Behinderung erwähnen in der Bewerbung? Was du wissen solltest

Erfolgreich bewerben mit einer Behinderung.
Muss ich meine Behinderung bei der Bewerbung erwähnen?
Kurz gesagt: Nein, du bist nicht verpflichtet, deine Behinderung zu erwähnen. Ob sichtbar oder nicht, aus deinem Lebenslauf geht sie in der Regel nicht automatisch hervor. Ob du das Thema in der Bewerbung, im Vorstellungsgespräch oder gar nicht ansprichst, entscheidest allein du.
Wichtig ist: Deine Qualifikationen und Stärken stehen im Vordergrund. Alles Weitere hängt davon ab, womit du dich wohlfühlst und ob bestimmte Anpassungen im Job relevant sind.
Was bedeutet schwerbehindert?
Schwerbehindert ist man in Deutschland, wenn man einen offiziell anerkannten Grad der Behinderung von mindestens 50 hat und dadurch bestimmte Vorteile wie mehr Kündigungsschutz oder Steuererleichterungen bekommt.
Darf ich meine Behinderung verschweigen?
"Niemand ist verpflichtet seine Behinderung anzugeben" ,stellt Susanne Schnieber (Bundesagentur für Arbeit)generell klar. Denn so lange sich die Behinderung, egal welcher Art, nicht auf die Arbeitsfähigkeit auswirkt, muss sie auch nicht in eine Bewerbung hinein. Aber was tun, wenn das eben doch der Fall ist?"
In diesem Fall würde ich die Behinderung nicht unbedingt im Lebenslauf oder im Anschreiben erwähnen. Im Einstellungsgespräch aber sollte es zur Sprache kommen – wenn auch nur nebensächlich. Macht jemand eine zu große Sache daraus, könnte es wirken, als wäre es doch eine große Beeinträchtigung" ,so Schnieber.
Verschweigen solltest du eine Behinderung auf keinen Fall, wenn sie dich in der Ausübung deiner Arbeit stark beeinträchtigt. Denn das hat tatsächlich rechtliche Konsequenzen. In allen anderen Fällen gilt: Du kannst sogar verneinen, wenn du explizit nach einer Behinderung gefragt wirst, denn Angaben zu deiner Person, die sich nicht auf die Ausübung deiner Arbeit auswirken, musst du grundsätzlich nicht machen.
Sollte die Behinderung aber wie gesagt den Arbeitsalltag stark beeinträchtigen, kann es sinnvoll sein, sie auch schon im Bewerbungsschreiben zu erwähnen. Dann am besten mit dem Zusatz, dass die Nachteile durch die Beeinträchtigung(en) durch besondere Leistungsfähigkeit in anderen Bereichen ausgeglichen werden.
Überforderung hat keinen Sinn!
"Lohnenswert für Jobinteressierte mit Behinderungen ist ein Blick auf die sozialen Aktivitäten und Projekte des potenziellen Arbeitgebers", erklärt Schnieber weiter. Setzt er sich für Menschen mit Behinderungen ein? Werden bei gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung Behinderte bevorzugt berücksichtig? Unterstützt er Menschen mit Behinderungen vielleicht sogar?
Wichtig ist in jedem Fall, dass man sich darüber klar wird, ob man den Anforderungen des Jobs auch wirklich gewachsen ist. Denn überfordert die Stelle wegen der Behinderung, ist ein Arbeitsverhältnis weder für den Arbeitnehmer noch für den Arbeitgeber sinnvoll.
Wichtig:
Habe niemals das Gefühl, dass du einen "Nachteil" für Arbeitgeber:innen darstellen könntest! Unternehmen erhalten nämlich sogar Zuschüsse vom Land, wenn sie Menschen mit einem Behinderungsgrad ab 50 GdB einstellen und/oder weiterbilden.

Überforderung – was tun, wenn alles zu viel wird?
Jetzt lesen3 Möglichkeiten eine Behinderung bei der Bewerbung anzusprechen
Du kennst deine Rechte und deine Bedürfnisse, aber wie spricht man denn nun eine Behinderung am besten an?
1. Die Behinderung im Lebenslauf angeben
Du kannst ganz nüchtern deinen GdB in der Kategorie "Sonstiges" vermerken, aber den Sachverhalt auch subtil unter "Fähigkeiten" einbringen. In etwa so:
"Durch meine körperliche Einschränkung ergeben sich im Alltag für mich oft herausfordernde Situationen, die ich mit Spaß und Selbstbewusstsein meisterte. Auf die gleiche Weise nähere ich mich gern jederzeit neuen Herausforderungen im Job an."
2. Die Behinderung beim Vorstellungsgespräch erwähnen
Ist deine Behinderung sichtbar, klärt sich das meist von selbst. Bei einer unsichtbaren Behinderung braucht es etwas Fingerspitzengefühl. Warte ab, wie sich das Gespräch entwickelt, und bring das Thema an passender Stelle ein, zum Beispiel, wenn es um deine Ausbildung oder dein Studium geht.
Etwa so:
„Während meiner Ausbildung habe ich mich gut unterstützt gefühlt. Auch im Umgang mit meiner Behinderung gab es immer unkomplizierte Lösungen.“
Wichtig ist, ruhig und sachlich zu zeigen: Deine Behinderung war kein Hindernis und wird es auch im Job nicht sein.
3. Die Behinderung nach der Einstellung ansprechen
Wenn dich deine Behinderung im Joballtag nicht einschränkt, du aber offen damit umgehen möchtest, ist Ehrlichkeit der beste Weg.
Zum Beispiel ganz nebenbei im Gespräch:
„Ich war am Wochenende wandern. Wegen meiner Behinderung mache ich zwar öfter Pausen, aber ans Ziel komme ich immer.“
Wichtig ist auch hier: selbstbewusst bleiben. Deine Behinderung gehört zu dir – sie definiert dich aber nicht. Und wenn jemand nachfragt, bleib einfach ruhig und sachlich.
Du willst noch mehr wissen? Dann findest du hier weitere Informationen zum Thema Bewerbung:

Das sind die bestbezahlten Berufe 2025
Jetzt lesen
Darauf achten Personalchefs beim Lebenslauf
Jetzt lesen
Die Top 20 bestbezahlten Ausbildungsberufe 2026
Jetzt lesenArtikel-Bewertung:
Anzahl Bewertungen: 0