – beim Gehaltsgespräch nur, wer sich damit ausgiebig auseinandergesetzt hat", sagt Claudia Kimich, Verhandlungsexpertin aus München und Autorin des Buchs "Verhandlungstango – Schritt für Schritt zu mehr Geld und Anerkennung".

Und gut vorbereitet zu sein, das heißt vorallem, zu wissen, was man wert ist. Einstiegsgehälter können je  nach Position und Unternehmen, Branche und Region variieren. Daher lautet der erste Schritt, diese Variablen hinsichtlich des angestrebten Einstiegsjobs in Vergleichsportalen wie personalmarkt.de nach Durchschnittsgehältern zu checken. "Sehr gute Quellen dafür sind Berufsverbände, Branchenreports, Tariftabellen oder die Bundesagentur für Arbeit", sagt Kimich.

Diese Faktoren beeinflussen das Gehalt

Um dich vorzubereiten und deinen Marktwert realistisch einschätzen zu können, solltest du dich zunächst mit den verschiedenen Faktoren auseinandersetzen, die das Gehalt beeinflussen und in der Verhandlung thematisiert werden können. Dazu gehören:

  • Marktwert und branchenübliche Gehälter: Du solltest dir darüber im Klaren sein, welches Gehalt für die jeweilige Position und Branche üblich ist, um realistische Forderungen zu stellen.
  • Eigene Leistung und Erfahrung: Du kannst deine Erfahrungen, Qualifikationen, Erfolge und Beiträge zum Unternehmen als Argumente für eine Gehaltserhöhung oder ein höheres Einstiegsgehalt nutzen. 
  • Unternehmenssituation: Du kannst die finanzielle Lage des Unternehmens und dessen Bereitschaft, höhere Gehälter zu zahlen, berücksichtigen.
  • Weitere Benefits: Neben dem Grundgehalt können auch andere Leistungen wie Boni, Weiterbildungsmöglichkeiten, flexible Arbeitszeiten oder Zusatzleistungen (wie Firmenwagen, Altersvorsorge) Teil der Verhandlung sein.
  • Zukunftsperspektiven: Beide Seiten können auch über langfristige Karriere- und Entwicklungsperspektiven sprechen, wie etwa Aufstiegschancen und Gehaltssteigerungen in der Zukunft.

Career Center und Coaching sind hilfreich zur Übung

Erst einmal klingt jedes Gehalt für Absolventen und Absolventinnen besser als der Studentenjob, der mit zehn Euro pro Stunde bezahlt wurde. An dieser Stelle machen viele junge Menschen, die direkt von der Uni kommen, laut Claudia Kimich einen großen Fehler: "Wer nur fragt: Was brauche ich? Wer sich seine Leistungen nicht bewusst macht und nur sieht, was man nicht hat: nämlich keine Berufserfahrung, der geht die Sache falsch an." Kimich rät, unbedingt eine Liste mit allen Jobs, Ehrenämtern, Praktika und Auslandsaufenthalten zu erstellen, die man in seinem Leben geleistet oder innehatte. Dazu zählten auch Nachhilfe geben oder Babysitten. Danach geht es darum, aus dieser Liste Fähigkeiten zu destillieren und daraus einen Nutzen zu konzipieren. "Aus der Mathenachhilfe wird die Fähigkeit, etwas Komplexes oder gar Technisches gut erklären zu können, und das ist ein ‚Social Skill‘, der für einen technischen Beruf wichtig sein kann", so Kimich.

Aus der Summe aller Qualifikationen ergibt sich ein Profil, das man auf die gewünschten Stellenanforderungen zuschneidet. Dafür braucht man Übung. "Lautes Aussprechen hilft als Vorbereitung. Am besten vor Freunden oder der Familie und mit dem Handy ein Video davon aufnehmen", gibt Kimich als Tipp. "Noch besser: Lassen Sie sich ein professionelles Coaching schenken!" Eine weitere Möglichkeit zur Vorbereitung bieten Career Center, die es an fast jeder Universität gibt. Die Serviceeinrichtungen für Studierende und Absolventen bieten Seminare zu Karriereplanung und Bewerbungsverfahren sowie Veranstaltungen zum Berufseinstieg.

Mit Selbstvertrauen hoch pokern

 "Die Gefahr, sich selbst zu enge Grenzen beim Gehalt zu setzen, ist groß", so die Expertin. "Daher ist es besser, zu hoch zu pokern als zu tief!" Das kann man am besten bei Bewerbungsgesprächen für Jobs üben, die man nicht gerne will, weil sie beispielsweise zu weit entfernt sind und man umziehen müsste in  eine ungeliebte Gegend. Wer hier, auch wenn man nur 45.000 Euro erwartet, 55.000 Euro verlangt und dafür eine Zusage bekommt, der weiß, dass er oder sie beim angestrebten Job auch so viel verlangen kann. "Mit einem Arbeitgeber, zu dem man nicht unbedingt will, lässt sich meist besser verhandeln – schon weil die Aufregung längst nicht so groß ist wie beim Traumjob", verrät Kimich.

Als Verhandlungscoach weiß sie, dass sich viele Absolventen unter Wert verkaufen, weil sie sich nicht gut einschätzen können. "Aber wer frisch von der Uni kommt, bringt auch neue Erkenntnisse mit, Wissen aus neuester Forschung zum Beispiel." Wieso sollte man also nicht Vertrauen ins eigene Potenzial haben? Selbstvertrauen zeigt man im Übrigen auch im Gespräch, wenn man den Konjunktiv mit allen Wendungen wie "könnte, müsste, würde" vermeidet. Bei jeder Gehaltsverhandlung gilt: "Legen Sie sich passende Argumente zurecht, kennen Sie Ihre Untergrenze und planen Sie mögliche Zugeständnisse Ihrerseits vor dem Gespräch mit ein! Und ganz wichtig: Bleiben Sie selbstbewusst!"

Über die Expertin

Die Diplom-Informatikerin Claudia Kimich gibt als Verhandlungsexpertin Coachings, Vorträge und Workshops  und schreibt Bücher rund um das Thema Gehaltsverhandlung.

Die erste Gehaltsverhandlung: Die fünf besten Tipps

Wie deine erste Gehaltsverhandlung konkret läuft, kann natürlich niemand voraussehen. Zusammengefasst können dir aber die folgenden fünf Tipps helfen:

1. Informiere dich über den Marktwert

Bevor du in die Verhandlung gehst, solltest du wissen, was für ein Gehalt für deine Position und Branche üblich ist. Recherchiere online, frage in deinem Netzwerk nach oder nutze Plattformen wie Glassdoor oder StepStone, um den durchschnittlichen Gehaltsrahmen zu erfahren. So kannst du realistische Erwartungen setzen und deinen Wert besser einschätzen.

2. Bereite deine Argumente vor

Überlege dir, warum du das Gehalt verdienst, das du anstrebst. Konzentriere dich auf deine Qualifikationen, Erfahrungen und bisherigen Erfolge. Zeige, wie du dem Unternehmen konkret weiterhelfen kannst. Und auch wenn du denkst, dass du als Berufseinsteiger /-in nicht viel vorzuweisen hast: Nebenjobs, Tätigkeiten als studentische Hilfskraft, Praktika und Ehrenämter – all das kannst du anführen. 

3. Setze einen konkreten Zielwert

Es ist hilfreich, einen konkreten Gehaltsrahmen festzulegen, der deine Erwartungen und die Marktrealität widerspiegelt. Lege dabei auch einen Mindestwert fest, unter dem du nicht unterschreiten möchtest. Dieser Wert sollte sowohl deine Bedürfnisse als auch den Wert deiner Arbeit berücksichtigen.

4. Sei bereit für Fragen und Kompromisse

Sei darauf vorbereitet, dass der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin eventuell ein anderes Angebot macht oder nach deinem Spielraum fragt. Bleibe in diesem Fall ruhig und flexibel. Du kannst ein wenig Spielraum in deine Anfrage einbauen und dann eine Lösung finden, die für beide Seiten akzeptabel ist. Denke daran, dass Gehalt nicht nur das Grundgehalt umfasst – auch Zusatzleistungen wie Boni, Weiterbildungen, flexible Arbeitszeiten oder zusätzliche Urlaubstage können verhandelt werden.

5. Zeige Selbstbewusstsein, aber bleibe höflich und professionell

Verhandlungsgespräche sind auch ein Test für deine Kommunikationsfähigkeit und dein Selbstbewusstsein. Sei klar in deinen Aussagen, aber vermeide aggressive oder fordernde Töne. Bleibe professionell und zeige, dass du dich gut auf die Verhandlung vorbereitet hast. Ein selbstbewusstes Auftreten signalisiert, dass du deinen Wert kennst und bereit bist, dafür einzustehen.

Und wenn es nicht klappt?

Worauf du dich auch einstellen solltest: Eine Gehaltsverhandlung kann auch scheitern. Du solltest dir daher auch überlegen, zu welchen Kompromissen du bereit bist. So können beispielsweise auch bestimmte Altenativen und sogenannte Fringe Benefits wie zusätzlich Urlaubstage, Home Office oder ein Jobticket attraktiv sein.

Insgesamt ist die erste Gehaltsverhandlung immer auch eine Gelegenheit, seinen eigenen Wert zu erkennen und weiterzuentwickeln. Und auch wenn du deine Gehaltsverhandlung nicht so ausgeht, wie du es dir vorstellst: Nicht immer liegt das an dir.

FAQ: Häufige Fragen

Was sage ich bei Gehaltsverhandlungen?

Du solltest ruhig deine Wunschvorstellung selbstbewusst ansprechen. Bei Nachfragen, solltest du dir vorher Argumente für dich und dein Wunschgehalt zurechtlegen, um so deinen Chef zu überzeugen.

Wie hoch pokern bei Gehaltsverhandlung?

Als Faustformel gilt, dass du maximal 10 % mehr Lohn in einer Gehaltsverhandlung verlangen solltest. Pokerst du nämlich zu hoch, könnte eine Gehaltserhöhung ganz vom Tisch sein.

Überblick: die erste Gehaltsverhandlung

  • Finde heraus, was in deiner Branche und Position üblich ist, um realistische Gehaltsvorstellungen zu haben.
  • Hebe deine Qualifikationen, Erfahrungen und Erfolge hervor, um deinen Wert zu belegen.
  • Bestimme einen konkreten Gehaltsrahmen, mit dem du zufrieden wärst, und definiere auch deinen Mindestwert.
  • Sei bereit, Kompromisse einzugehen und auch andere Benefits wie Boni oder zusätzliche Urlaubstage zu verhandeln.
  • Kommuniziere klar und ruhig, zeige dein Selbstbewusstsein, aber bleibe höflich und professionell.

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